Toppmöllers unglückliche Auswechslungen

Ein echter Warnschuss für Eintracht Frankfurt

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Hätten noch mehr dagegenhalten müssen: Götze und Buta im Kopfballduell mit Welton.
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Eintracht Frankfurt muss nach einem dünnen 1:1 bei Lewski Sofia schmerzhaft erkennen, noch lange nicht auf dem Niveau zu agieren, auf dem man sich wähnt.

Man kann mit seinen Einwechselungen auch ins Schwarze treffen, Hassimi Fadiga, einer der vielen No-Name-Spieler bei Lewski Sofia, ist beispielsweise so eine. Der Franzose, im Juli erst vom FC Le Mans, dritte französische Liga, Marktwert 250 000 Euro, in die bulgarische Kapitale gewechselt und bisher über ein paar Minuten-Einsätze nicht hinausgekommen, kam auch in diesem ersten Playoff-Spiel zur Conference League erst drei Minuten vor Ultimo in die Partie. Doch die reichten dem Mann, um Eintracht Frankfurt diesen Trip nach Bulgaren komplett zu verhageln. Und wie! Hossimi Fadiga also drosch den Ball in der letzten Minute der sechsminütigen Nachspielzeit mit Verve ins Tordreieck. Es war ein fulminanter Strahl, nur vergleichbar mit jenem Sensationstor, das Rafael Borré einst im Nou Camp in Barcelona unters Tordach schweißte.

Vor allem sollte dieser späte Ausgleichstreffer in Sofia zum 1:1 (0:1) Eintracht Frankfurt eine Warnung sein, eine sehr ernste.

Denn auch diese internationale Partie hat einen Trend bestätigt, der sich bereits in den beiden Spielen gegen Lok Leipzig und SV Darmstadt 98 angedeutet hat und der nichts Gutes verheißt. Die Darbietungen der allerdings auf einigen Positionen neu besetzten Frankfurter - etwa auf der Trainerposition - sind doch noch dünn, selbst der mehr und mehr zu Schönfärberei neigende Dino Toppmöller räumte nach den ernüchternden 90 Minuten „im Hexenkessel“ des Wassil-Lewski-Nationalstadions ein: „Wir müssen technisch und fußballerisch besser, sauberer werden.“

Gerade in der deutlich stärkeren ersten Halbzeit traten derlei Defizite massiv zu Tage. Denn es hat sie ja gegeben, die guten Ansätze, insbesondere über die rechte Seite, „sechs, sieben Aktionen“ hatte Toppmöller gezählt, bei denen die Eintracht, in erster Linie in Person von Aurelio Buta, am rechten Flügel durchgebrochen war, aber dann „den letzten Pass nicht finden konnte“. Denn der landete immer beim Gegner, 2:0, 3:0 hätte es da, bei besserem Zuspiel, leicht stehen können, der Sack wäre zu gewesen. Einmal nur hatte es geklappt, aber es war halt Mario Götze, der es kann, der mit einem feinen Rückpass Randal Kolo Muani das 1:0 (6.) auflegte. Ansonsten versandeten viel zu viele gut gemeinte Angriffszüge just in dem Moment, da es gefährlich hätte werden können.

Es war im dritten Pflichtspiel das dritte Mal, das Kolo Muani für die 1:0-Führung sorgte, allein das zeigt den Wert dieses Ausnahmestürmers, der dessen ungeachtet noch lange nicht in der Form ist wie in der vorherigen Saison. Die Abhängigkeit der Eintracht von dem 24-Jährigen ist weiterhin beängstigend.

Weiterhin ungewiss ist, ob es womöglich das letzte Tor des Franzosen für die Hessen war, allerdings beteuerte die Sportliche Führung der Eintracht, wonach es bis Donnerstagabend keinen neuen Stand der Verhandlungen gebe, „unverändert“, sagte Sportdirektor Timmo Hardung. Eine Woche wird sich der Poker noch ziehen.

Immerhin waren die Frankfurter in der ersten Halbzeit deutlich aktiver und präsenter als zuletzt, sie suchten das Risiko, fanden es nur nicht. Diese Präsenz war, spätestens nach der vergebenen Großchance von Jens Petter Hauge (51.), im zweiten Abschnitt dann wie weggeblasen. „Intensität und Konsequenz“ war komplett verloren gegangen, deckelte Hardung das Team. „Wir haben den Faden verloren.“ Und Hardung kritisierte, dass die Mannschaft in der großen Druckphase der Hausherren „nicht dagegen gehalten“ habe, ein massiver Vorwurf. Vor allem im Hinblick auf die Partie in Mainz, wo ein „aggressiver“ (Toppmöller) Gegner warte: „Da brauchen wir im Kollektiv eine gute Kontrolle.“

Spätestens mit den Wechseln nach 67 Minuten war der ohnehin wenige Spielfluss fast völlig versiegt. Erstaunlicherweise nahm Toppmöller seine komplette erste Offensivreihe (Kolo Muani, Götze, Hauge, Marmoush) vom Feld, mit der Folge: Lewski bekam Oberwasser. Keiner aus der Frankfurter Elf war mehr in der Lage, den Ball ruhig und überlegt zirkulieren zu lassen, weder Eric Dina Ebimbe, noch die eingewechselten Spieler und Ellyes Skhiri schon gar nicht. „Wir haben in der zweiten Hälfte viel zu wenig nach vorne gemacht“, urteilte Torhüter Kevin Trapp zu Recht.

Die Leistungsträger vorzeitig vom Platz zu nehmen - um sie für das Sonntagsspiel gegen Mainz 05 zu schonen? - war sicher nicht Toppmöllers beste Idee, denn die Eintracht bekam keinen Zugriff mehr aufs Spiel, verlor praktisch jeden Ball. „Durch die Wechsel haben wir die Struktur verloren“, sagte Toppmöller, der die Wechsel vorgenommen hat. Ein Virus sei umgegangen in der Mannschaft, sagte der Coach zur Begründung. Umschaltaktionen gab es praktisch kaum noch, im zweiten Abschnitt flog kein Schuss mehr aufs Lewski-Tor.

Natürlich sind nach dem Remis gegen Sofia noch alle Möglichkeiten offen, die Gruppenphase zu erreichen. „Im Rückspiel reißen wir das Ding“, sagt Trapp, aber ein Selbstgänger wird das sicher nicht. Dazu ist Eintracht Frankfurt längst nicht stabil, längst nicht eingespielt genug, es hakt und ruckelt an einigen Stellen. Wahrscheinlich braucht es noch eine Weile, bis die Mannschaft intus hat, was Toppmöller mit ihr vorhat. Vieles ist Stückwerk, manches passt nicht zusammen, es mangelt an Kreativität, Torchancen herauszuspielen. Diese Frankfurter Mannschaft wirkt noch unfertig.

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