Frauen-EM in der Schweiz

Alisha Lehmann und die grenzwertige Selbstinszenierung

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Alisha Lehmann muss als reichweitenstärkste Fußballerin der Welt um ihren EM-Platz zittern. Bei der Kadernominierung trifft Nationaltrainerin Pia Sundhage eine Grundsatzentscheidung.

Frankfurt – Wenn jemand im Frauenfußball die Selbstinszenierung auf die Spitze getrieben hat, dann sicher Alisha Lehmann. Ein Name, der auf Social Media längst wie ein Magnet wirkt. Mit ihren 16,7 Millionen Followern auf Instagram und weiteren zwölf Millionen bei TikTok ist die Schweizer Nationalspielerin die reichweitenstärkste Akteurin der Welt.

DFB-Stars entspannen vor EM im Urlaub am Strand und in der Sonne

Im eleganten Kleid grüßt Jule Brand aus dem Urlaub – das Foto entstand auf der Ferieninsel Ibiza
Im eleganten Kleid grüßt Jule Brand aus dem Urlaub – das Foto entstand auf der Ferieninsel Ibiza. © Instagram @jule_brand
Dort hat es sich die 22-Jährige offenbar so richtig gut gehen lassen. „Recharged“ schreibt sie zu ihren Schnappschüssen aus dem Urlaub.
Dort hat es sich die 22-Jährige offenbar so richtig gut gehen lassen. „Recharged“ schreibt sie zu ihren Schnappschüssen aus dem Urlaub. © Instagram @jule_brand
Selina Cerci zog es zum Entspannen nach Formentera, die kleinste der Baleareninseln. Die Kulisse hielt sie sogleich mit der Kamera fest.
Selina Cerci zog es zum Entspannen nach Formentera, die kleinste der Baleareninseln. Die Kulisse hielt sie sogleich mit der Kamera fest. © Instagram @selinacerci
Linda Dallmann verweilt unterdessen am Strand. Passenderweise unterschreibt sie das Urlaubsfoto mit „abschalten und aufladen“.
Linda Dallmann verweilt unterdessen am Strand. Passenderweise unterschreibt sie das Urlaubsfoto mit „abschalten und aufladen“. © Instagram @dallmannlinda
Auch die Kapitänin meldet sich zu Wort: Mit der Gemütslage „in no rush“ teilt Giulia Gwinn einen eindrucksvollen Ausblick aufs Meer.
Auch die Kapitänin meldet sich zu Wort: Mit der Gemütslage „in no rush“ teilt Giulia Gwinn einen eindrucksvollen Ausblick aufs Meer. © Instagram @giuliagwinn
Wenige Tage später gab es vom Bayern-Star nochmal ein kleines Update aus dem Mykonos-Urlaub.
Wenige Tage später gab es vom Bayern-Star nochmal ein kleines Update aus dem Mykonos-Urlaub. © Instagram @giuliagwinn
Für Stina Johannes ging es bereits vor der Nations League nach Kreta. Offenbar lässt sich die Insel auch gut per Fahrrad erkunden.
Für Stina Johannes ging es bereits vor der Nations League nach Kreta. Offenbar lässt sich die Insel auch gut per Fahrrad erkunden. © Instagram @stinajohannes
Das Urlaubsziel Kreta scheint sich im Kreis der Mannschaft herumzusprechen – auch Sjoeke Nüsken verbringt ein paar freie Tage in Griechenland, bevor die EM beginnt.
Das Urlaubsziel Kreta scheint sich im Kreis der Mannschaft herumzusprechen – auch Sjoeke Nüsken verbringt ein paar freie Tage in Griechenland, bevor die EM beginnt. © Instagram @sjo_nue
Sara Däbritz zog es für ihren Urlaub vor der Europameisterschaft hingegen nach Italien.
Sara Däbritz zog es für ihren Urlaub vor der Europameisterschaft hingegen nach Italien. © Instagram @sara.daebritz13
Lena Oberdorf ist bei der EM zwar nicht dabei, muss im Urlaub aber dennoch nicht auf DFB-Kolleginnen verzichten. Auf Ibiza entstand dieser Fahrstuhl-Schnappschuss mit Lea Schüller.
Bei der EM ist Lena Oberdorf nicht dabei, dennoch muss sie im Urlaub nicht auf DFB-Kolleginnen verzichten. Auf Ibiza entstand dieser Fahrstuhlschnappschuss mit Lea Schüller © Instagram @lena_oberdorf; @lieblingsspielerfrau
Danach ging es für die Bayern-Spielerin, wie es sich für einen richtigen Urlaub gehört, aber noch an den Pool und für ein entspanntes Abendessen ans Meer.
Danach ging es für die Bayern-Spielerin, wie es sich für einen richtigen Urlaub gehört, aber noch an den Pool und für ein entspanntes Abendessen ans Meer. © Instagram @lena_oberdorf
Auch Lea Schüller gönnt sich vor der Torejagd in der Schweiz ein paar Tage Erholung. Gemeinsam mit der italienischen Kickerin Martina Piemonte verweilt sie auf Ibiza.
Auch Lea Schüller gönnt sich vor der Torejagd in der Schweiz ein paar Tage Erholung. Gemeinsam mit der italienischen Kickerin Martina Piemonte verweilt sie auf Ibiza. © Instagram @leaschueller
Mit von der Partie ist auch hier wieder Nationalmannschafts-Kollegin Lena Oberdorf. Die drei scheinen sich blendend zu verstehen.
Mit von der Partie ist auch hier wieder Nationalmannschafts-Kollegin Lena Oberdorf. Die drei scheinen sich blendend zu verstehen. © Instagram @leaschueller
Elisa Senß nutzt die kurze freie Phase für einen Trip nach Italien. Im Pool und am Meer lässt es sich offenbar auch bei heißen Temperaturen aushalten.
Elisa Senß nutzt die kurze freie Phase für einen Trip nach Italien. Im Pool und am Meer lässt es sich offenbar auch bei heißen Temperaturen aushalten. © Instagram @elisasenss

Wenn sie im Bikini einen Ball jongliert, um ihn dann in einen Pool zu stupsen, sehen sich solch ein Video mehr als 20 Millionen Menschen an. Wenn die 26-Jährige vollbeladen mit drei Handtaschen aus dem Trainingslager kommt, könnte der Betrachter ihrer aktuellsten Bilder auch meinen, es ginge zur nächsten Modemesse. Ausgerechnet die vielleicht prominenteste Figur der kommenden Frauen-EM (2. bis 27. Juli) droht ihren Platz im Kader des Gastgebers zu verlieren. „Erhält Lehmann eine Absage, fehlt nicht einfach eine Fußballerin, sondern ein Phänomen“, urteilte die angesehene „NZZ“.

Nationaltrainerin Pia Sundhage trifft bei der Kaderbekanntgabe ungewollt eine Grundsatzentscheidung. Sollte die 26-Jährige tatsächlich am Montag in Zürich durchs Rüttelsieb rauschen, wird das Wehklagen ihrer Anhängerschaft gewaltig sein. Die 59-fache Schweizer Nationalstürmerin aus Tägertschi im Kanton Bern hat schon vor Jahren die US-Ikone Alex Morgan als Social-Media-Queen überholt. Brancheninsider schätzen, dass jeder Werbepost rund 300.000 Euro wert sein könnte.

Stadion als Laufsteg für Alisha Lehmann

Erst kürzlich merkte die frühere Nationaltorhüterin und Fernsehexpertin Almuth Schult an, dass auch deutsche Nationalspielerinnen mit Sozial-Media-Aktivitäten mehr Geld verdienen als im Verein. Nur nicht ansatzweise in Lehmanns Größenordnung. Wesenskern ihrer Darstellung sind blonde Haaren, dunkle Augenbrauen, lange Fingernägeln und markantes Make-up. Das Stadion ist zumeist der Laufsteg.

Braucht der Frauenfußball wirklich diese Form der Aufmerksamkeit? Die vor Jahrzehnten als Vorkämpferin für Gleichberechtigung aktive Sundhage hatte sich bereits bei der WM 2023 nicht gescheut, Brasiliens Ikone Marta auf die Bank starten zu setzen. Die charismatische 65-Jährige entscheidet in erster Linie nach sportlichen Kriterien.

Pia Sundhage auch unter Druck

Sie hat im Gegensatz zu Bundestrainer Christian Wück einen aufwändigen Castingprozess aufgesetzt: In zwei Trainingslagern in Magglingen und Nottwil waren 35 Spielerinnen dabei, weil die schwedische Weltenbummlerin sehen wollte, wer dem Druck standhält – und wie sich die Gruppe verhält. Braucht es eine Spielerin, die mit dem Smartphone fast geschickter als mit dem Ball hantiert? Ist Lehmann Bereicherung oder Belastung?

Nationaltrainerin Sundhage steht nach acht Länderspielen ohne Sieg unter Druck. Und künstliche Aufmerksamkeit erzeugen, ist beim angeblich größten Sportevent in der Alpenrepublik eigentlich gerade nicht nötig. Lehmann selbst gab sich zuletzt auf Geheiß ihres Managements eher wortkarg. Die Debatten um ihre Person gibt es von ganz allein.

Typische Pose auf dem Platz: Alisha Lehmann.

„Ich bin mittlerweile älter geworden und es ist mir egal. Ich finde die ganze Kritik sogar lustig. Wenn mich jemand für mein Make-up kritisiert, nehme ich halt extra den dunklen Lippenstift, dass sie noch mehr zu reden haben“, verriet sie der Zeitung „20 Minuten“. Wenn sie zur EM mitfährt, dann ohnehin nur als Ergänzungsspielerin. Oder als Blickfang auf der Bank. Bei Juventus Turin ist sie nicht gesetzt, auch wenn ihre Beiträge mitunter einen anderen Eindruck erweckten.

Es gibt Alternativen

Beim krachend verlorenen Freundschaftsspiel gegen die DFB-Elf (0:6) im November vergangenen Jahres gewann die in der Anfangsformation aufgebotene Offensivspielerin im Letzigrund von Zürich kaum einen Zweikampf. Und es ist ja nicht so, dass es keine Alternativen gibt.

Sydney Schertenleib heißt das hoffnungsvollste Talent der Schweiz, das nicht umsonst bereits beim FC Barcelona unter Vertrag steht. Die 18-Jährige mit US-amerikanischen Wurzeln könnte bei der EM im eigenen Land Erfahrungen fürs Leben sammeln. Und das weitgehend ohne Selbstinszenierung.  

Rubriklistenbild: © IMAGO/elyxandro cegarra

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