Kabinen-Knatsch beim FC Bayern? Nagelsmann lässt Mannschaft gegen Bochum in der Halbzeit alleine
VonFlorian Schimak
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Der FC Bayern feiert gegen den VfL Bochum den ersten Heimsieg im Jahr 2023. Trainer Julian Nagelsmann war vor dem CL-Kracher gegen PSG dennoch wenig zufrieden.
München – So wirklich zufrieden war am Samstagabend in der Allianz Arena keiner. Weder die Spieler und Verantwortlichen des VfL Bochum, noch die des FC Bayern.
Dabei hatte der Rekordmeister mit einem 3:0 (1:0)-Erfolg doch endlich seinen ersten Heimsieg im Jahr 2023 in der Allianz Arena gefeiert. Dank der Treffer von Thomas Müller (41.), Kingsley Coman (64.) und dem verwandelten Foulelfmeter von Serge Gnabry (74.) behauptete die Münchner in der Bundesliga ihren Platz an der Sonne.
Kabinen-Ärger beim FC Bayern? Nagelsmann lässt Bayern-Stars in der Halbzeit alleine
Von guter Stimmung war aber weder nach der Partie, noch während des Spiels etwas zu spüren. So sorgte vor allem eine Sache für Aufsehen: Julian Nagelsmann ging nach einem recht durchwachsenen Auftritt seiner Mannschaft im ersten Durchgang nicht mit seinem Team in der Pause in die Kabine. Zumindest hatte dies so den Anschein.
Doch falsch gedacht! Auf die Frage, wer in der Halbzeit denn die Ansprache anstatt seiner gehalten habe, erklärte der 35-Jährige auf der Pressekonferenz nach Schlusspfiff: „Ich! Wie immer. Das wird‘s in meiner Amtszeit nicht geben, dass jemand anderes zur Mannschaft spricht.“
Julian Nagelsmann erklärt Kabinen-Ansprache: „War in Einsdreißig abgetan“
Anschließend nannte Nagelsmann den Grund, warum es den Anschein hatte, dass er nicht in der Kabine war. „Ich habe nur keine Szene gezeigt, weil ich nicht das Gefühl hatte, dass es sinnvoll ist, welche zu zeigen“, so der Trainer: „Wir haben über andere Dinge gesprochen, das war aber in Einsdreißig abgetan. Dann bin ich raus, habe mir ein paar Dinge am iPad angeschaut und Phonzie (Alphonso Davies; Anm. d. Red.) noch ein paar Dinge auf den Weg gegeben.“
Die Spieler fanden diese Aktion wenig befremdlich, wie beispielsweise Leon Goretzka in der Mixed Zone verriet. „Ich habe es gar nicht als so kurz empfunden, weil es ziemlich intensiv war, ehrlich gesagt“, so der Bayern-Star in den Katakomben der Allianz Arena über Nagelsmann Pausenansprache.
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FC Bayern: Goretzka spricht über „untypische“ Halbzeitsitzung mit Nagelsmann
Nagelsmann wusste nach seiner intensiven Kurz-Ansprache nicht, was anschließend in der Kabine los war: „Was danach noch passiert ist, weiß ich nicht“, so der Trainer: „Ich denke, dass sich der eine oder andere Spieler auch noch zu Wort gemeldet hat, hoffentlich.“
Goretzka ergänzte, dass eine so kurze Pausensitzung doch „eher untypisch“ für Nagelsmann gewesen sei. Auf Nachfrage, ob dann jemand noch gesprochen haben, sagte Goretzka etwas süffisant: „Wir unterhalten uns schon auch in der Mannschaft.“
Julian Nagelsmann setzt auf Mündigkeit der eigenen Stars – nicht zum ersten Mal
Es ist nicht das erste Mal, dass Nagelsmann auf die Mündigkeit und Eigenmotivation seiner Spieler baut. In der Vergangenheit hat der Coach immer wieder erklärt, dass er seinem Team nach schwachen Leistungen wenig erklären müsse. Daher ließ er seine Stars am Samstag auch alleine in der Kabine.
„Der Coach hat ein paar Dinge kritisch angesprochen“, verriet Yann Sommer: „Dann sind es die Leader, die auch schon lange in dem Team sind, die die Mannschaft vorbereiten auf die wichtige zweite Hälfte.“ Auch Thomas Müller erkannte nach der Partie: „Irgendwo in uns drin, ist da schon mehr Anspruch“, so der 33-Jährige: „Klar, wir hatten schon ein paar Chancen. Aber es könnte erfrischender laufen auf dem Platz.“
FC Bayern vor CL-Kracher bei PSG: „Hätten einiges besser mach müssen“
Leon Goretzka nannte die wenig inspirierende Leistung gegen Bochum „ein Energiethema“. Man sei „aufgrund der jüngsten Vergangenheit keine Mannschaft, die von 0 auf 100 sofort da ist in den wichtigen Spielen“, so der an diesem Abend starke Sechser (tz-Note: 2): „Wir müssen uns in einen Rausch spielen, und uns das alles erarbeiten. In dem Prozess hätten wir einiges besser machen müssen nach der Winterpause, so ehrlich müssen wir sein.“
Es bleibt zu hoffen, dass Nagelsmann am Dienstag länger in der Kabine bleibt. Dann geht‘s für den FC Bayern nämlich endlich zum Achtelfinal-Kracher in der Champions League gegen Paris Saint-Germain. (smk)