Ex-Nationalspieler übt Kritik

„Nicht das Niveau“: Khedira zerlegt kompletten DFB samt Hansi Flick

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Vor der Heim-EM zeichnet Sami Khedira ein düsteres Bild der Fußball-Nationalmannschaft. In seiner Analyse bekommt auch Trainer Hansi Flick sein Fett weg.

Frankfurt – Sami Khedira weiß, wie es ist, mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft große Erfolge zu erreichen. Der inzwischen berentete Ex-Profi gehörte beim Titelgewinn bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien zu den gesetzten Stammkräften. Umso größer ist Khediras Sorge um den deutschen Fußball vor der Heim-EM im kommenden Jahr. Bundestrainer Hansi Flick zählt Khedira ebenso an.

Sami Khedira
Geboren:4. April 1987 (Alter 36 Jahre), Stuttgart
Letzter Verein:Hertha BSC
Position:Mittelfeldspieler
Erfolge:Weltmeister 2010, CL-Sieger 2014, Deutscher Meister 2007

Sami Khedira: Heim-EM für DFB-Team ein „Charaktertest“

Khediras Wutrede resultiert aus dem bisherigen Abschneiden der DFB-Elf, die katastrophal und beinahe ohne jeden Lerneffekt daherkommt. Von fünf Spielen in diesem Jahr wurde lediglich eines gewonnen, daneben haben sich blamable Auftritte wie gegen Polen (0:1) oder Kolumbien (0:2) eingebrannt. Khedira will deshalb die Hoffnung auf eine gute Heim-EM aber noch nicht endgültig begraben.

Das bevorstehende Turnier sei ein „Charaktertest“, sagt Khedira im Interview mit dem kicker. Es gehe jetzt darum, in den nächsten vier Spielen gegen Japan, Frankreich, die USA und Mexiko eine Mannschaft zu finden, die Charakter und Persönlichkeit habe. „Und die das Bewusstsein entwickelt, für Deutschland spielen zu wollen und dafür alles auf dem Platz zu lassen. Gelingt das, bin ich davon überzeugt, dass wir im eigenen Land auch wieder eine Euphorie entfachen können.“

Sami Khedira zeigt sich empört über die DFB-Entwicklung und spricht über Heim-EM.

Sami Khedira: DFB-Team fehlt es an gewissen Komponenten

Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg, die jüngsten Auftritte der deutschen Bestenauswahl lassen wenig Hoffnung aufkommen. Khedira zerlegt dann noch den kompletten DFB, in dem er meint, dass die aktuelle Mannschaft weit von dem einstigen Niveau entfernt ist, das dem deutschen Fußball lange Zeit Erfolge bescherte.

Es fehle der Mannschaft einfach an gewissen Komponenten, was in den nächsten zehn Monaten bis zur Heim-EM auch nicht hinzubekommen sei. „Es wird mehrere Jahre dauern, bis wir wieder eine entsprechende Nummer 9 bekommen. Und wenn ich auf unsere Außenverteidiger blicke und sie mit Philipp Lahm vergleiche, dann ist das einfach nicht das Niveau, das wir in Deutschland hatten und auch brauchen, um Spiele gegen andere Nationen zu dominieren“, moniert Khedira.

DFB-Trainer Hansi Flick muss die Besten nominieren

Der 77-malige deutsche Nationalspieler nimmt auch Hansi Flick ins Gebet und kritisiert dessen Vorgehen mit erfahrenen Spielern. „Wir haben vor vier, fünf Jahren mit der Philosophie angefangen, den jungen Spielern teilweise zu einfach die Möglichkeit zu geben, A-Nationalspieler zu werden“, motzt Khedira weiter.

Spieler wie Jérôme Boateng, Mats Hummels oder Thomas Müller seien dann einfach „entsorgt“ worden, weil junge Spieler angeblich Platz zur Entfaltung benötigten. „So etwas ist für mich ein fatales Zeichen“, bemängelt Khedira, der darauf beharrt, dass die Besten eingeladen werden müssen: „Die Nationalmannschaft ist kein Experimentierfeld, um junge Spieler zu testen. Dafür haben wir eine U21.“ (aoe)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Pressefoto Rudel/Robin Rudel

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