Eintracht siegt in Hoffenheim

Eintracht-Zocker im Aufwind

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Ab durch die Mitte: Omar Marmoush profitiert von einem Hoffenheimer Missverständnis, 1:1. imago images
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    Ingo Durstewitz
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Frankfurter Offensivtrio Knauff, Chaibi und Marmoush zeigt beste Angriffsleistung der Saison.

Gebe es eine Auszeichnung für die fadeste Finte der Saison, etwa für einen Übersteiger im Zeitlupentempo, Jessic Ngankam, der Berliner Junge in Diensten des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt, würde ein gewichtiges Wort mitreden um den Award. Gerade zwei Minuten nach seiner Einwechslung, die 77., stand er da gut positioniert im Hoffenheimer Sechzehner. Halbrechts, lediglich Florian Grillitsch vor sich. Und Ngankam versuchte es vermeintlich raffiniert, das rechte Bein rüber um den Ball, doch eben im Schneckentempo, weshalb ihm der Hoffenheimer Defensive die Kugel vom Fuß nahm und davon brauste. Chance verpufft.

Überhaupt verpufften in der Schlussphase so ziemlich alle Frankfurter Offensivbemühungen, was auch am erneut erstaunlich schwachen Ngankam, aber nicht nur an diesem lag. Auch die beiden anderen eingewechselten Profis, Jens-Petter Hauge und Eric Dina Ebimbe, konnte nicht heranreichen an ihre Vorarbeiter. Ein offensichtliches Downgrade.

Verändertes System hilft

Die erste Offensivgarde, angeführt vom starken Omar Marmoush, flankiert von den kaum weniger auffälligen Fares Chaibi und Ansgar Knauff, zeigte in Sinsheim den besten Frankfurter Angriffsauftritt der bisherigen Saison. Gerade in der ersten Hälfte wirbelte das Trio die teils überforderte Hoffenheimer Dreierkette auseinander. Laufstark, listig, leichtfüßig kreierten die Gästespieler immer wieder gefährliche Situationen, nach nicht mal drei Minuten hatten Knauff und Marmoush den Kollegen Chaibi in einer gute Schussposition gebracht. Und so ging es weiter, trotz des prompt folgenden Rückstands.

Es war nur folgerichtig, dass Marmoush den Ausgleich erzielte und Knauff das 2:1 auf Vorlage von Chaibi, der auch den Assist zum 3:1-Endstand lieferte. „Wir haben gesehen, dass sich die harte Arbeit lohnt“, sagte ein überglücklicher Ansgar Knauff, der als Halbstürmer am linken Flügel eine Position spielen durfte, „die mir gelegen kommt, weil wir viele Aktionen nach vorne haben.“ Und weil er nicht mehr als alleiniger Schienenspieler zusätzlich die Hauptlast der Abwehrarbeit tragen muss. Das hilft ihm, das hilft ebenso Aurelio Buta auf der rechten Seite, das stärkt alles in allem das Selbstvertrauen der Offensiven und deren Kombinationssicherheit.

Gerade Chaibi, für zehn Millionen Euro verpflichtet aus Toulouse und bisher durchwachsen unterwegs, verdeutlichte, was die Verantwortlichen in ihm sehen. Einen feinen Techniker, der den letzten Pass spielen kann. Der Algerier, erst 20 Jahre alt, kam in Sinsheim auf eine Passquote von 76 Prozent. Sehr ordentlich für einen Offensivspieler, der das Risiko sucht. „Bei Fares haben wir immer gesagt, dass er in seine Rolle hineinwachsen muss“, sagte Trainer Dino Toppmöller.

Die Connection stimmt

Hineingewachsen in seine Rolle als Stürmer Nummer eins, für die er nicht vorgesehen war, ist Omar Marmoush schon etwas länger. Der ablösefreie Zugang vom VfL Wolfsburg macht seit Saisonbeginn den unübersehbaren Eindruck, richtig Bock auf die Eintracht zu haben. Am Engagement mangelte es ihm nie im Frankfurter Trikot, eher an der nötigen Qualität im Torabschluss. Da bolzte einer die Kugel doch ab und an zu unüberlegt auf des Gegners Kasten. Mittlerweile hat sich das verbessert, auch weil Trainer Toppmöller ihn explizit auf das Defizit hinwies und den Stürmer aufforderte, doch künftig zielgerichteter zu vollenden, eine Idee zu entwickeln vor dem Schuss und diese durchzuziehen.

Marmoush steht bei wettbewerbsübergreifend fünf Treffern und ist erfolgreichster Frankfurter Torschütze. In der Liga haben lediglich er und Ansgar Knauff bisher doppelt getroffen. Die Jungs, so Toppmöller, hätten vorne „eine gute Connection“, gerade Chaibi und Marmoush hält er für „zwei Instinktfußballer“, Zocker am Ball also, die gute Fußballer sind.

Freilich werden sie an ihrer Konstanz arbeiten müssen, wird es Rückschläge geben. Der Weg zu eiskalten Knipsern ist ein sehr weiter. Vorerst aber scheint sich das Trio festgespielt zu haben, hat sich weiteres Vertrauen verdient. Was das alles für einen Spieler wie Mario Götze, den Zweifachpapa, in naher Zukunft bedeutet, ist dann ein anderes Thema.

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