Klub-WM: Bayern erhebt massive Vorwürfe nach Viertelfinalaus
VonPeter Grad
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Die schwere Verletzung von Jamal Musiala hat das Aus des FC Bayern im Viertelfinale der Klub-WM gegen PSG überschattet, aber auch eingeleitet. Die Münchner Stimmen dazu.
Atlanta/München – Es lief die Nachspielzeit der ersten Hälfte im Viertelfinale der Klub-WM zwischen dem FC Bayern und CL-Sieger PSG, kurz zuvor war der sicherlich nicht unverdienten Führung des deutschen Rekordmeisters nach einem Kopfball von Dayot Upamecano die Anerkennung wegen einer Abseitsstellung verwehrt worden. Michael Olise nahm Tempo über rechts auf und steckte in den Strafraum durch. Weil aber der früh für den angeschlagenen Josip Stanišić eingewechselte Sacha Boey verharrte anstatt durchzulaufen, ging Jamal Musiala nach. PSG-Verteidiger Willian Pacho schirmte den Ball ab, während Gianluigi Donnarumma aus seinem Tor lief und sich auf das Spielgerät und den Unterschenkel des Bayern-Technikers warf.
Jamal Musialas Weg zur 10: Die entscheidenden Momente seiner Karriere
Dieser verletzte sich in der Szene schwer, in einer ersten Stellungnahme ist von einem Wadenbeinbruch und mehreren lädierten Bändern die Rede. Ein Ausfall bis zum Jahresende droht. Dem TV-Zuschauer auf SAT1 wurde eine exakte Betrachtung bzw. Wiederholung der Szene verwehrt, weil sie so brutal aussah. Nach der Partie äußerten sich die Bayern zum Geschehenen.
„Es ist tragisch“, meinte Max Eberl, Musiala sei „extrem geknickt, extrem traurig [...] Wir lieben ihn für seine Spielfreude, jetzt so ein Nackenschlag - das ist für ihn extrem schwierig, aber wir sind für ihn da als Familie.“
Keine Rücksichtnahme - keine Vorwürfe, oder doch?
Donnarumma wollte der FCB-Sportvorstand „nullkommanull Absicht“ unterstellen, „aber er hat keine Rücksicht genommen. Wenn ich mit 100 Kilo und im Sprint auf den Unterschenkel draufspringe... Kein Vorwurf, aber das Risiko geht er ein, in einer Intensität.“ Trotz Dementi natürlich ein heftiger Vorwurf in Richtung des italienischen Nationalkeepers, der vor ein paar Monaten noch beim legendären Eckentor in der Nations League von Musiala düpiert worden war.
Auch FCB-Kapitän Manuel Neuer übte in der Mixed-Zone nach dem Spiel Kritik an seinem Gegenüber im PSG-Tor: „Bei Jamal ist es eine Situation, wo man das Risiko in Kauf nimmt. Eine Situation, wo man glaube ich, nicht so hineingehen muss. Aber gut, wir drücken ihm die Daumen, dass es nicht so schwer ist, aber sie wird mit Sicherheit schwer sein. Da so reinzuspringen, ist schon risikofreudig. Da nimmt man die Verletzung des Gegenspielers einfach in Kauf. Und danach passiert auch nichts.“
Bayerische Emotionen: Sache des Respekts, Wut, Spieler sind keine Roboter
Neuer gefiel zudem nicht das Verhalten des PSG-Keepers unmittelbar nach der Szene. Deshalb habe er Donnarumma noch auf dem Feld zur Rede gestellt: „Ich bin dann zu ihm hingegangen: ‚Willst du nicht mal eben hingehen?‘ Der Jamal liegt da, der wird sehr wahrscheinlich im Krankenhaus jetzt bleiben, ich finde, es gehört sich schon aus Respekt hinzugehen, ihm alles Gute zu wünschen und ein kleines Sorry dazulassen.´ Daraufhin ist er dann auch zu Jamal gegangen.“
Auch FCB-Coach Vincent Kompany äußerte sich nach der Partie zu seinen diesbezüglichen Emotionen: „Es war hart. Ich war selten so wütend in der Halbzeitpause. Es gibt viele Dinge im Leben, die wichtig sind, viel wichtiger, aber für diese Jungs ist es ihr Leben. Jemand wie Jamal lebt dafür, und er ist von einem Rückschlag zurückgekommen und dann passiert es so, wie es passiert. Man fühlt sich machtlos.“ Der stets feinfühlige Belgier nahm den Namen Donnarumma zwar nicht in den Mund, aber man kann ihn durchaus zwischen den Zeilen lesen.
Ein ähnliches Gefühl beschrieb auch Thomas Müller, für den es der letzte Auftritt im Bayern-Trikot war, bei DAZN: „Du versuchst dann, die Gedanken auf das Spiel zu lenken, hast dann aber in der Halbzeit die Momente, wo du dir schwertust, stabil bei der Sache zu bleiben. Es ist ja nicht nur so, dass wir wie Roboter nebeneinander leben, sondern wir haben auch persönliche Beziehungen.“ Gerade Musiala habe „in den letzten Monaten einen harten Leidensweg hinter sich“, fühlte der 35-Jährige mit seinem 13 Jahre jüngeren Teamkollegen mit.
Rücksichtsloses Verhalten bleibt ohne Folgen für den „Täter“
Nach dem Spiel meldete sich Gianluigi Donnarumma auf Instagram zu der Szene: „Alle meine Gebete und besten Wünsche sind bei dir, Jamal Musiala.“ Dazu teilte Donnarumma ein Bild von sich, wie er mit der Hand vor dem Gesicht mit zwei PSG-Betreuern vom Platz geht.
Max Eberl bemerkt natürlich völlig richtig, dass der Italiener „nullkommanull Absicht“ hatte, Musiala derart schwer zu verletzen. Dennoch muss sich dieser den Vorwurf gefallen lassen, völlig ohne Rücksicht auf Verluste in eine Szene ohne wirkliche Torgefahr gegangen zu sein, die ein derartiges Handeln nicht ansatzweise gebraucht hätte. Und zwar so brutal und rücksichtslos, dass das deutsche Fernsehen dazu keine Bilder mehr zeigen wollte. Warum es dafür allerdings keine Sanktionen - Elfmeter, Farbe der Karte offen - gegeben hatte, lag nicht nur an Schiedsrichter Anthony Taylor, sondern auch an den teilweise fragwürdigen Fußballregeln.
Dieser Artikel entstand in einer Content-Partnerschaft mit fcbayerntotal.com
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