VonJan Christian Müllerschließen
Der bevorstehende Wechsel von Florian Wirtz in die Premier League und seine Folgen
Der FC Liverpool hat gerade gezeigt, wie man einen Königstransfer hochprofessionell, vertrauensvoll und diskret vorbereitet. Während beim FC Bayern jeder Mäuseschritt im geplanten Millionendeal mit Familie Wirtz nicht nur den internen Gremien bekannt wurde, sondern auch den Medien, haben die Engländer offenbar Tatsachen geschaffen. Was nun also heißt: Ihr weithin anerkannt bester Spieler geht der Fußball-Bundesliga verlustig.
Das ist nicht nur atmosphärisch, sondern auch sportlich ein logischer Schritt. Denn der bestbezahlte und niveauvollste Fußball wird in der Premier League gespielt. Der deutsche Fußballmarkt hat sich durch die 50+1-Regel freiwillig abgeschottet. Gut für die Fankultur, schlecht für die nationale Spielklasse im internationalen Vergleich. Noch dazu, wenn wie zuletzt beim FC Bayern notorisch Irritationen im Innenverhältnis zutage treten.
Schon im heftigen Werben um Erling Haaland haben die Münchner verloren, seinerzeit gegen das aus Abu Dhabi alimentierte Manchester City, nun auch bei Wirtz. Die Bayern waren angesichts eines längst nicht mehr so prall gefüllten Festgeldkontos dem Vernehmen nach sogar bereit, einen Kredit für die Verpflichtung des jungen Mannes aufzunehmen. Denn Ablöse, Signing Fee und Gehalt hätten über fünf Jahre verteilt gut und gerne 300 Millionen Euro Aufwand bedeutet. Da kann selbst ein ungefähr hundertfacher Deutscher Meister mal in die Knie gehen.
Dass der Hochbegabte sich Rat bei Julian Nagelsmann eingeholt hat, dürfte den Bayern wenig hilfreich gewesen sein. Nagelsmann und dessen ebenfalls mit der Familie Wirtz verbandelte Berateragentur haben den Rauswurf des ehemaligen Bayern-Trainers seinerzeit nicht ohne Grund als besonders schäbig empfunden. Warum sollte der Bundestrainer nun also großartig Werbung für die Bayern machen?
Sind die neuen Aussichten einer Bundesliga ohne Wirtz schlechter? Einerseits ja, weil der Ballartist natürlich eine Attraktion ist. Andererseits aber auch nicht, weil die Bayern somit nicht die beiden fähigsten deutschen Offensivkräfte in einer Elf vereinigen. Dass Jamal Musiala und Flo Wirtz gemeinsam wunderbar funktionieren können, haben sie in der Nationalmannschaft bewiesen. Im Klubfußball könnte es ohne „Wusiala“ im Trikot der Roten zumindest eine hauchzarte Chance geben, dass der Branchenführer nicht wieder konkurrenzlos allen anderen enteilt.
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