Bundesliga

Eintracht-Boss Krösche: „Wir wollen international spielen“

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Blickt optimistisch in die Zukunft: Markus Krösche.
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Der Eintracht-Sportvorstand formuliert hohe Ziele und wirbt offensiv für den neuen Trainer Dino Toppmöller: „Eine Riesenchance – für ihn und für uns“

Ein großer Familienurlaub war für den Frankfurter Sportvorstand Markus Krösche in diesem Sommer nicht drin. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn die Arbeit eines professionellen Fußballmanagers auf höchstem Niveau beginnt dann, wenn die Arbeit der von ihm verpflichteten Spielern zu Ende ist: in der Sommerpause. Die Sportliche Leitung plant in dieser Zeit die Zukunft des Vereins, verhandelt, pokert, verkauft und kauft. Alles unter Hochdruck, irgendwie. Manchmal aber auch nicht.

Für den 42 Jahre alten Eintracht-Sportboss reichte es immerhin für ein paar Tage Ferien zu Hause im ostwestfälischen Paderborn. In Nordrhein-Westfalen pausiert die Schule bereits seit fast zwei Wochen, weshalb der vielbeschäftigte Manager ab und an ein bisschen Freizeit mit der Frau und den beiden Töchtern verbringen konnte. Heutzutage lässt sich die Arbeit ja auch von zu Hause erledigen, Laptop, Tablet und Handy sind immer am Start. Und nach Frankfurt ist es zwar kein Katzensprung, aber sein Büro im Stadtwald erreicht Krösche in weniger als drei Stunden. Er ist immer da, wenn es brennt. Zurzeit brennt es nicht.

Mann der klaren Worte

Trotzdem wird er seine Präsenz in Frankfurt so langsam wieder deutlich erhöhen, in dieser Woche startet die Eintracht mit einigen Medienterminen, am Freitag folgt die große Vorstellung des neuen Trainers Dino Toppmöller, drei Tage später beginnt offiziell die Vorbereitung auf die neue Saison, die zurzeit so ein bisschen Wundertütenpotenzial in sich birgt: Wie stark ist das Team? Wie passt der neue Trainer? Was wird aus Superstar Kolo Muani, was aus Jesper Lindström? Wer kommt noch, wer geht? Und: Was ist überhaupt drin für die Eintracht? Sportvorstand Markus Krösche ist keiner, der tiefstapelt, der den Verein kleiner macht, als er ist. Die Stoßrichtung gibt er klar vor. „Wir wollen international spielen. Das ist unser Ziel“, sagt der Sportboss voller Überzeugung.

Der Ex-Profi legt die Latte hoch, benennt die Ambitionen deutlich. Auch im Winter schon, als die Eintracht von einem Champions-League-Platz grüßte, ging er in die Vollen. „Wir wollen Rang vier mit aller Macht verteidigen“, bedeutete er und verstand gar nicht, dass das manch einer für anmaßend hielt. „Was soll ich denn sagen? Dass wir schlechter werden und am Ende Sechster werden wollen?“, fragte er einigermaßen verblüfft. Eine nachvollziehbare Haltung des ehrgeizigen Machers. Am Ende, man weiß es, wurde es aber nicht mal Platz sechs, sondern mit Ach und Krach Rang sieben, die Conference League. Das wurmte ihn immens. Aber besser als gar nix.

Krösche gibt trotzdem auch jetzt wieder hohe Ziele aus. „Ich bin ein Freund davon, Dinge klar zu formulieren. Das habe ich auch letztes Jahr gemacht. Und es ist fast alles eingetreten: Wir sind in der Champions League ins Achtelfinale gekommen, sehr weit im Pokal, bis ins Endspiel. Und über die Liga haben wir uns für einen internationalen Platz qualifiziert. Wir verstecken uns da nicht.“

Und so gar nicht verstehen kann er, dass es Menschen im Umfeld des Vereins gibt, die es mutig nennen, die sportlichen Geschicke in die Hände des vergleichsweise unbeleckten Dino Toppmöller zu legen, der die gewiss nicht leichte Aufgabe hat, die große Fußstapfen von Erfolgstrainer Oliver Glasner auszufüllen. Und der auf diesem Niveau zwar Erfahrung als zweiter Mann hinter Julian Nagelsmann bei den Bayern und in Leipzig vorzuweisen hat, aber noch nicht für eine Mannschaft in einer großen Liga verantwortlich zeichnete. „Warum sollte es ein Risiko sein? Weil er noch nie Cheftrainer in der Bundesliga war?“, fragt Krösche rhetorisch und konkretisiert: „Darum geht es doch nicht. Es geht um Qualitäten und Fähigkeiten. Und die hat Dino. Erfahrungen wird er auf seinem Weg sammeln, und natürlich wird auch nicht alles funktionieren. Aber es geht um die grundsätzliche Eignung. Und da ist es unerheblich, ob er schon Bundesliga trainiert hat oder nicht. Ich sehe es als Riesenchance – für ihn und für uns.“

Ruhe ist eingekehrt

Der 42-jährige Chefcoach soll das Team weiterentwickeln, es flexibler und unberechenbarer machen. „Wir wollen als Mannschaft den nächsten Schritt gehen“, präzisiert Krösche. „Da geht es nicht nur um Ballbesitz oder Umschalten. Wir wollen alle Phasen beherrschen, wir wollen uns auch spielerisch befreien und aufbauen, wenn wir attackiert werden. Wir wollen in allen Phasen des Spiels Lösungen haben.“ Das hat unter Oliver Glasner nur eine Zeitlang geklappt, als der Plan dekodiert war, freilich nicht mehr. Und nun? Man wird sehen.

Ein Faustpfand ist für den Vorstand die wieder eingekehrte Ruhe im Verein, die auch dem neuen Coach den Einstieg erleichtern soll. Es gibt keine Nebengeräusche mehr, die Unruhe rund um Glasner ist verpufft, die Zukunft von Vorstandssprecher Axel Hellmann geklärt, und Krösche selbst, durchaus umworben auf dem Markt, hat sich klar zur Eintracht bekannt. „Es gibt keine Unklarheiten mehr, das ist das Wichtigste. Entscheidungen müssen getroffen werden, und sie sind getroffen worden“, sagt der Manager. „Von daher bin ich sehr zuversichtlich, dass wir eine gute Saison spielen werden.“

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