Wütende Worte vor der WM

Wegen Katar: Fanvertreter attackiert Bayern-Patron Hoeneß auf das Schärfste – „Ist eine Shit-Show“

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Die Fußball-WM in Katar polarisiert schon vor ihrem Start gewaltig. Ein Fanvertreter aus Deutschland kritisiert Bayerns Ehrenpräsident Uli Hoeneß mit harscher Wortwahl.

München/Katar - Sie steht kurz bevor: Die Fußball-WM 2022 in Katar (20. November bis 18. Dezember). Begleitet wird das Riesen-Turnier durch reichlich Kritik an der Menschenrechtssituation im Emirat. So gibt es mittlerweile etliche Berichte über tote Arbeiter auf den WM-Baustellen zwischen Doha, ar-Rayyan und al-Chaur.

Katar: Uli Hoeneß vom FC Bayern verteidigt WM-Gastgeber

Zuletzt hatte zudem Katars WM-Botschafter Khalid Salman mit mutmaßlich homophoben Äußerungen für Aufsehen gesorgt, was unter anderem der deutsche Nationalspieler Leon Goretzka (FC Bayern) deutlich kritisierte. Dabei ist Katar durch die staatliche Qatar Airways ein enger Partner des deutschen Bundesliga-Rekordmeisters. Dieser steht seit Jahren wegen der Partnerschaft mit dem katarischen Königshaus in der organisierten deutschen Fanszene in der Kritik.

Ehrenpräsident des FC Bayern: Uli Hoeneß (Mi.).

Unlängst verteidigte Ehrenpräsident Uli Hoeneß den Gastgeber der WM 2022 dennoch entschieden. Hoeneß rief unvermittelt im Fußball-Talk „Doppelpass“ bei Sport1 an und meinte: „Die WM und das Engagement des FC Bayern und auch andere Sportaktivitäten werden dafür sorgen, dass die Arbeitsbedingungen in Katar besser werden. Es wird nur über Katar gesprochen, nicht über Dubai, Kuwait und so weiter. Das einzige Land, in dem es besser wird, ist Katar.“

Ein bekannter Fanvertreter der organisierten Fanszene in Deutschland hat den 70-jährigen Ex-Nationalspieler jetzt scharf für dessen Haltung beim Thema Katar attackiert.

„Es ist schon eine besondere Shit-Show, die rund um die Spitze unseres geliebten Fußballsports läuft. Ich glaube zwar nicht, dass Uli Hoeneß dazu fähig ist, aber einmal in sich gehen und sich das Ganze von außen anzuschauen, wäre ratsam“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Fan-Dachorganisation „Unsere Kurve“, Dario Minden, im Gespräch mit t-online. Minden hatte laut dem Artikel Ende September beim DFB-Menschenrechtskongress dem katarischen Botschafter gesagt: „Ich bin ein Mann und ich liebe Männer. (...) Gewöhnen Sie sich daran oder verschwinden Sie aus dem Fußball.“

Katar: Ultras protestieren in deutschen Stadien gegen Gastgeber der WM 2022

Minden ging in dem Interview auch auf tote Gastarbeiter in Katar ein. Immer wieder hatte es Berichte über angeblich menschenunwürdige Arbeitsbedingungen auf den WM-Baustellen gegeben.

So hatte zum Beispiel im Februar 2021 die britische Zeitung The Guardian berichtet, dass zwischen 2010 und 2020 etwa 6500 Gastarbeiter aus fünf südostasiatischen Ländern in dem Emirat gestorben seien. Das schreibt der Deutschlandfunk. Demnach sei jedoch unklar, wo die Gastarbeiter ums Leben gekommen seien und unter welchen Umständen.

„Boycott Qatar“: Protest gegen die WM 2022 im Bundesliga-Stadion des SC Freiburg.

Minden meinte dazu: „Ja, wir kennen die tatsächlichen Todeszahlen nicht, aber es sind etliche Menschen beim Bau von Stadien und Infrastruktur ums Leben gekommen. Leute wie Hoeneß sind in ihrem Hamsterrad gefangen und der festen Überzeugung, dass, egal wo der Planet brennt, ihre Art zu handeln und zu wirtschaften die richtige ist. Der Zug bei ihm scheint abgefahren.“ Zahlreiche organisierte Fangruppen aus der sogenannten Ultras-Szene hatten in den vergangenen Wochen in vielen deutschen Fußball-Stadien zu einem TV-Boykott der WM-Spiele aufgerufen. Hoeneß hatte sich indes auf der jüngsten Jahreshauptversammlung des FC Bayern verbal mit dem Mitglied Michael Ott angelegt, der innerhalb des Klubs als maßgeblicher Kritiker der Zusammenarbeit mit Katar gilt.

FC Bayern: Qatar Airways ist Sponsor des deutschen Bundesliga-Rekordmeisters

Der Sponsoringvertrag von Qatar Airways läuft von 2018 bis 2023. Laut Sport Bild sollen die Bayern für das Sponsoring auf dem Ärmel der Trikots jährlich 20 Millionen Euro kassieren. Vorstandschef Oliver Kahn kündigte wiederholt an, nach dem Ende der WM 2022 (Lesen Sie hier den Spielplan) über das weitere Sponsoring Katars entscheiden zu wollen. Minden kritisierte indes nicht nur Hoeneß und die Bayern, sondern auch den Deutschen Fußball-Bund (DFB).

Leute wie Hoeneß sind in ihrem Hamsterrad gefangen.

Dario Minden, Fanorganisation „Unsere Kurve“, bei t-online

„Es gibt kaum einen nationalen Verband, der so ein Gewicht hat, wie der Deutsche Fußball-Bund. Man versteckt sich als ‚kleines Deutschland‘, dabei ist Deutschland eine sehr große, einflussreiche Industrienation. ‚Wir allein können ja nichts machen‘, heißt es. Beim Kongress in Doha Anfang März war dann Lise Klaveness vom norwegischen Fußballverband die Einzige, die aufgestanden ist und Tacheles geredet hat“, sagte er t-online: „Der DFB hat – wie all die Jahre zuvor – geschwiegen.“

Er erwarte nicht viel, meinte Minden weiter: „Der DFB ist sehr belastet von der Vergangenheit, er ist strukturell ein schwerfälliger, intransparenter Verband. Ich sehe aber schon, gerade in der zweiten Reihe, mehr progressive Kräfte, die den Fußball-Bund nach vorne ausrichten wollen. Das will ich dem Verband schon attestieren. Die Leute, die jetzt am Werk sind, sind ein anderes Kaliber als die menschlichen Vollkatastrophen davor. Ob es reicht, um nachhaltig was zu verändern, wird sich zeigen.“ (pm)

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