VonHanna Raifschließen
Viele wollen die kommende Fußball-WM der Frauen schauen, doch stand jetzt gibt es keinen deutschen Sender, der das Ereignis übertragen wird. Ein Kommentar.
Geht es nach denen, um die es eigentlich geht, ist die Sache klar. 63 Prozent von 1000 Befragten, so ergab eine repräsentative Umfrage dieser Tage, haben wahrscheinlich vor, Spiele der Frauenfußball-WM in Australien und Neuseeland zwischen 20. Juli und 20. August im Fernsehen zu verfolgen. Dass man den Umfrageteilnehmern da durchaus glauben kann, lehrt ein Blick in die Vergangenheit. 55 Prozent von ihnen gaben nämlich zusätzlich an, auch bei vergangenen WM-Turnieren der Frauen eingeschaltet zu haben. Das Interesse ist da, die Tendenz wäre sogar steigend. Aber das scheint nicht zu zählen.
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Es ist schon ein Jammer, was da gerade rund um diesen Sport passiert, der so gerne so viel möchte – aber immer wieder einsehen muss, dass er im Vergleich zur schillernden Welt der männlichen Kollegen so wenig zu melden hat. Da ist ein Boom, der auf allen Ebenen zu spüren ist; volle Stadien, Zuschauer-Bestmarken, sogar ein reiner Frauensport-Sender (DAZN Rise), der die Spiele der kickenden Damen überträgt.
Da ist sogar ein TV-Quotenrekord aus dem Vorjahr, in dem das EM-Finale der weiblichen DFB-Elf mit Abstand die meisten Zuschauer vor den Fernsehern der Republik versammeln konnte. Und trotzdem ist da die Angst, dass das erste Großereignis, das von diesem sukzessive steigenden Interesse profitieren sollte, in Deutschland nicht zu sehen sein wird. Weil die einen, also die bei der FIFA, zu groß denken. Und die anderen, also die bei den TV-Sendern, zu klein.
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Die Lage hat sich in den vergangenen Wochen zugespitzt, und es ist nur gut, dass sich jetzt, wo der Anpfiff der WM am anderen Ende der Welt immer näher rückt, auch höhere Stellen einschalten. Außenministerin Annalena Baerbock hat den Anfang gemacht, die zuständige Innenministerin Nancy Faeser zog nach, weitere Stimmen sollen, ja, müssen folgen. Dabei geht es gar nicht nur darum, den Druck nur auf die FIFA zu erhöhen, sondern auch die öffentlich-rechtlichen Sender an ihren Auftrag zu erinnern. Wo horrende Summen für Männer-Fußball ausgegeben werden, darf man auch für den Frauensport tiefer in die Tasche greifen. Beweise für die gesellschaftliche Nachfrage sind zuhauf geliefert.
Im Moment gibt es in dieser Sache nur Verlierer. Aber wenn sich beide Seiten auch nur ein wenig bewegen könnten, würde derjenige, der zuschlägt, zum echten Sieger. Wer hier wagt, gewinnt! Die Herzen der Sportler, der Fans – und 63 Prozent der Bevölkerung. Mindestens. (Hannah Raif)
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