Der vorläufige deutsche EM-Kader steht. Einige heiße Kandidaten haben es nicht geschafft. Die Entscheidung, so Rudi Völler, sei nicht einfach gewesen.
Frankfurt/Berlin – DFB-Sportdirektor Rudi Völler und Bundestrainer Julian Nagelsmann haben gemeinsam die Phase der EM-Nominierungen abgeschlossen. Kurz vor der endgültigen Bekanntgabe der Kandidaten für die Europameisterschaft 2024 betonte Völler die Schwierigkeit des Auswahlprozesses.
| Deutsche Fußballnationalmannschaft | |
|---|---|
| Trainer: | Julian Nagelsamnn |
| Kapitän: | Ilkay Gündogan |
| Erfolge: | 4 x Weltmeister, 3 x Europameister, 1 x Konföderationen-Pokal-Sieger (Stand: März 2024) |
Nagelsmann und seine EM-Härtefälle
„Julian hat gemerkt, dass es anders ist als im Club oder bei normalen Länderspielen“, berichtete Völler laut dpa – am Rande einer Veranstaltung zur Bekanntgabe der Vertragsverlängerung für das DFB-Sponsoring durch VW – über Nagelsmanns Herausforderungen bei der Kaderzusammenstellung. Der DFB-Sportdirektor selbst kennt die Tücken dieser Aufgabe aus eigener Erfahrung.
„Wenn du dann so eine Nominierung angehst, gibt es natürlich auch Härtefälle. Das gab es schon immer. Zwei, drei Spieler, denen du dann erklären musst, warum es nicht gereicht hat. Da gibt es auch nicht die hundertprozentigen Wahrheiten“, so Völler.
Völler lobt „pfiffige“ Methode zur Kaderbekanntgabe
Im Rahmen einer mehrtägigen Verkündungsaktion des DFB wurden zunächst 18 Spieler bekannt gegeben, darunter prominente Namen wie Kapitän Ilkay Gündogan und Stammtorwart Manuel Neuer sowie Neulinge wie Florian Wirtz (Bayer Leverkusen) und Aleksandar Pavlovic vom FC Bayern München.
Völler hob anerkennend hervor: „Diese pfiffige Idee, die muss ich wirklich mal loben. Es hat sich in den Medien ein bisschen was verändert von 2014 bis 2024. Es gibt die sozialen Netzwerke, jeder postet irgendwas. Du kannst eh nichts mehr geheim halten.“
Deutscher EM-Kader: Ohne Hummels und Goretzka
Während einige Spieler ihre EM-Teilnahme sicher haben, müssen andere auf das Heimturnier verzichten. Serge Gnabry, Niklas Süle und Timo Werner stehen ebenso nicht im Kader von Nagelsmann wie Leon Goretzka und Mats Hummels. Gnabrys Muskelverletzung, die er im Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid erlitten hatte, hindert ihn an der Teilnahme.
Süle und Werner scheitern an starker Konkurrenz, berichtete Sky bereits vor der Kader-Bekanntgabe, während der ehrgeizige und zuletzt stark performende Hummels, für den wohl nur ein Stammplatz und kein Platz auf der Ersatzbank infrage gekommen wäre, nicht in Nagelsmanns Anforderungsprofil, das die Teamchemie in den Fokus rücken möchte, passt.
Das ist der DFB-Kader für die EM 2024




Nagelsmann möchte Gründe für Nichtberücksichtigungen nicht publik machen
„Es ist immer schöner, den Spielern mitzuteilen, dass sie dabei sind, als die andere Variante“, kommentierte Völler bereits vor der finalen Kader-Veröffentlichung am Donnerstag (16. Mai) in Berlin gegenüber der dpa, jedoch ohne die Namen der betroffenen Spieler direkt zu nennen.
Julian Nagelsmann hingegen ging in der DFB-Pressekonferenz zur Vorstellung seines EM-Teams, nachdem er von einem anwesenden Journalisten konkret gefragt worden war, auch auf Goretzka und Hummels ein. „Beide Spieler sind extrem enttäuscht, das ist normal und verständlich“, berichtete Nagelsmann und ergänzte: „Das habe ich wenig gerne gemacht, das sind auch keine schönen Entscheidungen, die man da trifft.“
„Böse Gespräche“ habe es zwischen ihm, Goretzka und Hummels – bei aller Enttäuschung der nicht berücksichtigten Profis – allerdings nicht gegeben, sagte der Bundestrainer. Seine Begründungen wollte er indes für sich behalten, diese „bleiben natürlich auch zwischen mir und den entsprechenden Spielern“.
Rudi Völler: Große Vorfreude auf die EM
Rudi Völler blickt optimistisch auf die bevorstehende Europameisterschaft. „Man merkt, auch aufgrund der letzten beiden Länderspiele, dass ein bisschen was passiert ist. Egal, wo ich bin, die Menschen freuen sich auf die Europameisterschaft. Das Vertrauen müssen wir auch bestätigen“, sagte der Weltmeister von 1990.
Deutschland eröffnet die EM am 14. Juni in München gegen Schottland, gefolgt von Spielen gegen Ungarn und die Schweiz. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren – und das Personal steht mittlerweile auch fest. (dpa/chnnn)
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