Jagd auf Andersdenkende

Faschistische Fans geben bei Bayern-Gegner Lazio Rom den Ton an

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Es gibt sie, die klar politischen Fußballkurven – rechts wie links. Besonders unrühmlich tun sich die Mussolini-Verehrer von Lazio Rom hervor.

Rom – Immer wieder wird sie hervorgezerrt, die Mär vom unpolitischen Sport – meist von denen, die sich einer Diskussion über das eigene Fehlverhalten entziehen wollen. Dass dem nicht so ist, zeigen unzählige Ereignisse aus der Geschichte und der Gegenwart des Sports: Die von Hitler zu Propagandazwecken benutzten Olympischen Sommerspiele 1936 oder die Fußball-WM 1978 als Feigenblatt für die argentinische Militärdiktatur, um nur zwei Großereignisse zu nennen.

Doch auch bei einzelnen Fußballspielen standen politische Entwicklungen im Vordergrund. Als eines der heftigsten Beispiele gilt die nie angepfiffene Begegnung zwischen Roter Stern Belgrad und Dinamo Zagreb 1990. Für viele gelten die Ausschreitungen von damals als Anfangspunkt der Auflösung Jugoslawiens mit allen seinen nationalistischen Gräueltaten. Der Geist des Nationalismus und Faschismus in den Fankurven gehört beileibe nicht der Vergangenheit an und spielt auch in der Fanszene des kommenden Champions-League-Gegners des FC Bayern, Lazio Rom, eine gewichtige Rolle.

Faschistengrüße wie hier gehören in der Kurve von Lazio Rom zur Normalität. (Bild stammt vom Spiel gegen Celtic Glasgow im November 2019)

Gefestigt faschistisches Gedankengut in Lazios Curva Nord

In der Fankurve von Lazio Rom, der Curva Nord im Stadio Olimpico, gehört Faschismus dazu – so auch bei einem Gastspiel von Eintracht Frankfurt. Diesen Ruf haben sich die Anhänger der Weiß-Himmelblauen über Jahre hinweg erarbeitet. Den Eindruck kaschieren oder dem gar entgegenzuwirken, davon ist man weit entfernt. Stolz trägt man die faschistische Vergangenheit und Gegenwart vor sich her, provoziert und prahlt damit.

Vor allem das Erbe von Benito Mussolini, dem Begründer des modernen Faschismus, wird bei den Fans von Lazio Rom gerne hochgehalten. Dass Mussolini selbst Vereinsmitglied bei Lazio war, kommt dabei gelegen. 2019 zogen Lazio-Fans vor dem Pokalspiel bei AC Mailand mit einem Spruchband, auf dem „Ehre für Mussolini“ stand, durch die Stadt der Gastgeber. Die rassistischen Sprechchöre und Rufe nach „Duce“ (Führer) Mussolini während des Spiels waren dann schon fast logische wie traurige Konsequenz.

Paolo Di Canio als Spieler der Lazio beim römischen Derby 2005. Gut zu sehen ist das „DUX“-Tattoo des Spielers.

Auch dass der ehemalige Spieler Paolo Di Canio in der Curva Nord beinahe schon verehrt wird, spricht Bände. Nachdem er im Januar 2005 im Derby gegen die AS Rom ein Tor erzielt hatte, bejubelte er dieses mit zum Hitlergruß ausgestrecktem Arm. Sichtbar wurde dabei auch dessen „Dux“-Tattoo – lateinisch für „Duce“. Etwaige Vorwürfe wies Di Canio damals von sich: „Ich bin ein Profi und halte die Politik vom Stadion fern. Ich habe mein Tor gefeiert und meinen Arm ausgestreckt. Das ist keine politische Geste.“

Fans von Lazio Rom suchen Auseinandersetzung mit gegnerischen Fans

Selbstverständlich soll und darf nicht jedem Lazio-Tifoso rechtsradikales Gedankengut unterstellt werden, doch die faschistischen „Unbeugsamen“ („Irriducibili“) geben den Ton an bei den organisierten Fans. Dabei suchen sie auch immer wieder gewaltsame Auseinandersetzungen mit unliebsamen Fangruppen anderer Vereine.

Im November 2019 machten Lazio-Anhänger rund um das Europa-League-Spiel gegen Celtic Glasgow Jagd auf die Gästefans. Dabei mussten mehre Celtic-Fans, deren organisierter Anhang offen antifaschistisch auftritt, mit Stichverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Besteht auch für den Bayern-Anhang Gefahr beim Spiel in Rom?

Besonders diese Angriffe werden sich die Fans des FC Bayern vor dem Champions-League-Spiel in Rom am 14. Februar in Erinnerung rufen. Auch die organisierten Bayern-Fans, die „Schickeria München“, positioniert sich in der Öffentlichkeit antifaschistisch. Auf der eigenen Webseite beschreibt die „Schickeria“ ihre Zusammensetzung so: „Das Spektrum im ‚Harten Kern‘ der Gruppe, speziell der Führungscrew, geht von einer mitdenkenden, kritischen Mitte bis hin zu einer alternativen Linken.“

Die Bayern-Fans schrecken in ihrer Haltung auch nicht davor zurück, eigene Spieler zu kritisieren.

Es besteht also durchaus Gefahrenpotenzial für die Münchner Fans – deren „gemeinsame eindeutige Basis“ lautet: „Für gewissenlose Geldgeier, Rassisten und Faschisten ist in unserer Mitte kein Platz!“ –, sollten sie auf die „Irriducibili“ treffen. Wenigstens in Sachen Landessprache werden die Bayern-Fans aber nicht auf sich allein gestellt sein, ist es doch wahrscheinlich, dass die befreundeten „Ultras Empoli“ mit nach Rom kommen werden. (sch)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/AP | Gregorio Borgia

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