Eintracht vor hoher Hürde in Hoffenheim

Gradmesser für die Eintracht – in Europa und im Kraichau

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Hat sein Team in die Spitzengruppe der Liga geführt: Eintracht-Trainer Dino Toppmöller.
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Frankfurter Klub hält sich mit den schweren Champions-League-Gegnern nicht auf, sondern freut sich auf die Herausforderung – so eine wartet auch in Hoffenheim

Der Frankfurter Sportdirektor Timmo Hardung war es, der den stilvollen Abend im Grimaldi Forum zu Monaco mit zwei Sätzen treffend umriss. „Ich sage mal so: Wir wollten Champions League, und ich glaube, wir haben Champions League bekommen“, kommentierte er lächelnd. Viel komprimierter lässt sich die Königsklassenauslosung aus Sicht der Eintracht wahrscheinlich nicht zusammenfassen.

Der hessische Vertreter darf (oder muss) sich gleich mit fünf Titelträgern messen, darunter die Meister der drei stärksten Ligen Europas, FC Liverpool aus England, FC Barcelona aus Spanien, SSC Neapel aus Italien. Hinzu kommen noch der Europa-League-Sieger Tottenham Hotspur und der spanischen Spitzenklub Atletico Madrid mit Breitbein-Zampano Diego Simeone an der Seitenlinie. Sehr viel prominenter und härter geht es nicht. Die übrigen Gegner, Atalanta Bergamo, Galatasaray Istanbul und Neuling FK Karabach Agdam aus Aserbaidschan, klingen da beinahe wie Sparringspartner – was sie natürlich ganz und gar nicht sind.

Grenzen verschieben

Für die Eintracht sind das insgesamt knifflige Herausforderungen, und nur die größten Daueroptimisten gehen wohl von einer geschmeidigen Qualifikation fürs Achtelfinale aus. Dazu müssten die Frankfurter unter die besten Acht kommen. Realistischer scheint da ein Einzug in die Zwischenrunde, eine Platzierung unter den ersten 24 sollte drin sein.

Die Geschichte lehrt, dass man die Eintracht nie abschreiben sollte, sie wächst ganz gerne an ihren Aufgaben. Und die Verantwortlichen hadern nicht, sondern freuen sich auf das Kräftemessen auf allerhöchstem Niveau. Klar ist: Die Eintracht wird wieder eine besondere Atmosphäre, ein spezielles Fluidum brauchen, um Grenzen zu verschieben. Und das wird sie tun müssen. Für sie ist dieser Wettbewerb mit diesen Kontrahenten ein echter Gradmesser.

Genauso wie die Bundesligapartie am Samstag (15.30 Uhr/Sky) bei der erstarkten TSG Hoffenheim. Die Mannschaft hat kaum mehr etwas mit dem Team zu tun, das die vergangene Saison völlig in die Grütze ritt und um ein Haar sogar abgestiegen wäre. Das Chaos war Programm im Kraichgau. Jetzt sagt Eintracht-Trainer Dino Toppmöller: „Sie haben eine beeindruckende Vorbereitung gespielt“, sind im Pokal in Rostock weitergekommen und haben sogar zum Auftakt in Leverkusen gewonnen. Ein Ausrufezeichen. „Das wird ein Brett“, orakelt der Frankfurter Fußballlehrer, der sich umso mehr darüber freut, dass wieder 10.000 Eintracht-Fans die Partie zu einem verkappten Heimspiel werden lassen.

Die TSG, findet Toppmöller, habe schon immer einen gepflegten Ball gespielt, aber „vielleicht war die Intensität nicht auf einem Toplevel“. Das sei nun ganz anders. „Sie spielen mit einer neuen Identität.“

Das könne auch an Trainer Christian Ilzer liegen. Der war gefühlt schon dreimal entlassen, doch die Verantwortlichen hielten an ihm fest. „Das zeigt schon, dass man einem Trainer Zeit geben sollte“, findet Toppmöller, der in sein drittes Jahr in Frankfurt geht und damit schon zu den dienstältesten Chefcoaches gehört, nur Sebastian Hoeneß und natürlich Frank Schmidt sind schon länger dabei, in Stuttgart und Hoffenheim. „Ich bin total froh, dass die Vereinsführung mir die Ruhe, Zeit und das Vertrauen gibt, mit den Jungs zu arbeiten. Das ist das Allerwichtigste für jeden Trainer.“

Dino Toppmöller ist in Frankfurt inzwischen über jeden Zweifel erhaben, er hat sich zu einem spannenden, begehrten und abgeklärten Fußballgelehrten entwickelt. Ein Glücksgriff für die Eintracht. Der 44-Jährige hat seine Mannschaft in die Spitzengruppe der Liga geführt, ein Team geformt, das derzeit mit Lob überschüttet wird. Von Experten, Ex-Profis, dem DFB-Präsidenten und dem Bundestrainer. „Das ist eine schöne Momentaufnahme“, sagt Toppmöller bescheiden. Und vergisst nicht zu erwähnen, was „darüber steht“. Nämlich: „Extrem viel Arbeit, Fleiß und Invest.“ Frei nach dem Motto: Nichts fällt vom Himmel. Und genau so soll sein Ensemble weitermachen. „Wir wollen Dinge verfestigen.“

Er selbst ist gespannt darauf, wie seine Mannschaft auch mit der emotionalen Champions-League-Reise umgehen wird. „Das zieht auch Energie, mal schauen, wie wir damit zurechtkommen.“

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