Stürmer von trauriger Gestalt: Ex-Eintracht-Star Kolo Muani ist das Gesicht der Krise bei PSG
VonIngo Durstewitz
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In Frankfurt gefeiert, in Frankreich tief gefallen: Randal Kolo Muani steckt bei PSG in einer Sackgasse. Und symbolisiert damit einen ganzen Verein.
Der dürre Fakt vorneweg: Der französische Serienmeister Paris Saint-Germain hat sein letztes Meisterschaftsspiel relativ deutlich gewonnen, 3:0 gegen den FC Toulouse. Die Generalprobe für die bedeutsame Königsklassenpartie beim FC Bayern München am Dienstag (21 Uhr/Prime Video) ist also geglückt.
Das Ergebnis freilich täuschte über den Spielverlauf hinweg, die Gäste aus dem Süden betrieben einen wahren Chancenwucher. Im Grunde war der Deckel erst drauf auf der Partie, als der Portugiese Vitinha das 3:0 machte in der 91. Minute – auf herausragende Vorarbeit von, und nun wird es interessant, Randal Kolo Muani.
Kolo Muani trifft – durchlebt aber schwere Zeit
Der 25-Jährige, zehn Minuten zuvor eingewechselt, zog vom linken Flügel nach innen und bediente den Kollegen mit einem klasse Zuspiel in die Tiefe – Vitinha sagte nur noch Danke und deutete mit dem Zeigefinger nach ausgiebigem Jubel anerkennend auf den Vorlagengeber.
Für Kolo Muani war es ein selten gewordenes Glücksgefühl. Denn hinter dem einst als Wunderstürmer gefeierten Nationalspieler liegen schwere Zeiten. Was in der Stadt der Liebe als verheißungsvolle Liaison begann, entwickelt sich immer mehr zu einem großen Missverständnis.
Ex-Eintracht-Star Kolo Muani – ein Stürmer in der Sackgasse
Randal Kolo Muani, vor nicht mal eineinhalb Jahren unter mächtigem Getöse und hässlichen Umständen für die Rekordsumme von 95 Millionen Euro von Eintracht Frankfurt nach Paris transferiert, kommt in der französischen Hauptstadt nicht ins Laufen, er wirkt wie ein anderer Spieler, nicht mehr so federleicht und unbekümmert, sondern beladen und gedrückt, ein Stürmer von trauriger Gestalt. In der Sackgasse.
In dieser Saison kommt er auf 13 Pflichtspiele, aber nur zweimal stand er in der Startformation, zwei Törchen hat er erst erzielt, seinen ersten Treffer am ersten Spieltag, seinen zweiten am dritten. Seitdem: Flaute. Sein Marktwert hat sich halbiert, ist auf 40 Millionen Euro gesunken.
„Gesicht der Sturmkrise“: Kolo Muani erfüllt Erwartungen nicht
Die „SZ“ bezeichnete Kolo Muani als das „Gesicht der Sturmkrise“ des zwölfmaligen französischen Meisters. Gerade in der Champions League bleiben die Franzosen weit hinter den Erwartungen zurück, während es in der heimischen Liga wie gewohnt läuft: sechs Punkte Vorsprung vor AS Monaco mit Adi Hütter.
Auf royalem Parkett aber geht nichts zusammen, sie haben nach vier Partien (davon drei zu Hause) erst vier Punkte, gegen Atletico Madrid und den FC Arsenal verloren, den einzigen (glücklichen) Sieg in der letzten Minute durch ein Eigentor gegen den FC Girona errungen. Drei Tore sprangen erst heraus.
Kolo Muani traf in Frankfurt, wie er will
Das ist viel zu wenig für die Ansprüche des Großklubs. Entsprechend hoch ist der Druck auf dem Kessel vor dem Spiel bei den Bayern. Kolo Muani wird dann ziemlich sicher auf der Bank sitzen, wie fast immer. Auch in der Königsklasse war er noch keine Hilfe, blieb torlos.
Zum Vergleich: Zu seiner Frankfurter Zeit machte er in 50 Pflichtspielen 26 Tore und steuerte 17 Assists bei – eine überragende Quote. Er nahm die Bundesliga im Sturm, schwang sich auf zum neuen Stern am Frankfurter Fußballhimmel. Erinnerungen an den jungen und verehrten Tony Yeboah wurden wach.
Kolo Muani kämpft in Paris mit hohen Erwartungen
Die Menschen lagen ihm zu Füßen, widmeten ihm einen Song („No Limit“) – und dann das unrühmliche Ende, der Streik, die Wechselposse, der Raffzahn-Vorwurf. „Kohle Muani – Geld verändert nicht den Charakter, es macht ihn nur sichtbar“, schrieben ihm die Eintracht-Fans zum Abschied.
In Paris kämpfte er von Tag eins gegen die hohen Erwartungen, verkrampfte, die Riesenablöse von fast 100 Millionen schien eine schwer zu schulternde Last. Sechs Törchen machte er nur.
Dabei spekulierten sie in Paris jetzt insgeheim darauf, dass Kolo Muani in dieser Saison aufblühen würde, weil ja Kylian Mbappé PSG in Richtung Madrid verließ – das Pariser Spiel war sehr auf den Superstar zugeschnitten, der sich auch auf dem Feld alle Freiheiten nahm – da kann man als Mitspieler quasi unsichtbar werden.
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Unter Luis Enrique spielt Ex-Eintracht-Star Kolo Muani fast keine Rolle
Doch von Durchstarten konnte bei Kolo Muani nicht die Rede sein, im Gegenteil. Bei Trainer Luis Enrique spielt er kaum eine Rolle. Der Spanier stellt zumeist seinen Landsmann Marco Asensio auf, als schwimmenden Neuner zwischen der Flügelzange Bradley Barcola und Ousmane Dembélé. Für Kolo Muani ist kein Platz. Vertrauen sieht anders aus.
Selbst in der französischen Nationalelf konnte er zuletzt kein Selbstvertrauen tanken, dabei setzt Nationaltrainer Didier Deschamps konsequent auf den im Pariser Vorort Bondy geborenen Angreifer mit kongolesischen Wurzeln. Beim 2:1-Sieg gegen Belgien Anfang September schnürte er noch einen Doppelpack, doch seit zwei Partien wartet der gefallene Himmelsstürmer auch in der Équipe Tricolore auf ein Erfolgserlebnis. Es ist wie verhext.
Wechsel-Gerüchte um Kolo Muani
Natürlich ploppen da Wechselgerüchte auf, Arsenal, Juventus Turin und vor allem Manchester United sollen Interesse haben, schon im Winter, hieß es, könne ein Transfer über die Bühne gehen, 40 Millionen müssten dann fließen.
Doch der Spieler selbst schob einen Riegel vor. „Ich habe nie daran gedacht, PSG im Januar zu verlassen“, stellte der 25-Jährige in einem Interview klar und kündigte an, noch härter zu arbeiten, einen eigenen Physiotherapeuten, einen Fitnesstrainer und einen Koch zu engagieren, „um die Dinge zu optimieren“. Denn: „Du darfst nicht aufgeben. Wenn du aufgibst, ist es vorbei.“