Hamann kritisiert FC Bayern wegen Sané: Warum er erneut falsch liegt - ein Kommentar
VonPeter Grad
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Leroy Sané polarisiert wie immer. Während die Bayern-Bosse auf eine Vertragsverlängerung mit ihm hoffen, warnt Didi Hamann diese, ihr Gesicht zu verlieren.
München - Obwohl die Zukunft von Leroy Sané weiterhin ungeklärt ist, reist der 29-jährige Nationalspieler mit dem FC Bayern zur Klub-WM in die USA. Die FCB-Verantwortlichen sollen in Erwägung ziehen, den am 30. Juni auslaufenden Vertrag bis zum Turnierende (das Endspiel findet am 13. Juli statt) zu verlängern. Sky-Experte Didi Hamann kann zum wiederholten Male wenig mit der Herangehensweise seines Ex-Vereins anfangen.
Hamann gegen WM-Teilnahme von Sané
Der frühere Mittelfeldspieler kritisiert bereits die Abgabe des zweiten Münchner Angebots. Die Bayern müssen „aufpassen, dass sie nicht ihr Gesicht verlieren“, meckert Hamann in seiner Sky-Kolumne. Ihm sei es „nicht schlüssig, warum sich Bayern-Präsident Herbert Hainer einerseits öffentlich klar gegen ein verbessertes Angebot ausspricht, aber andererseits jetzt doch ein neues Angebot auf dem Tisch liegt“.
Sané und Berater Pini Zahavi sollen jedoch auch das leicht verbesserte bzw. modifizierte Angebot des FC Bayern fürs Erste abgelehnt haben. Für Hamann kommt folglich nur eine Konsequenz in Frage: „Wenn ein Spieler über mehrere Wochen einen unterschriftsreifen Vertrag vorliegen hat, aber nicht zusagt, kann ich so einen Spieler doch nicht mit zur Klub-WM nehmen“.
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Genau das passiert nun aber und FCB-Sportvorstand Eberl soll die Idee haben, Sané mit einem Mini-Vertrag bis zum Ende des Turniers zu halten. Zudem sind laut Sky-Angaben weitere Gespräche mit dem Spieler geplant. Wollten die Münchner in der Angelegenheit angeblich bis zum Turnierbeginn Klarheit, so deutet jetzt vieles darauf hin, dass sich eine Entscheidung noch einige Wochen hinziehen könnte.
Hamann: „Gefährliche Entwicklung an der Säbener Straße“
Dagegen Hamanns Aufforderung an die Bayern-Verantwortlichen: „Rückgrat zeigen und sich einheitlich positionieren“. Man dürfe nicht „das Heft des Handelns an die Berater und die Spieler verlieren“ und müsse „wirklich aufpassen. Für mich ist das eine ganz gefährliche Entwicklung an der Säbener Straße, die es nicht zu unterschätzen gilt.“
Anders als bei vielen anderen FCB-Themen weiß der 51-Jährige in der „Causa Sané“ sicherlich eine Menge an Bayernanhängern auf seiner Seite. Der Tempodribbler ist - speziell wegen seiner manchmal als negativ ausgelegten Körpersprache - bei sehr vielen längst umstritten. Er gilt als launisch und inkonstant. Während der zweite Vorwurf durchaus teilweise berechtigt ist, ist der erste eine komplette Fehleinschätzung des 29-Jährigen, bei welcher seine Trainer und zahlreiche Mitspieler seit Jahren gegen die öffentliche Meinung ankämpfen.
Sané für seine Trainer eine „Maschine“
Wenn der 70-fache deutsche Nationalspieler tatsächlich der „Stinkstiefel“ wäre, als welchen ihn einige „Experten“ und noch viel mehr Fans des Rekordmeisters sehen wollen, ist es rätselhaft, warum mit Hansi Flick, Julian Nagelsmann, Thomas Tuchel und nun Vincent Kompany sämtliche FCB- wie Nationaltrainer der letzten Jahre auf ihn gesetzt haben. Der heutige England-Coach Tuchel hat Sané einst als „Maschine“ bezeichnet. „Er kann intensiv Läufe ohne Ende produzieren. Körperlich und in dem Biss, Entscheidungen herbeizuführen, spielt er auf seinem Niveau. Das Mindset ist gut, die Körpersprache ist gut.“
Kompany dürfte das ganz genauso sehen. Nachdem Sané in der Hinrunde noch an den Folgen einer Schambein-OP gelitten hatte, präsentierte er sich in 2025 fast ausschließlich in Topform. Genau mit den Eigenschaften, die Tuchel im Herbst 2023 angepriesen hatte und zudem torgefährlich. Im Rückwärtsgang als Offensivspieler eine „Maschine“, wie man sie seit Jahrzehnten nicht beim Rekordmeister gesehen hat. Eine perfekte Kombination für das Spielsystem des belgischen FCB-Coaches.
Dieser Artikel entstand in einer Content-Partnerschaft mit fcbayerntotal.com
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Hamann hat durchaus recht, wenn er fordert, dass die Verantwortlichen beim FC Bayern nun „Rückgrat zeigen“ müssen, nur eben ganz anders als vom Sky-Experten gefordert. Auch mit dem „einheitlichen Positionieren“ hat der 51-Jährige nicht völlig unrecht. Präsident Hainer, kein ausgewiesener Fachexperte wie Vorgänger Uli Hoeneß, sollte sich in derartigen Angelegenheiten zukünftig lieber zurückhalten, dann kann er auch von einem Hamann nicht mehr argumentativ verwendet werden.
Noch keine „gefährliche Entwicklung an der Säbener Straße“
Laut Hamann müssen die Verantwortlichen des Rekordmeisters „wirklich aufpassen. Für mich ist das eine ganz gefährliche Entwicklung an der Säbener Straße, die es nicht zu unterschätzen gilt.“ Solche Äußerungen werden dort maximal ein Schmunzeln verursachen. Denn tatsächlich wird die Entwicklung beim FC Bayern erst dann gefährlich, wenn man sich dort auf Ratschläge von TV-Experten einlassen würde, vor allem wenn diese derart populistisch herausposaunt werden. Gerade hier ist es ratsam, souverän und verantwortungsbewusst darauf zu reagieren.
Hamann schafft Quoten, aber er ist und war nie ein Maßstab an der Säbener Straße, eher wurde er dort mit einem „Tinnitus“ verglichen oder ihm gar mit juristischen Schritten gedroht.