Gegnerische Trainer verzweifeln an „Signature Move“ von BVB-Star
VonLars Pollmann
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Lange tut sich der BVB gegen Wolfsburg schwer, bis Pascal Groß den Lieblingstrick auspackt. Seine Vorarbeit für Serhou Guirassy ist ein Augenschmaus.
Dortmund – Borussia Dortmund darf mehr denn je auf ein Happyend in der Bundesliga hoffen!
Nach dem 4:0-Sieg gegen den VfL Wolfsburg am Samstagabend sind die Daumen beim BVB für Bayer Leverkusen gedrückt, das am Sonntag den SC Freiburg bezwingen muss, um den Schwarzgelben vor den beiden letzten Saisonspielen zu Platz vier zu verhelfen.
Die eigenen Hausaufgaben erledigte der BVB gegen die Wölfe dabei lange Zeit eher wie das sprichwörtliche gute Pferd, das nicht höher springt, als es muss – nach dem frühen 1:0 durch Serhou Guirassy (3. Minute) boten beide Teams Magerkost. Das änderte sich erst in der letzten halben Stunde, in der Dortmund der Spielfreude freien Lauf ließ.
Den Auftakt bot Pascal Groß mit seinem „Signature Move“, der eigentlich niemanden mehr überraschen sollte.
Dortmund-Leader Groß: „Den Trick mache ich, seit ich ein kleiner Junge bin“
Bei Brighton & Hove Albion in England, wo Groß ein regelrechter Kultspieler wurde, haben sie den Trick sogar nach dem Routinier benannt. Eigentlich gebührt die Ehre dem früheren niederländischen Weltstar Johan Cruyff, der den sogenannten „Cruyff-Turn“ populär gemacht hat.
Dabei täuscht Groß einen Schuss oder eine Flanke an, zieht dann aber den Ball geschickt hinter seinem Standbein nach rechts oder links. Bei Brighton wurde daraus der „Groß-Turn“, der auch beim BVB prächtig funktioniert. Gegen Wolfsburg legte der 33-Jährige so das vorentscheidende 2:0 von Serhou Guirassy mustergültig auf.
„Wenn man nicht der Schnellste ist, muss man sich irgendwie Zeit verschaffen“, sagte Groß am Samstag mit einem Schmunzeln beim TV-Sender Sky. „Mit der Finte verschaffe ich mir oft einen Meter, wo ich flanken, schießen oder einen Pass spielen kann. Den Trick mache ich, seit ich ein kleiner Junge bin.“
BVB-Star Groß lässt Wölfe-Trainer Hasenhüttl hadern
In der Tat ist bemerkenswert, dass sich Gegenspieler immer noch von Groß überrumpeln lassen. Dessen Beidfüßigkeit und Vorliebe für den Trick sollten in der Video-Analyse vor jedem Duell mit dem BVB offensichtlich werden. Dahingehend haderte auch Wolfsburg-Coach Ralph Hasenhüttl am Samstag. Immerhin hat der Österreicher Groß einst selbst trainiert.
„Den Trick kenne ich schon aus Ingolstädter Zeiten, den macht er seit zehn Jahren. Dass er damit zwei Spieler austanzt, ist natürlich ein No-Go. Ich habe es den Spielern vor dem Spiel noch gesagt, dass es kommt“, ärgerte sich Hasenhüttl.
Gleichzeitig erkannte der Wölfe-Coach auch an, dass der Groß-Turn schwer zu verteidigen ist. „Er macht es natürlich auch gut. Und Guirassy macht es überragend“, konzedierte Hasenhüttl zum 2:0. Lothar Matthäus formulierte es plakativer und bezeichnete die Vorlage von Groß als „absolute Weltklasse“.
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Der Nationalspieler steht damit inzwischen bei 14 Torvorlagen in seiner ersten BVB-Saison, die eher schleppend angelaufen war. Unter Ex-Trainer Nuri Şahin wurde ihm die eigene Vielseitigkeit ein Stück weit zum Verhängnis, bisweilen musste Groß als Rechtsverteidiger aushelfen. Unter Niko Kovač gehört der Allrounder mit einer klar definierten und offensiven Rolle zu den großen Gewinnern.
Qua seiner Erfahrung gehört er auch zu den Führungskräften des BVB. Nach dem in der Höhe etwas schmeichelhaften Sieg gegen Wolfsburg trat Groß so auch auf die Euphoriebremse. „Es war teilweise sehr schwach von uns. Ich bin oft heimgefahren und habe gedacht, ‚das kann doch nicht wahr sein‘. Wir probieren zu retten, was noch zu retten ist. So ehrlich muss man sein, dass wir dem Anspruch oft hinterhergelaufen sind.“
Das Happyend ist wieder möglich, auch dank Pascal Groß. Aber es liegt nach wie vor nicht in der eigenen Hand des BVB, der für Platz vier auf mindestens einen Stolperer des SC Freiburg angewiesen ist.