VonAndreas Beezschließen
Ex-Fußballstar Daniel Engelbrecht (32) lebt mit einem Defibrillator - Folge einer verschleppten Herzmuskelentzündung. Wie er sein Herz-Drama erlebte.
München – Er lebte seinen Traum, jagte als Fußball-Profi für die Stuttgarter Kickers dem Ball hinterher. Bis er am 20. Juli 2013 auf dem Platz zusammenbrach und wiederbelebt werden musste - dramatische Folge einer verschleppten Herzmuskelentzündung (siehe Infobox).
Engelbrecht wurde gerettet, landete allerdings anschließend vier Mal auf dem Operationstisch, bekam einen Defibrillator in den Brustkorb eingesetzt. Das ist ein Gerät, das im Notfall bei Kammerflimmern elektrische Impulse - praktisch Stromschocks - abgibt, um die lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen zu stoppen.
Ex-Fußballer Engelbrecht: „Die schlimmsten Schmerzen, die ich je erlebt habe“
Inzwischen hat sein Defi bereits drei Mal ausgelöst. Damit rettete ihm das Gerät zwar das Leben, allerdings erfuhr er in diesen Momenten auch „die schlimmsten Schmerzen, die ich je erlebt habe“, berichtete der Ex-Fußballer, der heute als Talent-Scout beim 1. FC Kaiserslautern arbeitet. „Ich dachte, dass ich innerlich verbrenne. Es war wirklich heftig.“
Mit der Schilderung seines Herz-Dramas sorgte Engelbrecht für Gänsehaut bei vielen Teilnehmern des Münchner Top-Ärzte-Kongresses an diesem Samstag im TUM Campus im Olympiapark. Dort tauschen sich derzeit Sportkardiologen, Sportmediziner und Sportwissenschaftler über neueste Forschungsergebnisse aus. Gastgeber ist Professor Martin Halle, der mit seinem Ärzte-Team von der TU München zahlreiche aktive Profis und auch Ex-Sportler betreut, darunter viele Fußballer und auch Skistars wie Felix Neureuther.
Daniel Engelbrecht: „Meine Liebe zum Fußball war größer als die Angst zu sterben“
Auch Daniel Engelbrecht ist bei den Münchner Spezialisten vom Uniklinikum rechts der Isar in Behandlung. „Daniels neueste Untersuchungsergebnisse sind erfreulich“, berichtete Halle, der den Kongress zum 20-jährigen Bestehen des Zentrums für Sportmedizin und Sportkardiologie moderierte.
Auch er musste schlucken, als sein Patient von den dramatischen Momenten auf dem Fußballplatz und dem Kampf um sein Comeback erzählte. „Ich war gerade mal 22, als es passierte. Damals habe ich gedacht, dass ich unantastbar bin, habe nichts auf den Rat der Ärzte gegeben, mit dem Fußballspielen aufzuhören. Ich wollte unbedingt zurück auf den Platz. Deshalb habe ich den Ärzten gesagt: Baut mir diesen Defi ein, ich will wieder Fußball spielen. Damals wusste ich noch nicht, wie ein Defi funktioniert und wirkt. Ich kann das Thema nur am Rande von meinem Opa, der einen Herzschrittmacher trug.“
So gefährlich ist eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis)
„Auch für Hobbysportler ohne angeborenen Herzfehler ist es extrem wichtig, sich bei Infekten zu schonen“, warnt der Sportkardiologe Prof. Martin Halle, Chefarzt des Zentrums für Prävention und Sportmedizin der TU München: „Infektionserkrankungen mit Husten, Schnupfen und Heiserkeit werden häufig nicht durch Bakterien, sondern durch Viren hervorgerufen. Und diese Viren können auch das Herz angreifen und eine gefährliche Herzmuskelentzündung verursachen.“ Nach wie vor würden diese Erreger oft unterschätzt: „Man sollte im Falle eines Infekts erst dann wieder Sport treiben, nachdem die Symptome abgeklungen sind. Wenn man Fieber hatte, gilt die Faustregel: Selbst wenn sich die Körpertemperatur wieder normalisiert hat, sollte man noch mindestens fünf Tage lang nicht trainieren. Denn man schwächt durch das Fieber auch das Immunsystem und damit die Abwehrkräfte.“
Daniel Engelbrecht: Ärzte in Stuttgart erkannten meine Herzmuskelentzündung nicht
Irgendwie wollte Engelbrecht damals nicht wahrhaben, in welcher großen Gefahr er schwebte. „Auch deshalb, weil ich nur zwei Tage zuvor beim Herz-Check war. Die Ärzte in Stuttgart haben meine Herzmuskelentzündung nicht erkannt, ich habe sogar direkt danach einen neuen Dreijahresvertrag bei meinem Verein unterschrieben“, erinnert sich Engelbrecht. Letztlich kämpfte sich der Fußballer auf den Platz zurück und krönte sein Comeback mit einem persönlichen Tor für die Ewigkeit: Am 6. Dezember 2014 schoss Engelbrecht den 2:1-Siegtreffer gegen den SV Wehen Wiesbaden in der Nachspielzeit.
Es war sein erstes Pflichtspieltor nach seinem Comeback. „Später habe ich meine Karriere dann allerdings beendet, weil mein Herz die großen Belastungen des Profisports nicht mehr mitmachte.“
Professoren warnen: Auch Freizeitsportler sollten Herzmuskelentzündung nicht unterschätzen
Beim Münchner Sportmedizin-Kongress rieten renommierte Experten wie Halle und seine Kollegen Professor Christian Schmied und Professor Andreas Nieß allen Sportlern dazu, eine Myokarditis gut auszukurieren, bevor sie wieder ins Training zurückkehren. Auch Amateure seien gefährdet. „Ihr Risiko ist nicht geringer als bei den Profis.“ Als Faustregel gilt: Nach der Herzmuskelentzündung sollte man sich mindestens drei Monate schonen.


