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Markus Merk äußert sich kritisch zur Handspielregel und fordert eine Reform der Abseitsregel. Seine Vorschläge könnten den Fußball grundlegend verändern.
München – Der nicht gegebene Handelfmeter von Marc Cucurella im Viertelfinale der EM 2024 für die deutsche Nationalmannschaft sorgt weiterhin für Diskussionen. Schiedsrichter-Legende Markus Merk hat sich nun zu diesem Vorfall geäußert und übt scharfe Kritik an der aktuellen Handspielregel.
Schiedsrichter-Ikone Markus Merk kritisiert Elfmeter-Entscheidung bei Deutschland-Spiel
Merk sieht die Entscheidung, keinen Elfmeter zu geben, als problematisch an. „Beim Block eines gefährlichen Torschusses im Spanien-Spiel gibt es keinen Elfmeter, aber beim chipregistrierten Streifschuss ohne unmittelbare Torgefahr gegen Dänemark sehr wohl. Wer soll diese Gegensätze verstehen?“, fragte Merk im Gespräch mit dem Kicker. Er fordert einheitlich nachvollziehbare Parameter und praxisbezogene Standards, um solche Widersprüche zu vermeiden. „Experten müssen gemeinsam an den Tisch, um den ‚größtmöglichen gemeinsamen Nenner‘ zu erarbeiten“, sagte Merk.
Im EM-Viertelfinale der deutschen Nationalmannschaft hatte Spaniens Cucurella, der über die Elfmeter-Diskussion in Deutschland nur schmunzeln konnte, den Ball gegen die Hand bekommen – einen Elfmeter gab es trotz des abgeblockten Schusses von Jamal Musiala nicht. Im Achtelfinale hatte Dänemarks Joachim Andersen bei einer Flanke den Ball hingegen mit der Hand nur leicht berührt – hier gab es einen Strafstoß. Bereits zuvor redete Schiedsrichter-Legende Markus Merk in der Elfmeter-Diskussion Klartext.
Schiedsrichter-Legende Markus Merk überrascht mit brisantem Vorschlag
Neben seiner Kritik an der Handspielregel hat Merk auch einen brisanten Vorschlag zur Reform der Abseitsregel gemacht. „Mein Vorschlag für eine Testphase: Ein Spieler ist nur dann strafbar Abseits, wenn er mit ganzem Körper im Abseits steht. Natürlich wird es auch dann Grenzentscheidungen geben, diese sind aber nachvollziehbarer, weil sichtbarer“, so Merk.
Merk argumentiert, dass die aktuellen Abseitsregelungen zu vielen Diskussionen und Unsicherheiten führen. „Wenn die Geister erst mal gerufen sind, muss man damit leben. Wir haben jetzt Situationen, die kein Mensch sieht. Aber wir produzieren massive Diskussionen durch den VAR, die es vorher nicht gab. Ich finde diese Entwicklung schade“, sagte Schiedsrichter-Legende Markus Merk, der sich mit EM-Experte Stefan Effenberg live im TV gestritten hat.
Deutschlands Schiedsrichter-Legende
Markus Merk, geboren am 15. März 1962, ist einer der bekanntesten und erfolgreichsten Schiedsrichter im deutschen Fußball. Er leitete insgesamt 339 Bundesligaspiele und wurde siebenmal zum DFB-Schiedsrichter des Jahres sowie dreimal zum Weltschiedsrichter des Jahres gewählt. Internationale Bekanntheit erlangte er durch seine Einsätze bei Welt- und Europameisterschaften sowie im Finale der Champions League 2003 und der Europameisterschaft 2004.
„Zum Beispiel die Abseitssituationen. Erstens bleibt der exakte Moment des Abspiels, somit die Wahl des korrekten Bildes, bei über 30 Bildern pro Sekunde trotz halb-automatischer Abseitserkennung und Chip im Ball, vor allem bei dynamischen und gegenläufigen Situationen, zweifelhaft“, erklärte Merk. Zudem lebe der Fußball von Toren. Durch die vorgeschlagene Änderung könnten diese Unsicherheiten reduziert und das Spiel flüssiger gestaltet werden.
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Schiedsrichter-Legende Markus Merk von VAR-Checks genervt
Abschließend äußerte sich Merk auch kritisch zur aktuellen Nutzung technischer Hilfsmittel im Fußball. „Die permanenten Verzögerungen durch die VAR-Checks im Hintergrund bei Spielunterbrechungen sind extrem nervig“, sagte er. Merk betonte, dass jede Korrektur durch technische Hilfsmittel als Schiedsrichter-Fehler betrachtet werden müsse und dies nicht als Selbstverständlichkeit hingenommen werden dürfe.
Markus Merk fordert somit nicht nur eine Reform der Handspiel- und Abseitsregel, sondern auch eine kritische Auseinandersetzung mit der Nutzung technischer Hilfsmittel im Fußball. Seine Vorschläge könnten die aktuellen Probleme im Schiedsrichterwesen lösen und den Fußball insgesamt fairer und nachvollziehbarer gestalten. Bereits vor der EM machte Schiedsrichter-Legende Markus Merk dem FC Bayern bei einer Elfmeter-Diskussion eine klare Ansage. (ck)
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