Eintracht Frankfurt

Sasa Kalajdzic: Mit fast schon kindlicher Freude

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Im Zeichen des Adlers: Sasa Kalajdzic ist in Frankfurt gelandet
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Der neue Eintracht-Stürmer Sasa Kalajdzic verbreitet bei seinem ersten Auftritt in Frankfurt gleich Aufbruchstimmung und geht den Job voller Begeisterung an

Schon sein Entrée war bemerkenswert oder eigentlich nicht, für einen Berufsfußballer aber dann doch schon. Sasa Kalajdzic, dieser aufgeweckte Riese aus Wien, zurzeit beheimatet in Frankfurt, bedankte sich zunächst für die einleitenden Worte des Eintracht-Pressesprechers Bartosz Niedzwiedzki, ehe er die vor ihm postierten Pressemenschen direkt ansprach: „Zunächst einmal: Danke, dass Ihr so zahlreich erschienen seid.“ Schnell war zu spüren, dass da einer auf dem Podium sitzt, der Manieren hat, der mehr kann als gut Fußballspielen und mehr im Kopf hat als Rundes und Eckiges. Genau diesen aufgeräumten, reflektierten Eindruck bestätigte der neue Mittelstürmer der Eintracht in den folgenden 30 Minuten. Der Bursche, 26 Jahre alt, machte einen guten Eindruck, einen sehr guten. Gar keine Frage.

Und es war genauso zu fühlen, dass sich einer nach nur wenigen Tagen schon wohlfühlt in der neuen Umgebung, dass da einer überzeugt ist, den richtigen Schritt gegangen zu sein. Die vergangenen Tage seien zwar stressig und turbulent gewesen, wie das halt so ist bei einem Vereinswechsel und dann auch noch in ein anderes Land, von England nach Deutschland, doch in Frankfurt haben sie ihm den Einstieg sehr leicht gemacht. Alle seien „extrem nett“, führte der von den Wolverhampton Wanderers zunächst für ein halbes Jahr entliehene Angreifer aus. Er habe sofort ein „sehr gutes Gefühl“ gehabt, der Übergang sei „smooth über die Bühne“ gegangen.

Sportlich könne er nach zwei, drei Trainingseinheiten natürlich nicht viel sagen zum neuen Team, aber das Drumherum stimme, die Stadt sei „wunderschön“, der Flughafen modern und damit anders als jener in Wolverhampton, die hochschwangere Frau sei ebenfalls im Anflug, ein Krankenhaus für die Geburt bereits ausgesucht, ach, und ja klar: Auch auf den Auftakt am Samstag in Leipzig freut sich der Zweite-Meter-Schrank. „Ich bin bereit, ich brenne. Ich habe Spaß am Kicken.“

Der Feuerwehrmann

Dass Kalajdzic letztlich in Frankfurt gelandet ist, würde er keinesfalls als Zufall bezeichnen. Die Eintracht war früh an ihm dran, schon im November hatte die Sportliche Leitung mal vorgefühlt. Doch damals habe der Stürmer noch nicht an einen Wechsel gedacht, wollte sich durchbeißen bei den Wolves, bei denen einiges los war in den Monaten zuvor, darunter ein Trainerwechsel unmittelbar vor Saisonstart: Gary O’Neil beerbte Julen Lopetegui. Unter dem neuen Coach kam der österreichische Nationalspieler nicht wie erhofft zum Zuge, und peu à peu sah der Spieler das Vertrauen des Trainers in ihn schwinden. Oft habe er sich nur noch wie ein „Feuerwehrmann“ gefühlt, der irgendwie noch was retten und „vielleicht noch mal ein Tor machen soll“. Irgendwann auch das nicht mehr.

Spätestens Anfang Dezember habe er gespürt, dass er sich verändern müsse. Beim enttäuschenden 1:1 gegen Nottingham Forest kam er in der 91. Minute ins zerfahrene Spiel, obwohl das Heimspiel dringend hätte gewonnen werden müsse und er mit seiner Größe und seinem Instinkt dafür womöglich der richtige Mann gewesen wäre. Eine Woche später lag Wolverhampton zur Halbzeit mit 0:2 gegen West Ham hinten, doch Kalajdzic blieb auf der Bank – 90 Minuten lag, Endergebnis 0:3. Da war ihm klar: „Ich muss was anderes machen.“

Er schiebt aber nicht dem Trainer die Schuld in die Schuhe, „ich suche die Fehler immer erst bei mir“, sagt er. Aber klar sei es für ihn nicht leicht gewesen, dass sich der neue Coach O’Neil erst mal an andere Spieler hielt. Kalajdzic hatte schließlich die gesamte vorherige Saison wegen eines Kreuzbandrisses verpasst. „Ich war elf Monate verletzt, also hat er mich zur Seite gelegt.“ Er sagt das nicht verbittert oder anklagend, sondern sogar ein bisschen verständnisvoll. „Er hat auf andere Spieler gesetzt.“

Und wieder kam die Eintracht ins Spiel und rückte schnell in die Pole-Position aller Bewerber. Gerade nach den ersten Gesprächen mit den Frankfurter Verantwortlichen war der Ex-Stuttgarter Feuer und Flamme. „Ich war aufgeregt“, sagt er, er habe gespürt, das ist es, das muss er machen, das ist seine Bestimmung. „Mein Gefühl hat entschieden. Ich habe schnell gewusst, dass ich das will.“

Auch Rangnick begeistert

Ihm habe sehr imponiert, dass etwa Trainer Dino Toppmöller aus dem Effeff alle Stärken habe aufzählen können, der Spieler hat Wertschätzung gespürt, die er lange nicht erfahren hatte. „Ich habe gemerkt, dass man mich schätzt. Sie wussten, was sie wollen und was sie kriegen würden.“

Und auch der österreichische Nationaltrainer Ralf Rangnick habe ihm sofort zugeraten. Er, Kalajdzic, ein emotionaler Typ, würde wie die Faust aufs Auge nach Frankfurt passen. „Das ist die beste Adresse“, habe Rangnick ihm gesagt. „Die Eintracht ist auch ein emotionaler Verein. Er findet es geil, er findet es super.“

Wenn der neue Stürmer über seinen neuen Klub spricht, könnte man auch meinen, er würde eine Liebeserklärung an Real Madrid abgeben. „Jeder weiß, was Frankfurt für ein toller Verein ist, einer der größten Klubs in Deutschland.“ Auch die Mitspieler bei Wolverhampton seien beeindruckt gewesen, als er seinen neuen Arbeitgeber verriet. „Boah, geiler Klub“, hätten sie gesagt. „Das sagt doch alles.“

Er sieht die Bundesliga auch nicht als Rückschritt, selbst wenn die Premier League das Maß aller Dinge und eine „andere Dimension“ sei. Für Kalajdzic ist das logisch. „Dort, wo das Geld ist, spielt die Musik“, befindet er. Für ihn sei das aktuell aber „nebensächlich“. Er weiß auch so, dass wir als „Fußballer privilegiert sind mit dem, was wir verdienen.“ Es sei nun nur darum gegangen, einen neuen Reiz zu setzen. Das hat Sasa Kalajdzic getan, und zwar mit voller Überzeugung und fast schon kindlicher Freude.

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