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Frankfurts Omar Marmoush: Die Hoffnung stürmt

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Eintracht Frankfurt setzt im Schlüsselspiel gegen den VfL Bochum auf die lange vermisste Torgefahr des Omar Marmoush.

Die Steine waren im Stadtwald buchstäblich zu hören, die Dino Toppmöller im Laufe der Woche vom Herzen gefallen waren, als er gesehen hatte, wie frisch, fröhlich und gut ein junger Mann endlich wieder am Ball war: Omar Marmoush hat sich nach Afrika-Cup und fiebriger Erkältung zurückgemeldet, der Stürmer, der als einziger halbwegs verlässlich bei Eintracht Frankfurt den Weg zum Tor nicht nur sucht, sondern auch findet und trifft. Keine Frage war es denn für den in sanfte Kritik geratenen Coach, seinem gerade 25 Jahre alt gewordenen Angreifer eine Startelfgarantie für das heutige Spiel gegen den VfL Bochum (15.30 Uhr/live Sky) zu geben: „Omar wird starten.“

Es steht ja einiges auf dem Spiel. Toppmöller verlangt eine angemessene Reaktion seines Teams nach der Enttäuschung von Köln, diese Heimpartie hat das Zeug zum Schlüsselspiel für die nächsten Wochen. Ein Sieg wäre zwingend geboten, um zurück in die Spur zu finden. Toppmöller weiß das natürlich, selbst wenn er die berechtigte Kritik am miesen Köln-Spiel kontert: „Ich bin weit entfernt davon zu sagen, dass es bei uns schlecht läuft.“ Nach Siegen werde die Champions League ausgerufen, nach Niederlagen oder dem Darmstadt-Remis sei man „die Deppen“. Man müsse Erwartungen an das Mögliche anpassen. Klar ist für ihn dennoch: „Wir tun gut daran, auf dem Platz aufs Gaspedal zu drücken.“

Endlich wieder mittendrin: Omar Marmoush (Nr. 7) jubelt im Kreis der Eintracht-Spieler.

Sie haben Marmoush arg vermisst, der in der Liga in 15 Spielen sieben Tore erzielt hat. Als der Ägypter mit dem freundlichen Wesen an der sonnigen Elfenbeinküste weilte, schafften seine Kollegen im kalten Frankfurt in vier Spielen gerade mal vier Tore. Auf ihn zu verzichten, den Toppmöller „unseren Top-Stürmer“ nennt, sei „nicht einfach“ gewesen, trotz der Nachverpflichtungen der Offensivkräfte Donny van de Beek oder Sasa Kalajdzic, beide bislang ohne nennenswerte Torgefahr. Mit Marmoush im Team verfügt die Eintracht über deutlich mehr Variabilität in der vordersten Reihe, weil er als zweite Spitze, als hängende Spitze oder sogar als Zehner eingesetzt werden kann.

Erst Notnagel, nun top

Vor allem aber: Der Ägypter ist einer, der auch mal in die Gasse sprintet, der die viel besungenen tiefen Läufe absolviert, womit das ewig lange Ballgeschiebe, mit dem die Mannschaft dicht gestaffelte Abwehrreihen aus der Defensive locken will, überhaupt erst einen Sinn ergibt: Dann nämlich, wenn der lange Pass über die gegnerische Kette gespielt wird. Dafür freilich muss einer bereit sein, den Sprint anzusetzen. Das war zuletzt, bis auf homöopathische Dosen bei Ansgar Knauff, nicht der Fall, und Knauff offenbarte dabei ärgerliche Probleme bei der Ballannahme. Mit Marmoush verspricht sich Toppmöller im nicht unwichtigen Spiel gegen unangenehme Bochumer mehr Durchschlagskraft, mehr Zug zum Tor. Seine zwölf Treffer in 25 Pflichtspielen sind Frankfurter Bestwert.

Eine gewisse Unsicherheit freilich herrscht darüber, in welcher Form er vom Afrika-Cup zurückgekommen ist. Dort hat er zwar ein Tor erzielt, beim 2:2 gegen Ghana, und auch in der K.o.-Runde im Elfmeterschießen Verantwortung übernommen, aber für Ägypten, einer der Favoriten des Turniers, war schon im Achtelfinale Schluss. Das will mental erst einmal verdaut sein. Schon die Kollegen Ellyes Skhiri und Fares Chaibi kehrten unverrichteter Dinge und deutlich früher als erwartet aus Afrika zurück, beide hatten anfangs ihre liebe Mühe und Not, wieder halbwegs ins Frankfurter Spiel zu finden. Ähnlich erging es vor einem Jahr einer Reihe von Spielern, die bei der WM in Katar im Einsatz waren. Daichi Kamada etwa hatte damals komplett seine überragende Form verloren.

Omar Marmoush zählt ohne jeden Zweifel zu den Frankfurter Senkrechtstartern. Kein Mensch hatte im Sommer, als er vom VfL Wolfsburg ablösefrei bis 2027 unter Vertrag genommen wurde, mit einer solchen Leistungsexplosion gerechnet. Eigentlich war er als Ersatz für den zum SSC Neapel abgewanderten Jesper Lindström eingeplant, für die Halbposition. Dann musste er, nach dem Abgang von Randal Kolo Muani, in der Sturmspitze ran – und avancierte vom Notnagel zum absoluten Glücksfall. So gut wie bei den Hessen war Marmoush, der auch einen kanadischen Pass besitzt, weil seine Eltern sechs Jahre in Kanada lebten, noch nie in Schuss, weder in Wolfsburg, noch beim VfB Stuttgart oder dem FC St. Pauli. Und der immer gut gelaunte Stürmer, geboren in Kairo, ist ein ausgesprochener Vielspieler; zu den 25 Partien für die Eintracht in dieser Saison kommen noch einmal zehn Länderspiele mit Ägypten hinzu.

Der Mann wird halt überall gebraucht.

Von Thomas Kilchenstein

Rubriklistenbild: © IMAGO/osnapix

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