Kommentar zum Kracher

Eintracht Frankfurt vor Topspiel gegen FCB: Mit Herz und Haltung

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Alles, was sich Dino Toppmöller mit seinem Team bislang vorgenommen hat, konnten sie umsetzen - jetzt geht gegen Bayern und Bayer. Ein Kommentar.

Frankfurt – Vor der Saison, die auf keinen Fall so düster und zäh wie die letzte werden sollte, umriss der Frankfurter Cheftrainer Dino Toppmöller die Vorgaben für das anstehende Fußballjahr. Die von ihm angeleitete Eintracht solle die Menschen aus dem Sessel reißen, „wir erhoffen uns mehr Spektakel, wir wollen das Stadion mit einer anderen Energie noch mehr elektrisieren.“

Und, ganz klar: „Wir wollen mehr Tore schießen.“ Man kann nach den ersten Wochen, bei aller gebotenen Vorsicht und gerade im Hinblick auf die beiden Knallerspiele gegen Bayern München am Sonntag und nach der Bundesligapause bei Bayer Leverkusen, festhalten: Alles, was sich Toppmöller mit seinem Team vorgenommen hat, konnten sie umsetzen.

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Nach acht Spieltagen hat die Eintracht sechs Siege eingefahren, einen im Pokal, vier in der Bundesliga und einen in der Europa League, am Donnerstagabend sehr abgezockt in dem ohrenbetäubend lauten Hexenkessel am Bosporus bei Besiktas Istanbul, 3:1. Ein rundweg erwachsener, reifer Vortrag.

Und wäre vor zehn Tagen im Heimspiel gegen Viktoria Pilsen nicht mal kurz ein totaler Systemausfall zu beklagen gewesen, die Hessen hätten auch gegen den international allenfalls zweitklassigen Opponenten nicht noch zwei späte Gegentore zum 3:3 kassiert.

Macht auch seine Nebenleute besser: Arthur Theate (rechts).

SGE gegen FCB: Eintracht-Tore wie reife Früchte

Auch die Tore fallen, wie versprochen, wie reife Früchte. In fünf der acht Partien hat die Eintracht mindestens drei Treffer geschossen, allein zehn in den letzten drei Begegnungen. Diese Eintracht macht Spaß, keine Frage, sie hat die Menschen schnell für sich zurückgewonnen, weil sie anderen Fußball spielt als in der drögen Vorsaison, einen mit Willen, Herz und Haltung, mit einer besonderen Widerstandskraft.

Natürlich ist die Offensive das Herz- und Prunkstück. Hugo Ekitiké, zuletzt leicht angeschlagen, ist ein eleganter Ausnahmekönner. Und Omar Marmoush ist in der momentanen Verfassung gar nicht zu stoppen. Man muss kein Prophet sein, um zu prognostizieren, dass dies seine letzte Saison im Eintracht-Trikot sein wird, wenn er auch nur annähernd weiter so performt. Dann wird er am Saisonende einfach nicht zu halten sein, weil die Summe zu astronomisch sein wird.

Deswegen ist Frankfurt so stark: Eintracht-Abwehr klarer und härter

Das ist der Lauf der Dinge und Teil des Geschäfts und, ja, auch Teil des Frankfurter Geschäftsmodells. Aber im Hier und Jetzt verschwendet der Ägypter keinen Gedanken daran, das sieht jeder, er lebt den Verein mit jeder Faser. Andersherum: Die Nestwärme und das in ihn gesteckte Vertrauen macht ihn so stark und so außergewöhnlich.

Und auch hinten steht die Eintracht durch den kantigen Rasmus Kristensen und den bockstarken Arthur Theate anders, klarer, härter, resoluter. Die beiden Neuen, gestandene Profifußballer mit Mentalität und Führungsanspruch, machen auch die Nebenleute besser. Sollten die individuellen Fehlleitungen noch minimiert werden, würde sich das auch in der zweifelsfrei verbesserungswürdigen Gegentorstatistik niederschlagen.

Es lässt sich also gut an, mit der Eintracht scheint zu rechnen, ihr ist einiges zuzutrauen. Auch wenn das nicht zwingend bedeuten muss, dass sie automatisch ganz vorne angreifen oder die Europa League rocken wird. Dazu ist die Saison zu jung, dazu liegen zu viele Unwägbarkeiten auf dem Weg, etwa: Formschwächen, Verarbeitung von Rückschlägen, Verletzungen der Leistungsträger. Zudem müsste die Eintracht generell aktiver werden, mehr Dominanz ausstrahlen. 70 Prozent Ballbesitz für den Gegner, wie phasenweise in Istanbul, ist situativ mal okay, sollte aber nicht die Regel sein. Und nicht jede Woche kann sich die Eintracht auf einen derart überragenden Torwart wie Kaua Santos am Donnerstag in der Türkei verlassen.

Und schon die nächsten beiden Spiele werden echte Gradmesser, Bayern und Bayer – der Lackmustest für die Eintracht. Sie sollte – Stand jetzt – gewappnet sein.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Seskim Photo

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