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Bei seiner WM-Premiere im Sprint sowie in der Verfolgung weiß David Zobel sportlich nicht gerade zu überzeugen. Spaß hat der Murnauer dennoch. Hanna Kebinger setzt in der Verfolgung derweil ein echtes Ausrufezeichen.
Oberhof – Ihre WM-Premiere vor den Augen des Bundespräsidenten gegeben zu haben, können wahrlich nicht allzu viele Sportler von sich behaupten. David Zobel seit Samstagmittag schon. Und dennoch war der Murnauer nach seinem ersten Einsatz bei einer Biathlon-Weltmeisterschaft nicht zu 100 Prozent zufrieden. Was an zwei Dingen lag.
In erster Linie am Ergebnis. Rang 35 stand am Ende des Sprints von Oberhof nach einer nicht optimalen Leistung in der Loipe und zwei Fehlern im Stehendanschlag zu Buche. Im Liegendschießen war Zobel noch makellos geblieben, hatte fünfmal ins Schwarze getroffen. Angesichts der herrschenden Sichtverhältnisse keine Selbstverständlichkeit, dichte Nebelschwaden umhüllten die Lotto Thüringen Arena am Rennsteig. „Vielleicht wollte mein Körper hier noch zusätzliche Sekunden genießen“, sagte der 26-Jährige im Anschluss angesprochen auf seine zwei Fehlschüsse und die damit verbundenen Strafrunden im Interview mit dem TV-Sender Sky. „Läuferisch habe ich mich heute leider sehr schwergetan und nicht so gut gefühlt.“
„Es war absolut geil. Gänsehaut pur. Ich habe versucht, jede Sekunde aufzusaugen.“
Vom Besuch von Frank-Walter Steinmeier hatte er während des Rennens indes nach eigener Aussage nichts mitbekommen. Viel lieber hätte Zobel ohnehin einen anderen prominenten Gast an der Strecke begrüßt. Der zweite Aspekt, der ihn – natürlich nicht ganz ernst gemeint – nicht vollständig zufrieden stimmte. Auf die Frage, ob er lieber vor dem Bundespräsidenten oder Julian Nagelsmann, der Mitte Dezember beim Weltcup in Hochfilzen vorbeigeschaut hatte, laufen würde, antwortete der glühende Bayern-Fan: „Definitiv Herr Nagelsmann.“
Zobel fällt in der Verfolgung zurück
Spaß, das unterstrich Zobel deutlich, hatte er bei seiner WM-Premiere aber dennoch. „Es war absolut geil. Gänsehaut pur. Ich habe versucht, jede Sekunde aufzusaugen.“ Da kam es ihm gerade recht, dass er sich durch Platz 35 zugleich für die Verfolgung der besten 60 am Sonntag qualifizierte. Mit 2:29:9 Minuten Rückstand auf Johannes Thingnes Bö, der im Sprint vor Bruder Tarjei sowie seinen beiden Landsmännern Sturla Holm Laegreid und Johannes Dale triumphierte, ging es am Sonntag auf die Strecke.
Einfach „ein eigenes Rennen“ wollte der Athlet des SC Partenkirchen bestreiten. „Es sind wieder vier Schießen und fünf Runden Laufen bei einer WM – was gibt es Schöneres?“ Klappte allerdings so gar nicht wie erhofft. Insgesamt sechs Fehler waren am Ende deutlich zu viel, als schlechtester der fünf deutschen Starter überquerte er als 41. die Ziellinie. Weltmeister wurde erneut – wie sollte es auch anders sein – Weltcup-Dominator Johannes Thingnes Bö vor Teamkollege Laegreid. Den abermaligen Vierfach-Erfolg Norwegens verhinderte der Schwede Sebastian Samuelsson als Dritter, gefolgt von Tarjei Bö und Vetle Sjaastad Christiansen.
Kebinger mit bester Weltcup-Platzierung
Seinen nicht vorhandenen Hut vor Hanna Kebinger musste am Sonntag selbst Sven Fischer, seines Zeichens vierfacher Olympiasieger und siebenmaliger Weltmeister, ziehen. „Riesenrespekt. Das hatte ich so nicht auf dem Zettel“, gestand der 51-jährige ZDF-Experte. Satte neun Plätze machte die Grainauerin im Verfolgungsrennen gut und kam nach Rang 17 bei ihrem WM-Debüt am Freitag im Sprint schlussendlich als starke Achte ins Ziel. Der Sieg ging an die Französin Julia Simon vor Denise Herrmann-Wick (Bad Schlema) und Marte Olsbu Roeiseland aus Norwegen.
„Nach den beiden Liegendfehlern habe ich versucht, konzentriert zu bleiben. Ich weiß, dass ich stehend definitiv null schießen kann. Das habe ich schon oft genug bewiesen. „
„Ich bin super happy“, sagte die 25-Jährige, die es binnen weniger Wochen aus dem drittklassigen Alpencup bis in die Weltspitze und zur Weltmeisterschaft geschafft hat. Nie zuvor war sie in einem Weltcup-Rennen besser. Dabei ging auch der Verfolger für Kebinger nicht optimal los. In den beiden Liegendschießen ließ sie jeweils die erste Scheibe stehen, fiel dadurch zwischenzeitlich auf Platz 19 zurück. „Nach den beiden Liegendfehlern habe ich versucht, konzentriert zu bleiben. Ich weiß, dass ich stehend definitiv null schießen kann. Das habe ich schon oft genug bewiesen. Daran habe ich festgehalten und mir gedacht: ’Das Rennen ist erst vorbei, wenn es vorbei ist’.“
Eine Herangehensweise, die sich auszahlte. Als eine von lediglich sechs Starterinnen behielt die Athletin des SC Partenkirchen beim Stehendanschlag eine weiße Weste und katapultierte sich so in die Top Ten. Auch wenn sie auf der Schlussrunde noch einmal ordentlich die Zähne zusammenbeißen musste. „Da war ich schon arg drüber.“ Weiter geht es für die Damen mit dem Einzel am Mittwoch, 15. Februar. Gut möglich, dass dann auch Kebinger wieder einen der fünf deutschen Startplätze bekommt. Ein starkes Empfehlungsschreiben hat sie dafür auf alle Fälle abgegeben.
