Ellyes Skhiri

Eintracht Frankfurt: Riskantes Spiel im Mittelfeld

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Ellyes Skhiri am Boden, ein Bild mit Symbolcharakter? So weit ist es nicht, doch der Eintracht-Spieler muss sich berappeln.
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Ellyes Skhiri kommt nicht auf Touren, weshalb Eintracht Frankfurt eigentlich handeln müsste.

Als der Ball dann mit einem unverschämten Karacho im Eintracht-Gehäuse eingeschlagen war, hob der Frankfurter Mittelfeldmann Ellyes Skhiri mal eben kurz die Hände zum Himmel. Eine typische Bewegung des Unglaubens, nach dem Motto: „Das kann doch jetzt nicht wahr sein.“ War es aber doch. Es war das 1:0 für Borussia Dortmund zum Auftakt der Bundesligasaison, dieser Knaller von Jamie Gittens, der Türöffner, ganz klar, und die Vorentscheidung, die auf der anderen Seite nicht mal eine Minute zuvor Fares Chaibi für die Eintracht vergab. Aber warum eigentlich Zeter und Mordio schreien, Herr Skhiri?

Denn natürlich war es der tunesische Nationalspieler höchstselbst, der diesen Treffer und also die folgende Niederlage hätte verhindern können. Nur wenige Sekunden vor Gittens Alleingang samt fulminantem Abschluss verpasste er es nämlich, nach innen einzurücken und dem unter Druck geratenen Rasmus Kristensen zu helfen. Entweder aktiv als Unterstützung im Zweikampf oder zumindest damit, dem Dortmunder Edeltechniker den Schussweg zu versperren. Beides machte er nicht. Dabei ist es die klare Vorgabe von Trainer Dino Toppmöller und auch nicht das große Fußballeinmaleins, sondern eher Basiswissen und logisches Verhalten.

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Denn dass ein Verteidiger mal von einem schnellen und dribbelstarken Spieler wie Gittens ausgespielt werden kann, passiert immer mal. Ausnahmekönner sind nicht immer in Schach zu halten. Und genau deshalb gibt es sogenannte Prinzipien, also Handlungsmuster, die jeder Spieler verinnerlicht haben sollte.

Skhiri aber hielt Sicherheitsabstand und schaute mit angelegten Armen zu, wie der Ball in den Eintracht-Kasten rauschte. Dafür ist er nicht zu verdammen, ein solcher Fauxpas kann passieren – sollte aber besser nicht. Es sind eben genau diese Kleinigkeiten, die den Unterschied machen, die ein Spiel in diese oder jene Richtung kippen lassen. Fares Chaibis Fehlschuss auf der anderen Seite, der die Kugel aus drei Metern am Tor vorbei schoss, gehört genauso in diese Kategorie. Ob es womöglich kein Zufall ist, dass eben jene beiden Eintracht-Spieler die Begegnung entscheidend beeinflussten?

Das wäre unfair und auch nicht richtig, doch sehr wohl fielen diese beiden in Dortmund schon ein wenig ab – gerade was Power, Körpersprache, Spannung und Handlungsschnelligkeit betrifft. Sie machen im Grunde da weiter, wo sie in der Vorsaison aufgehört hatten. Und das ist nicht gut.

Während Fares Chaibi ein feiner Fußballer ist, sich mit gerade einmal 21 Jahren noch entwickeln und auch lernen kann, dass es in der Bundesliga eine andere Haltung und Bereitschaft bedarf, so ist die Kurve bei Skhiri, 29 Jahre alt, 63-facher Nationalspieler, schon bedenklich. Wo ist der Spieler, der in Köln zum besten Mittelfeldmann der Liga avancierte?

Es reicht wenig, um Skhiri aus der Bahn zu werfen

In Frankfurt wirkt Skhiri, als ob er einen schweren Rucksack mit sich trage. Und es reicht wenig, um ihn aus der Bahn zu werfen. In Dortmund etwa schaffte er einen sehr ordentlichen Beginn, wollte unbedingt, machte und tat, doch es reichten ein, zwei unglückliche Aktionen, um ihn wieder zweifeln zu lassen. Anschließend wirkte er wieder belastet, auch gedanklich zu langsam, zuckelte im Einheitstrott übers Feld, die Körpersprache arg verbesserungswürdig. Er spielt ein bisschen so, als sei er aus der Zeit gefallen, als sei sie einfach über ihn hinweggerauscht, der Hochgeschwindigkeitsfußball zu behände für ihn.

Skhiri kann anders, das hat er in Köln bewiesen, aber Köln ist nicht Frankfurt, die Ansprüche bei der Eintracht sind andere, auch die Spielweise ist anders, und vielleicht ist auch der Druck einfach zu groß. Schließlich galt Skhiri vor der letzten Saison schon so ein bisschen als Königstransfer, für fast alle schien klar, dass Eintracht-Sportchef Markus Krösche da ein echter Coup gelungen war, Skhiri sollte der Anker im Eintracht-Spiel werden.

Der ablösefreie Wechsel war in erster Linie schlecht für den 1. FC Köln, bei dem Skhiri Publikumsliebling war, der den Weggang auch nie kompensieren konnte und prompt abstieg. Aber ablösefreie Wechsel sind immer gut für die Spieler und deren Portemonnaie. Skhiri stieg in Frankfurt zum Besserverdiener auf. Doch all das kann auch eine Bürde für den Spieler sein, der ohnehin ein leiser Vertreter ist, sensibel und nachdenklich, er nimmt sich vieles zu Herzen. Erst recht seine eigenen Vorstellungen, denen er in der vergangenen Spielzeit nur fünf von zehn Punkten geben würde, wie er sagte. Die Frage: Bekommt er noch mal die Kurve? Schafft er den Turnaround? Seriös ist das nicht zu beantworten.

Der Eintracht-Sportführung sollten die Leistungen des Akteurs aber sehr wohl zu denken geben, denn die Sechserposition ist eine eminent wichtige; Sportboss Krösche bezeichnet das zentrale Mittelfeld als Herzstück. Und wenn es nicht funktioniert?

Die Verantwortlichen hatten gehofft, dass Skhiri in der neuen Saison ein anderes Gesicht zeigen würde. Sieht derzeit aber nicht so aus. Daher ist es ein äußerst riskantes Spiel von Markus Krösche, auf dieser Position nicht mehr nachzulegen. Das sollte er sich bis Freitag noch mal überlegen, auch wenn die Zeit nun natürlich extrem drängt. Doch eigentlich müssten jetzt die Alarmglocken schrillen.

Es ist zwar löblich, dass Krösche den Entwicklungsprozess der jungen und talentierten Spieler wie etwa Oscar Hojlund nicht blockieren will. Doch der Manager muss auch den hohen Ambitionen und den gestiegenen Ansprüchen bei der Eintracht gerecht werden und alles tun, um den Erfolg nicht zu gefährden. Mondpreise wie bei Valencias Pepelu (Forderung 20 Millionen Euro) wird er zwar nicht bezahlen, aber einfach nur zu hoffen, dass sich Skhiri schon irgendwann fangen wird, kann auch keine Lösung sein.

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