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Eintracht Frankfurt: Lisztes und der Feinschliff in der Heimat

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Einer für die Zukunft: Krisztian Lisztes.
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Eintracht Frankfurt will vom alten nichts mehr wissen und sucht lieber neue Kolo Muanis: Hat Krisztian Lisztes das Zeug dazu?

Wenn die gerupfte deutsche Nationalmannschaft am Dienstag in Dortmund auf die stolze Equipe Tricolore trifft, dann ist das für die Verantwortlichen der Frankfurter Eintracht, selbst im Fernsehsessel und aus sicherer Entfernung, noch mal so etwas wie ein Treffen mit der eigenen Vergangenheit. Denn für die Franzosen wird mit einiger Sicherheit ein Spieler von Beginn an stürmen, der sein letztes Pflichtspiel noch für den hessischen Bundesligisten bestritten hat, 1:1 in Mainz, ehe er sich dazu entschied, seinen Dienst einzustellen und sich in seine Heimatstadt zu streiken. Ein schäbiges Verhalten. Es geht, logisch, um Randal Kolo Muani.

Nun gut, die Geschichte ist so gut wie auserzählt, die Eintracht hat 95 Millionen kassiert, der Angreifer seinen Willen durchgesetzt und dieser Tage noch mal mit der markigen Aussage aufhorchen lasse: „Seit meiner Kindheit liebe ich PSG. Ich bin bereit, für dieses Trikot zu sterben.“ Klare Sache.

Persona non grata

In Frankfurt rollen sie ob solcher Aussagen nur mit den Augen. Am Main ist der Franzose zur Persona non grata ernannt worden. Sportvorstand Markus Krösche ist bitterlich enttäuscht von Kolo Muani, dessen angebliche Charakterstärke er stets gepriesen hatte und nun einsehen musste, wie er sich getäuscht hat. Die Eintracht hat das Kapitel geschlossen. Pressesprecher Bartosz Niedzwiedzki grätschte unlängst dazwischen, als Trainer Dino Toppmöller noch mal zum abtrünnigen Stürmer befragt wurde. „Ich würde sagen, dass wir die Kolo-Thematik ad acta legen. Es ist einfach mal gut.“

So ähnlich sieht es auch Torwart Kevin Trapp, der ihn ja am Dienstag in Dortmund persönlich trifft, aber gar nicht weiß, was er mit ihm großartig besprechen sollte. „Das Thema ist durch.“ Der Stürmerstar ist Vergangenheit, und der Klub bastelt weiter eifrig an der Zukunft. Das Ziel, klar: Möglichst neue Kolo Muanis entdecken.

Krisztian Lisztes, der Sohn des gleichnamigen früheren Bundesligaspielers (Stuttgart, Bremen, Mönchengladbach), könnte solch ein Rohdiamant sein, der nach dem nötigen Schliff dem Verein sportlich helfen und ihn dann gegebenenfalls eines Tages für viel Geld wieder verlassen könnte. Doch das ist Zukunftsmusik, der 18 Jahre alte Offensivspieler ist ja nicht mal da und wird erst in einem knappen Jahr erwartet.

Bis zu zehn Millionen teuer

So lange bleibt er noch in seiner ungarischen Heimat bei seinem Stammverein Ferencvaros Budapest, mit dem er in diesem Jahr den 34. Meistertitel errang. Hierzu steuerte der technisch versierte Akteur in der Rückrunde von April bis Mai in neun Einsätzen fünf Treffer bei. Vom ungarischen Fußballverband wurde Lisztes, der schon mit 17 Jahren und acht Tagen in der ersten Liga debütierte, sogleich als „Entdeckung des Jahres“ ausgezeichnet.

Die Eintracht hat sich die Dienste des Kreativkopfs einiges kosten lassen. Im Sockel 4,5 Millionen Euro, und die Summe kann, wie der stets gut unterrichtete Transfermarktexperte Fabrizio Romano berichtete, sogar bis auf zehn Millionen ansteigen. Der ungarische Rekordmeister kassiert demnach für jeden Einsatz in dieser Saison noch ab.

Der Plan dahinter ist klar: Die Eintracht will in einem Jahr einen Spieler begrüßen, der voll im Saft und eine ganze Saison Wettkampfpraxis in den Knochen hat; zumal Ferencvaros auch in der Conference League vertreten ist. In der aktuellen Saison kommt er bisher nicht über die Rolle des Ergänzungsspielers hinaus, bei neun Einsätzen (zwei Tore) stand er nur zweimal in der Startformation.

Lisztes ist ein flexibel einsetzbarer Spieler mit Torriecher, kann auf den Flügeln, hinter der Spitze oder im Sturm spielen. Der junge Mann war begehrt. Manchester City, AC Mailand, Juve, Dortmund und Mönchengladbach waren interessiert, doch die Frankfurter erhielten den Zuschlag. Das „Projekt Eintracht“ zieht mittlerweile in ganz Europa.

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