Icon League

Zwischen Ribery, Pizarro und Ski Aggu: Warum die Icon League so erfolgreich ist

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Am Sonntag fand das Finale der Icon League in Wien statt. Warum das Format bei Jugendlichen so erfolgreich ist:

Wien – Der Weg zum Stadion fühlt sich schon mal recht vertraut an. Wer das Finale der Icon League in Wien besucht, erlebt die gleichen Szenen wie bei jeder anderen Anreise zu einem Fußballspiel: volle U-Bahnen, überwiegend junge Männer, die gelegentlich von ihren Eltern begleitet werden, hier und da ein paar Gesänge.

Das Stadion ist in diesem Fall die ausverkaufte Stadthalle in Wien, und hier wurde am Sonntagabend kein klassisches Hallenturnier ausgetragen, sondern das Finale einer ganzen Fußballliga: The Icon League. Es ist die dritte Saison dieses Kleinfeldformats, das von Toni Kroos und dem Internetstar Elias Nerlich (28) gegründet wurde und von prominenten Partnern wie LEGO gesponsert wird.

Die Fankultur hat sich gewandelt

13 Spieltage in Düsseldorf, Bremen, Hamburg, Leipzig, Stuttgart und Hannover sowie eine Playoff-Runde liegen hinter der Liga, das Finale im K.o.-System (die besten sechs der insgesamt 14 Mannschaften spielen hier den Sieg aus) wird nun in Wien vor 10 000 Zuschauern ausgetragen – was die Liga „internationaler, größer und emotionaler“ machen soll, wie es in der Pressemitteilung heißt.

Tickets gibt es ab 29 Euro, ein VIP-Ticket kostet knapp 200. Mit der Generation Z als Zielpublikum werden die Spieltage auf Sport1 und dem Streamingportal Twitch übertragen, knapp 120 000 Fans schalten pro Plattform ein. Auf über 1,5 Millionen Views kommt ein solcher Spieltag insgesamt – und übertrifft damit manche Bundesligaspieltage. Woran liegt das? Und: Sieht so die Zukunft des Fußballs aus?

Große Namen als Flagschiffe

Um zu verstehen, warum die Icon League so erfolgreich ist, muss man die Entwicklung von Fankultur im Jahr 2025 nachvollziehen: Schon im klassischen Fußball werden immer mehr Jugendliche nicht mehr Anhänger von Vereinen, sondern von einzelnen Spielern. Teenager kaufen sich gezielt Trikots von dem Club, bei dem gerade Cristiano Ronaldo oder Arda Güler spielen. Die Icon League hat sich diese Entwicklung zunutze gemacht: Jeder Verein hat zwei Schirmherren, die dank der Prominenz von Kroos und seinem Partner Nerlich stets mit großen Namen besetzt sind.

Das Team „DNA Athletics“ gewann und feierte mit Ligapräsident Elias Nerlich.

So spielen im ersten Viertelfinale des Abends die Berlin Underdogs gegen den FC Berlin City (ein Derby, ansonsten sind die Teams nicht auf eine Stadt festgelegt), de facto treten hier jedoch der Rapper Ski Aggu und Hertha-Profi Fabian Reese gegen Luciano und Antonio Rüdiger an. Weitere berühmte Teamheads: David Alaba, Franck Ribéry oder Claudio Pizarro. Liga-Präsident Toni Kroos kommentiert aus Madrid das Spiel seines Bruders Felix, der mit Robert Andrich Two Stripes United leitet.

Elias Nerlich ist für Jugendliche ein Superstar

Spricht man mit den Fans vor Ort, sind aber vor allem die Influencer und Streamer Grund für den Andrang: „Ich bin wegen Eli hier“, hört man immer wieder von den jüngeren Zuschauern, und gemeint ist damit Liga-Präsident Elias Nerlich, dessen Berühmtheit abseits der klassischen Öffentlichkeit kaum greifbar ist: Mehrere Millionen Follower hat Nerlich in den Sozialen Medien, er hat einen Fußballverein gegründet und ist eine riesige Marke in der Zielgruppe der unter 30-Jährigen. Wenn „Eli“ also zwischen den Spielen ein paar Bälle ins Publikum kickt, reicht das, um die Halle zum Ausrasten zu bringen.

Gemeinsam mit anderen Internetgrößen wie Sidney Friede oder Niklas-Wilson Sommer erreichen sie so eine Generation, die bei der „Doppelpass“-Besetzung Basler, Effenberg und Babbel womöglich ausschaltet. Trotzdem, das betonen die Organisatoren, soll die Icon League den Fußball nicht ersetzen, sondern stärken: Wenn sich nur ein Prozent der Zuschauer nach dem Finale bei einem Fußballverein anmelden würde, hat der DFB schnell mehrere Zehntausend zusätzliche Mitglieder, rechnet einer der Organisatoren vor.

Neue Stars für jüngere Zielgruppen

Ohnehin lässt sich das Konzept der Icon League nicht auf den klassischen Fußball übertragen, es werden 24-minütige Partien gespielt mit verschiedenen Sonderregeln. So kann ein Team per „Rulebreaker“ zum Beispiel Tore doppelt zählen lassen. Diese TikTokisierung eines Fußballspiels hat zur Folge, dass so gut wie nie Langeweile aufkommt – aber sich allein aufgrund der Sonderregeln kaum das Leistungsniveau abschätzen lässt.

In der Wiener Stadthalle gibt es sechs Stunden Spektakel, mehrere Konzerte, auf der Tribüne gibt es sogar kleine Ultragruppen. Eine vierte Saison der Icon League ist bereits in Planung, dann hoffen die Macher auf noch mehr Starprominenz. Rüdiger und Alaba konnten am Sonntag nämlich nicht vor Ort sein – der Terminkalender im „echten“ Fußball hat einen Auftritt verhindert.

Aus Wien berichtet Vinzent Tschirpke

Rubriklistenbild: © The Icon League / Max Galys

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