Bayern mit Stürmerproblem?

„Ich liebe Thomas“: Tuchel erklärt die Müller-Degradierung – Gomez-Kritik folgt

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Gegen Manchester City musste Thomas Müller zuerst auf der Bank Platz nehmen. Das sorgte bei einem Ex-Teamkollegen für Unverständnis.

München – Manchester City empfängt den FC Bayern, an der Seitenlinie die beiden Hohepriester des Fußballs: Pep Guardiola und Thomas Tuchel – es war ein Hochamt des Fußballs. Da wirkte es fast schon wie ein Sakrileg, dass Ur-Bayer Thomas Müller erst mal nur die Rolle des Messdieners einnahm: Er musste auf die Bank. Warum? Tuchel erklärte es bei Amazon Prime so: „Das ist ’ne harte Entscheidung, ich liebe Thomas – aber wir erwarten kein typisches Thomas-Müller-Spiel. Seine Stärke sind die letzten 30 Meter, da werden wir nach unserer Erwartung immer nur sehr kurz reinkommen.“ Bitter für den 33-Jährigen, doch laut Tuchel entsteht kein tiefer sitzendes Problem: „Thomas ist schlau, er hat das perfekt aufgenommen!“

Thomas Müller
Geboren: 13. September 1989 (Alter: 33 Jahre), Weilheim in Oberbayern, Deutschland
Offensiver Mittelfeldspieler
Vertrag beim FC Bayern München bis: 30.06.2024
Marktwert: 18 Millionen Euro

Ehemaliger Bayer Gomez: „Als Führungsfigur ist Thomas unersetzlich“

Die Frage vor dem Spiel aber war, wie die Mannschaft sein Fehlen aufnehmen würde. „Es ist immer sehr gewichtig, wenn Thomas nicht auf dem Platz steht. Man kann schon sagen: Leck mich fett, was die da trotzdem aufbieten können – aber als Führungsfigur ist Thomas unersetzlich“, meldete zum Beispiel Ex-Bayer Mario Gomez Bedenken an.

Matthias Sammer dagegen versuchte, die Beweggründe eines Trainers zu erklären: „Wenn du tagtäglich in der Kabine bist, dann musst neben den Fakten auch ein Gefühl entwickeln, weiche Komponenten ins Spiel kommen lassen, und dann überlegen: Wie kann ich Manchester weh tun, Nadelstiche setzen – so kommt die Aufstellung zustande.“

Mario Gomez (r.) kritisierte Thomas Tuchel (l.) dafür, Thomas Müller (2. v. l.) gegen Manchester City nur auf die Bank zu setzen.

Bayern-Sportdirektor Salihamidzic: „Wir werden schauen, was wir auf dem Transfermarkt machen“

Stürmer, die lange Wege in Höchstgeschwindigkeit zurücklegen, wünschte sich Tuchel für das Spiel in Manchester – und was will er in der kommenden Saison? Das ist die große Stürmer-Frage, die sich natürlich auch Sportvorstand Hasan Salihamidzic stellt. Und sich in der Vergangenheit auch schon in Bezug auf Erling Haaland stellte. Laut Kicker bot ihm Bayern 35 Millionen Euro pro Jahr – doch er kam nicht. Brazzo gestern dazu: „Wir hatten nicht das nötige Kleingeld. Aber er ist ein guter Junge, ich glaube, dass er drüber nachgedacht hat.“

Nun wird wieder diskutiert. Müller ist 33, der gerade verletzte Eric Maxim Choupo-Moting schon 34 – Neapels Victor Osimhen dagegen erst 24. Könnte der FCB da tätig werden? „Wir haben heute acht Offensivspieler und auf der Bank auch noch einige“, sagte Brazzo gestern zur Stürmerdebatte. „Das sind alles Topspieler. Ich vertraue denen, aber wir werden uns mit dem Trainer zusammensetzen. Wir werden natürlich schauen, was wir auf dem Transfermarkt machen – und dann muss man sich unterhalten, was geht.“ Frag nach beim neuen Finanzboss Michael Diederich. Der hatte unlängst im Vereinsmagazin 51 einen 100-Millionen-Transfer nicht ausgeschlossen. Der Glaube an weitere Hochämter mit Thomas und Pep lebt also – aber das Geld aus dem Klingelbeutel reicht dafür nicht. Der FC Bayern muss dafür ans Festgeldkonto.

Rubriklistenbild: © Imago / Eibner / Offside Sports Photography

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