Kommentar

Klub-WM: Infantinos Handschrift und Inschrift

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Alleinherrscher: Gianni Infantino.
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Die Klub-WM wird zur One-Man-Show von Fifa-Präsident Gianni Infantino - und trotzdem geht sein Plan in dem Zirkus voller Kuriositäten auf. Denn die Kohle fließt und die Teams werden liefern. Ein Kommentar.

Es ist ein kleines Detail. Man könnte es als Kuriosität abtun. Gianni Infantino, Fifa-Präsident und damit für die Klub-WM verantwortlich, hat seinen Namen in die mit 24 Karat Gold beschichtete und vom New Yorker Luxusjuwelier gestaltete Klub-WM-Trophäe eingravieren lassen. Gleich zweimal.

Einmal steht da, in einer Ode an sich selbst, dass wir alle Zeugen eines neuen Zeitalters seien. Des goldenen Zeitalters des Klubfußballs. Denn die Klub-WM, von sieben auf 32 Teams aufgestockt, sei der Höhepunkt aller Vereinswettbewerbe und – natürlich – „inspiriert durch den Fifa-Präsidenten Gianni Infantion“. Und dann steht da noch: „Gianni unser im Himmel, geheiligt werde dein...“ Okay, okay ... der letzte Satz steht nicht in der Trophäe, der war ausgedacht, aber dieses geschwollene Gekritzel zeigt einmal mehr, was sich in anderen Governance-Fragen schon so zahlreich gezeigt hat: Gianni Infantino ist in der Fifa mittlerweile Alleinherrscher auf so vielen Ebenen. Und seine neuste Idee ist diese Klub-WM.

Der Hauptgrund seiner Begeisterung für den Wettbewerb ist, na klar, die Kohle. Beim Fifa-Kongress in Kigali, Ruanda, sagte er: „Wir versprechen für den nächsten Vier-Jahres-Zyklus Rekordeinnahmen von elf Milliarden US-Dollar. Die neue Klub-WM ist in dieser Zahl nicht enthalten, sodass sie um ein paar Milliarden steigen könnte.“ Er verspricht sich also ein „paar Milliarden“ vom Wettbewerb, der das goldene Zeitalter des Klubfußballs einläutet.

Und wenn er mit Klubfußball nur die 32 Klubs meint, die sich für die Klub-WM qualifiziert haben (nur Inter Miami mit Lionel Messi musste sich nicht qualifizieren, die wurden kurzerhand als US-Vertreter in den Wettbewerb geschoben, wohl, so die fiese Vermutung vieler, weil Messi sich gut vermarkten lässt), na ja, wenn er nur diese elitäre Kaste an Klubs meint, dann stimmt das mit dem goldenen Zeitalter sogar. Denn die Fifa hat den Klubs jeweils mindestens 50 Millionen US-Dollar für die Teilnahme in Aussicht gestellt. Ein Geldregen, ein Goldregen.

Eine Milliarde für die Rechte

Kein Wunder also, dass Vertreter der beiden deutschen Klubs, die vom 15. Juni bis zum 13. Juli 2025 in den USA mitkicken werden, den Wettbewerb (trotz der massiven Überbelastung der eigenen Spieler) gar nicht schlecht finden. Bayern-Boss Jan-Christian Dreesen versicherte, dass die Münchener die Klub-WM „supporten“. BVB-Boss Hans-Joachim Watzke sagte gar: „Dieses Turnier wird durch die Decke gehen.“

Viele große Versprechen und gesegnete Prophezeiungen für ein Turnier, bei dem lange vieles ungeklärt war. Wer es überhaupt überträgt, war bis Mittwoch unklar. Die Fifa, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“, geriet über dieses Desinteresse sogar schon ein bisschen in Not. Doch dann die Verkündung: Die Plattform Dazn hat die Klub-WM-Rechte erworben und zahlt laut „Bild“ eine Milliarde US-Dollar. Ein Haufen Geld, aber nur ein Viertel des Betrags, den die Fifa ursprünglich mal angepeilt hatte. Gefallen dürfte der Fifa aber, dass der Streamingdienst alle Spiele kostenlos zeigen wird. Der Breitenwirkung des Wettbewerbs wird das sicherlich zugutekommen.

Der Deal mit Dazn ist auch deshalb brisant, da die Nachrichtenagentur Reuters kürzlich berichtet hatte, dass der saudische Staatsfond PIF daran interessiert sei, bei Dazn einzusteigen. Die kolportierte Summe: eine Milliarde US-Dollar für zehn Prozent der Anteile. Also genau die Summe, die Dazn nun wohl für die Übertragungsrechte gezahlt hat.

Das Problem, die versprochenen Startgelder auch zahlen zu können, ist für Infantino und die Fifa damit wohl gelöst. Denn auch die Suche nach Sponsoren, die ohne Übertragungssicherheit schleppend verlief, dürfte nun deutlich leichter fallen. Wahrscheinlich geht Infantinos Plan also wieder mal auf.

Und auch wenn der Wettbewerb in Deutschland sicherlich nicht viel populärer sein wird als Infatinos Frisurenvetter Olaf Scholz, könnte das weltweit, vor allem in den asiatischen und südamerikanischen Märkten, anders aussehen. Das Messen mit den europäischen Spitzenmannschaften wird dort sicherlich Interesse regen. Voraussetzung dafür: dass die Mannschaften in Topbesetzung auflaufen.

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