Moukoko oder Füllkrug?

Schau mal, Hansi! Diese beiden Stürmer wollen unbedingt mit zur WM

  • schließen

Hansi Flick gibt am Donnerstag den DFB-Kader für die WM 2022 in Katar bekannt. Wen nimmt er im Sturm für den verletzten Timo Werner mit?

München – Wenn es noch Argumente für eine Nominierung gebraucht hätte, dann haben sie am Samstag beide geliefert. Am Donnerstag (10. November) wird Hansi Flick den DFB-Kader für die WM 2022 bekannt geben, und zwei Spieler dürften sich sehr große Chancen ausrechnen. Fraglich ist allerdings, ob wirklich beide mit nach Katar dürfen – oder am Ende doch nur einer.

Im ersten Spiel nach dem WM-Aus von Timo Werner, der sich in der vergangenen Woche das Syndesmoseband riss und bis zum Jahresende ausfallen wird, trafen sowohl Youssoufa Moukoko also auch Niclas Füllkrug. Beide Stürmer werden seit Wochen mit einer Kader-Nominierung in Verbindung gebracht und hoffen nach der Werner-Verletzung als Stürmer mit auf den WM-Zug aufzuspringen.

Für wen wird sich der Bundestrainer entscheiden? Youngster Moukoko traf gegen den VfL Bochum doppelt. Dabei bewies er, dass er nicht nur ein Strafraumstürmer ist, sondern auch aus großer Distanz treffen kann – und das sowohl mit links als auch mit rechts. Seine Stärke also: Überragender Abschluss mit beiden Füßen. Zudem ist der 17-Jährige seit Samstag der jüngste Spieler in der Geschichte der Bundesliga, der zehn Treffer erzielt hat.

WM 2022: Schau mal, Hansi! Diese beiden Stürmer wollen unbedingt mit nach Katar

„Kann man mal machen“, sagte Moukoko am Samstag im Interview bei Sky ganz lässig mit einem Augenzwinkern. Vom Hype um seine Person lässt sich der Stürmer aktuell gar nicht anstecken. „Ehrlich gesagt, ist mir das egal“, sagte er angesprochen auf seine WM-Hoffnungen: „Ich bringe meine Leistung und schaue von Spiel zu Spiel.“

Auf Nachfrage des Sky-Reporters, ob es ihm tatsächlich egal sei, ob er mit zu WM fahre, ruderte Moukoko dann aber zurück: „Ich würde sehr gerne dabei sein“, nur, um dann doch schon wie ein Alter Hase zu antworten: „Warten wir mal den Donnerstag ab.“ Für Borussia Dortmund hat der Teenager in zwölf Partien sechs Treffer und vier Assists erzielt und sich somit zum Top-Scorer der Gelb-Schwarzen aufgeschwungen.

Ob Hansi Flick aktuell viele Bewerbungen für den WM-Kader bekommt?

Warum sollte Flick ihn nicht mit zur WM nehmen? Vielleicht, weil er den freien Platz eher an Füllkrug vergibt? Auch der Werder-Angreifer zeigte einmal mehr seine Fähigkeiten im Abschluss. Beim 2:1-Sieg der Bremer gegen den FC Schalke traf der 29-Jährige zur 1:0-Führung (10. Saisontor). Bereits beim Erfolg am vergangenen Wochenende bei Hertha BSC war Füllkrug der Matchwinner, weil er per Kopf aus elf Metern (!) den goldenen Treffer erzielte.

WM-Kader: Wen nimmt Flick mit? Moukoko? Füllkrug? Oder beide?

Genau das ist Füllkrugs großes Plus. Er ist ein klassischer Neuner, der von seiner Physis lebt und ein herausragendes Kopfballspiel besitzt. Eine Komponente, die kein Offensivspieler beim DFB vorweisen kann. Lothar Matthäus bezifferte am Samstagabend die Chancen auf eine Füllkrug-Nominierung auf 75 Prozent.

„Vielleicht weiß Lothar ja mehr als ich“, sagt Füllkrug nach dem Spiel gegen Schalke bei Sky. Auch die Frage, was es das letzte Mal Kontakt mit dem Bundestrainer gab, antwortete er ausweichend und doch vielsagend: „Es ist schwer zu kommunizieren. Es ist eine gute Kommunikation in alle Richtungen, der Verein weiß Bescheid. Jetzt warten wir einfach mal die fünf Tage noch ab“.

Von Unglücksraben und fast vergessenen Legenden: Die WM-Rekordspieler des DFB-Teams

23. Bernd Schneider, Karlheinz Förster, Toni Schumacher, alle in einem Finale, kein WM-Titel, 14 Einsätze
Den Beginn unserer Reihe machen drei glücklose Spieler. Trotz ihrer jeweils 14 WM-Spiele für die DFB-Elf und obwohl sie alle in einem Finale standen, konnten Bernd Schneider, Karlheinz Förster und Toni Schumacher keinen Weltmeisterschafts-Titel gewinnen. © IMAGO/ActionPictures; Frinke; Sportfoto Rudel
23. Thomas Häßler, Paul Breitner, WM 1990, 1974, geniale Mittelfeldspieler, 14 Einsätze
Anders die nächsten beiden Spieler, die ebenfalls 14-mal bei Weltmeisterschaften zum Einsatz kamen. Thomas Häßler holte 1990 den Titel, Paul Breitner reckte 1974 den Pokal in den Münchner Himmel. Doch beide vereint nicht nur der Titel, sondern auch ihre spielerischen Qualitäten. Beide gaben geniale Mittelfeldspieler ihrer Zeit ab. © IMAGO/Camera 4; Pressefoto Baumann
23. Jerome Boateng, Toni Kross, Sami Khedira, WM 2014, 14 Einsätze
Den Abschluss des achtfach geteilten 23. Platzes unseres Rankings bilden drei Weltmeister von 2014. Jerome Boateng, Toni Kroos und Sami Khedira liefen alle drei 14-mal bei Weltmeisterschaften auf und waren Teil der magischen Nacht von Rio. © IMAGO/Team 2; Avanti
20. Hans Schäfer, Weltmeister 1954, 15 Einsätze
Platz 20 vereint drei große Fußballer und Weltmeister ihrer Generation. Den Anfang macht Hans Schäfer, der mit 15 WM-Einsätzen der einzige Vertreter der legendären Mannschaft von 1954 in unserem Ranking ist. © IMAGO/CTK Photo
20. Rudi Völler, Weltmeister 1990, 15 Einsätze
Weiter geht es mit Rudi Völler, den es zwar mehr als einmal gibt, aber der einzige Rudi Völler ist, der insgesamt 15-mal bei Weltmeisterschaften auflief und 1990 den Titel in Italien holte. © IMAGO/Sportfoto Rudel
20. Lukas Podolski, WM 2014, 15 Einsätze
Den Abschluss des Dreiergespanns auf dem 20. Platz macht Lukas Podolski. Bekannt für seine linke Klebe war er zwar während der WM 2014 nicht mehr der große Leistungsträger, doch für die Stimmung im Team ein wichtiges Puzzleteil. © imago sportfotodienst
Mesut Özil während des WM-Finals von 2014.
Platz 18 teilen sich zwei Weltmeister. Den Anfang macht Mesut Özil, der 2014 in Brasilien den Titel holte. Der damalige Held von Rio ist seitdem in der Gunst der Fans deutlich nach unten gerutscht. Dazu führten unter anderem auch seine Verbindungen zu den „Grauen Wölfen“. Insgesamt lief er für das DFB-Team 16-mal bei Weltmeisterschaften auf. Genauso oft, wie ein Sieger von 1990. © imago sportfotodienst
Andreas Brehme jubelt über sein Tor im WM-Finale 1990.
Andreas Brehme hat genauso viele WM-Einsätze wie Özil, blieb den Fans aber deutlich besser in Erinnerung. Im Finale 1990 erzielte er das goldene Tor gegen Argentinien. Es war wohl das größte Spiel des Verteidigers, der 16-mal bei einer WM auf dem Platz stand. Im Februar 2024 verstarb er im Alter von 63 Jahren. © IMAGO/Norbert Schmidt
Karl-Heinz Schnellinger mit dem Ball am Fuß.
16. Platz: Von 1958 bis 1970 kam Karl-Heinz Schnellinger auf 17 WM-Einsätze für die deutsche Nationalmannschaft. Insgesamt trug er 47-mal den Adler auf der Brust. © IMAGO/Sven Simon
Jürgen Klinsmann jubelt im Trikot der deutschen Nationalmannschaft.
16. Platz: Auch Jürgen Klinsmann brachte es auf 17 DFB-Einsätze bei Weltmeisterschaften. Er war wie Brehme Teil des WM-Teams von 1990. © IMAGO/Norbert Schmidt
WM Finale 1974 Weltmeister Torwart Sepp Maier BR Deutschland präsentiert den WM-Pokal
Platz 12: Auf dem geteilten zwölften Platz rangieren gleich vier Spieler. Einer davon ist Sepp Maier, Torwart und Weltmeister von 1974. Er kommt auf insgesamt 18 Einsätze bei drei WM-Turnieren. © sportfotodienst/imago
Pierre Littbarski im WM-Endspiel 1990 gegen Argentinien am Ball
Auch Pierre Littbarski kommt mit 18 WM-Partien auf eine beeindruckende Anzahl von Endrunden-Einsätzen und durfte 1990 in Italien über den WM-Titel jubeln. © Werek/imago
Stuart Pearce England gegen Thomas Berthold und Klaus Augenthaler beide BR Deutschland
Auch Thomas Berthold hat 18 WM-Spiele auf seinem Konto. Er war Teil der starken Verteidigung bei der WM 1990, stand in jedem Spiel auf dem Platz und durfte am Ende den Pokal in die Luft recken. © sportfotodienst/imago
Franz Beckenbauer feiert im Olympiastadion München den WM-Titel 1974.
Wie Berthold, Littbarski und Maier kam auch „Der Kaiser“ höchstpersönlich 18-mal bei Weltmeisterschaft zum Einsatz. Franz Beckenbauer gewann 1974 den WM-Titel als Spieler und 1990 als Trainer. © sportfotodienst/imago
Berti Vogts BR Deutschland re zieht ab Alan Mullery England dreht sich weg
Platz 6: Den sechsten Rang unserer Rangliste teilen sich gleich sechs Spieler. Einer von ihnen: Berti Vogts. 19 WM-Einsätze bei drei verschiedenen Endrunden, darunter beim Titelgewinn 1974. © sportfotodienst/imago
Rummenigge Karl Heinz Team_Deutschland Spiel Deutschland_CHILE FIFA Fussball Weltmeisterschaften 19
Ein WM-Titel war Karl-Heinz Rummenigge trotz seiner 19 WM-Einsätze nicht vergönnt. Dafür durfte er sich über den EM-Titel 1980 freuen. © sportfotodienst/imago
Wolfgang Overath BR Deutschland
Im Gegensatz dazu gelang es Wolfgang Overath, ebenso mit 19 WM-Einsätzen, 1974 den WM-Titel im eigenen Land zu feiern. Der Titel verbindet ihn mit den weiteren drei DFB-Kickern, die auch auf dem sechsten Platz gelandet sind. Nur die schlugen schlappe 40 Jahre später zu. © sportfotodienst/imago
140630 PORTO ALEGRE June 30 2014 Xinhua Algeria s Islam Slimani L vies with Germany s
Darunter „Eistonne“ Per Mertesacker, hier bei seinem legendären Einsatz gegen Algerien bei der WM 2014. Am Ende winkte der Titel. © sportfotodienst/imago
Manuel Neuer gibt im Trikot der deutschen Nationalmannschaft Anweisungen an sein Team.
Auch Manuel Neuer krönte seine insgesamt 19 WM-Einsätze bereits 2014. Mit seinen Paraden hielt er das Team nicht nur einmal im Turnier. Der WM-Titel darf aufgrund der beeindruckenden Leistungen während des Turniers als sein Meisterstück angesehen werden. © IMAGO/www.imagephotoagency.it
Thomas Müller mit dem WM-Pokal 2014.
Das darf auch für Thomas Müller gelten, der zwar bei der WM 2010 die Torjägerkanone abräumte, doch sich deutlich mehr über den WM-Titel 2014 gefreut haben dürfte. Insgesamt kam auch er auf 19 Einsätze bei Weltmeisterschaften. © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON
Rio de Janeiro FIFA Fussball Männer Fussball Weltmeisterschaften 2014 FIFA world cup 2014 Final
Platz 4: Weiter geht es – wer hätte es gedacht – mit zwei Weltmeistern von 2014. Philipp Lahm teilt sich mit 20 WM-Einsätzen den vierten Platz mit einem langjährigen Wegbegleiter. © sportfotodienst/imago
SCHWEINSTEIGER Bastian Team Deutschland mit Kapitaen MESSI Lionel World Cup 2014 Brasil FIFA Fussbal
Lahm und Bastian Schweinsteiger sind das Sinnbild für eine goldene DFB-Generation. Da ist es passend, dass beide gleich viele WM-Einsätze vorweisen können. Nicht nur das beste Spiel seiner 20-WM-Partien, sondern wohl auch beste Spiel seines Lebens spielte er dann ausgerechnet im WM-Finale 2014. © Perenyi/imago
Uwe Seeler im WM-Endspiel 1966 gegen England
Platz 3: „Uns Uwe“ Uwe Seeler, der im Juli 2022 verstarb, ist mit 21 WM-Spielen auf Rang 3. Unglücklicherweise blieb es dem Ehrenspielführer verwehrt, auch nur einen einzigen Titel mit der DFB-Elf zu gewinnen. © Simon/imago
08 07 2014 xbtx Fussball WM 2014 Halbfinale Deutschland Brasilien v l Miroslav Klose Deutsch
Platz 2: Etwas erfolgreicher verlief die DFB-Karriere von Miroslav Klose. Erstmals machte er bei der WM 2002 im DFB-Trikot von sich reden. Insgesamt sollten es 24 Spiele im Trikot der deutschen Nationalmannschaft bei vier WM-Turnieren werden. Am Ende sprang nicht nur der Titel 2014 heraus, sondern auch ein Weltrekord: Insgesamt 16 WM-Tore markieren den Bestwert. © Huebner/imago
Weltmeister Lothar Matthäus BR Deutschland mit der Trophäe PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxPOLxUSA
Platz 1: Lothar Matthäus ist mit seinen 25 Einsätzen nicht nur der Spieler mit den meisten WM-Partien für Deutschland. Der Weltmeister von 1990 kam darüber hinaus als einziger DFB-Spieler bei fünf verschiedenen WM-Endrunden zum Einsatz und ist mit 150 Spielen auch insgesamt Rekordspieler der deutschen Nationalmannschaft. © sportfotodienst/imago

Füllkrug strotzt aktuell nur so vor Selbstvertrauen. Wie Moukoko auch. Es wird also spannend werden, für wen sich Flick am Donnerstag entscheidet. Selbst DFB-Kapitän Manuel Neuer weiß aktuell noch gar nicht, ob er dem 26er-Kader für die WM angehört, wie er am Samstagabend mit einem Augenzwinkern verriet: „Die (der DFB, Anm. d. Red.) machen da ja ein Geheimnis draus, also warten wir mal ab“, sagte der 36-Jährige nach seinem Comeback beim 3:2-Sieg der FC Bayern in Berlin.

So darf man gespannt sein, wie sich Flick am Donnerstag entscheiden wird. Moukoko? Füllkrug? Oder gar doch beide? Wir werden sehen. Oder wie die Stars selbst sagen: Warten wir halt einfach mal ab ... (smk)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Jan Huebner

Kommentare