VonJan Christian Müllerschließen
Der Verkauf eines Teils der Medienrechte an einen Investmentfonds ist eine Chance. Das bezweifelt niemand. Aber der Deal verspricht, eine teuer bezahlte Chance zu werden. Zu teuer?
Als das ursprünglich geplante Investorenmodell für die beiden Fußball-Bundesligen im Frühjahr abgelehnt wurde, hatten sich von 36 Vereinen statt der notwendigen 24 nur 20 Unterstützer gefunden. Zu wenig für die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit. Die ist jetzt mit Ach und Krach mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner von genau 24 erforderlichen Stimmen hergestellt worden. Die emsigen Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga, Steffen Merkel und Marc Lenz, haben somit ein Handlungsmandat übertragen bekommen. Und auch, wenn die beiden DFL-Bosse das knappste aller möglichen Ergebnisse als sehr gute Grundlage für Verhandlungen mit einem Private Equity-Unternehmen verkaufen: Überzeugend geht anders.
Überzeugend wäre es überhaupt nur gewesen, wenn die Fußball-Bundesligisten binnen der vergangenen zwei Jahrzehnte, als die Einnahmen sich fast vervierfacht haben, so weitsichtig verhalten hätten, dass sie Zukunftsinvestitionen aus der eigenen Tasche finanzieren könnten. Dazu sind aber nur die wenigsten Klubs in der Lage. Zu sehr auf Kante genäht sind die Gewinn- und Verlustrechnungen Spieljahr für Spieljahr. Zu wenig Fett haben sich die meisten Bundesligisten trotz der bis zum Ausbruch der Coronapandemie explodierende Umsätze angefressen.
Der deutsche Lizenzfußball hat nicht mit ganzen Füllhörnern an Eigenlob für seine im Vergleich zum Ausland vorgeblich vorbildliche Finanzdisziplin gespart. Wahr ist aber: Nahezu jeder zusätzliche Euro, den die Mitte des vergangenen Jahrzehnts um 80 Prozent gestiegenen Medieneinnahmen einbrachten, wurde vielerorts postwendend ins kickende Personal gesteckt. Zudem kassieren viele Vorstände und Direktoren vor allem in Relation zu den Umsätzen ihrer mehrheitlich ja bloß mittelständischen Betriebe viel zu viel.
So steht man nun da und verbandelt sich wohl oder übel mit einem Investmentfonds, um sich für die digitalen Herausforderungen der Zukunft zu wappnen - und zahlt dafür entsprechend. Und zwar spürbar mehr, als man im Mai bereit war zu zahlen. Das hat Union Berlin sicher nicht ganz grundlos vorgetragen: Statt umgerechnet 176 Millionen Euro für ein Prozent der Medienrechte der DFL über 20 Jahre hinweg - wie im Mai geplant - muss ein strategischer Partner aus der Finanzbranche im Dezember nur 112 Millionen Euro berappen. Das ist eine hübsche Verbilligung, die mit dem gestiegenen Zinsniveau, dem geringen Mitspracherecht eines Investors und dem um die Hälfte geschrumpften Finanzbedarf zusammenhängt.
Denn statt zwei Milliarden Euro wie noch im Mai werden nun nur 950 Millionen Euro eingesammelt. An die Klubs wird also mehr als eine Milliarde Euro weniger verteilt als seinerzeit geplant. Wahrscheinlich ist das besser so. Das frische Kapital wäre in der Regel in Gehälter geflossen - von Spielern, Beratern und der Vorstands- und Direktorenebene. Stattdessen soll nun ein top-modernes digitales Bundesligaprodukt aufgelegt werden. Dass das eine Chance ist, bezweifelt niemand. Aber es verspricht, eine teuer bezahlte Chance zu werden.
