VonThomas Kilchensteinschließen
Eintracht-Gegner HJK Helsinki kommt als frischgebackener finnischer Meister in den Stadtwald.
Gut 25 Minuten waren den wackeren Kickern von Kuopion PS am vergangenen Samstag noch geblieben, um doch noch Meister zu werden, 25 Minuten, um drei Tore zu schießen. Das hätte gereicht, um eine der größeren Überraschungen im jüngeren finnischen Fußball zu schaffen - und HJK Helsinki, 31-facher Meister und so etwas wie der FC Bayern Finnlands, noch eine lange Nase zu drehen. 2:1 führten die Jungs aus Kuopio, knapp 400 Kilometer nördlich der Hauptstadt gelegen, bei HJK, drei Tore mehr - und sie wären Meister geworden. Doch Helsinki rettete sich in der heimischen Bolt Arena (knapp 11 000 Plätze) ins Ziel, irgendwie routiniert, aber alles andere als souverän. Der 32. Meistertitel war im Sack, der vierte hintereinander. So lässt sich das Abenteuer morgen in Frankfurt gegen die Eintracht in der Conference League (21 Uhr) deutlich entspannter angehen.
Dabei dürfte Trainer Toni Korkeakunnas nicht entgangen sein, dass sein Team, das er erst in der laufenden Saison in diesem Juli von Toni Koskela, dessen Assistent er zuvor war, übernommen hatte, schwächelte. Schon die Partie zuvor in der normalen Veikkausliiga angeschlossenen Meisterrunde bei Vaasan PS setzte HJK in den Sand, 2:3, der scheinbar komfortable Sechs-Punkte-Vorsprung zwei Spieltage vor Schluss schmolz dahin. So musste halt das bessere Torverhältnis den Ausschlag geben zum Happyend.
Die Saison ist somit beendet für Helsingin Jalkapalloklubi (HJK) Helsinki, die sich nun komplett auf ihre internationalen Aufgaben konzentrieren müssen und können. Ihre Saison geht von April bis Oktober, es wird durchgespielt, der finnische Winter ist lang und dunkel. Aber gerade HJK Helsinki, in dessen Reihen auch schon Teemu Pukki, einst Schalke 04, und vor allem Jari Litmanen, der beste und berühmteste finnische Fußballer, standen, hat mit Meisterrunde und insgesamt acht Qualifikationsspielen - gegen Larne FC aus Nordirland, Molde FK aus Norwegen, Qrabag Agdam aus Aserbaidschan und Farul Constanta aus Rumänien - zuletzt ein hartes Programm absolvieren müssen, um als finnischer Meister wenigstens Conference League spielen zu dürfen. Ein Grund für die jüngste Schwächephase?
Denn auch in der Gruppenphase blieben die Hauptstädter ohne Sieg, 2:3 zum Auftakt zu Hause gegen Paok Saloniki, dann 1:1 in Aberdeen. Mutmaßlich dürften die Finnen, als einziger Klub in Europa sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern Rekordmeister, der leichteste Widerpart in dieser Gruppe G sein, ergangenes Jahr schieden sie in der Europa League mit nur einem Punkt, aber fünf Niederlagen schon in der Gruppe aus der Europa League aus. Eine große Nummer ist man nur in der Heimat mit 5,6 Millionen Einwohner:innen. Der Transferwert der ganzen Truppe: acht Millionen Euro, so viel wie der Frankfurter Profi Aurelio Buta allein.
Knipser in blau-weiß
Auffälligster Spieler der weitgehend namenlosen Blau-Weißen ist Bojan Radulovic, ein in Spanien geborener Angreifer mit serbischen Wurzeln - und das nicht wegen seines Gardemaßes von 1,92 Metern. Er ist der Knipser des 1907 gegründeten Klubs, in der Punktrunde hat er in 19 Spielen 15 Tore erzielt, in der sich anschließenden Meisterrunde in fünf Partien weitere drei, dazu einen Treffer in Saloniki und den einen beim 1:1 in Aberdeen. Der 23-Jährige, sein Marktwert liegt bei 450 000 Euro, hat in den letzten zehn Spielen achtmal getroffen. Der Mann, der auch schon bei Brighton in England gespielt hat, bei Espanyol II, Deportivo Alaves, und AIK Solna und seit 2022 sehr verlässlich für Helsinki trifft, hat aktuell einen Lauf.
Ihm legt gerne der 20 Jahre alte Sturmpartner Topi Keskinen auf. Ansonsten sticht Lucas Lingman, ein finnischer Nationalspieler, im Mittelfeld heraus, baut Trainer Korkeakunnas neben einem 3-4-3-System auf Routine. Der Japaner Atomu Tanaka ist 36 Jahre alt, Jukka Raitala sowie Innenverteidiger Joona Toivio sind jeweils 35. Da könnte ein schneller Omar Marmoush Vorteile haben.
