Bayern-Boss nach erneuter Kane-Gala begeistert: „Wir hätten noch mehr bezahlt“
VonHanna Raif
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Manuel Bonke
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Nach dem 2:1 gegen Borussia Dortmund sagt Harry Kane: „Das war eines der besten Spiele meiner Karriere“ – ist er sogar mehr wert als 100 Mio. Euro?
München – Auch wenn er es nicht aussprach: Die Genugtuung stand Jan-Christian Dreesen ins Gesicht geschrieben. „Es ist eine Freude“, sagte der CEO des FC Bayern immerhin, als er nach dem 2:1 (1:0) des FC Bayern im Topspiel gegen Borussia Dortmund die Leistung von Harry Kane bewerten sollte, und fügte schmunzelnd hinzu: „Wenn uns einer gesagt hätte, dass Harry von Saison zu Saison besser wird, dann hätten wir wahrscheinlich noch mehr bezahlt.“
In der Tat: Die 100 Millionen Euro, die die Bayern 2023 an Tottenham überwiesen haben, erscheinen angesichts des anhaltenden Leistungshochs des 32-Jährigen im internationalen Vergleich fast wenig. Und Kane verschaffen die Worte des Bosses mit Blick auf die anstehenden Vertragsgespräche auch nicht unbedingt eine schwächere Position.
Neuer Vertrag? Lieber erstmal Fußball spielen
Natürlich musste auch der Matchwinner lachen, als er auf die Aussagen angesprochen wurde. „Eine gute Antwort“, sagte Kane, stellte aber klar: „Wir haben keine Eile und sind alle geduldig.“ Jedem ist bewusst, dass der Vertrag des derzeit wichtigsten Mannes im Kader von Vincent Kompany 2027 ausläuft, und jedem ist auch bewusst, dass man die Zusammenarbeit nicht in eineinhalb Jahren beenden will. Und trotzdem sei es das Beste, sagte Dreesen, wenn „Harry sich aufs Fußballspielen konzentriert – denn das freut uns alle“.
Er hatte Recht. Von der Ehrenloge und der Fankurve bis aufs Feld der mit 75 000 Fans gefüllten Allianz Arena konnte man an diesem Samstagabend nur staunende Gesichter sehen. „Herausragend“ spiele Kane derzeit, sagte Dreesen, der sonst gerne bescheidene Torjäger sagte sogar: „Das war eines der besten Spiele meiner Karriere.“
FC Bayern schlägt BVB – Superstar staubt Note 1 ab, Neuzugang kassiert die 5
Dass ihm sein 400. Pflichtspiel-Tor auf Vereinsebene gelungen war und er das 2:0 mit einem Zucker-Pass vorbereitet hatte, war das Eine. Dass er aber darüber hinaus als Zehner, Achter, Sechser oder was und wo auch immer geglänzt hatte, untermauerte seine Stellung als bester Stürmer in Europa. Max Eberl fasste treffend zusammen: „Das ist einfach ein Leader.“ Wie er sich „in den Dienst der Mannschaft“ stelle: „Herausragend!“
Die von den Statistikern notierten Werte unterstützten die Worte des Sportvorstands. Denn von den 70 für Kane verzeichneten Ballkontakten fanden lediglich drei im Strafraum des BVB statt, zudem spielte er 48 Pässe. Auch wenn das „Box-to-Box“-Spiel herausfordernd sei, sagte der von den Fans für diverse Abwehraktionen gefeierte Engländer: „Ich fühle mich wohl dabei. Physisch und psychisch bin ich auf dem besten Niveau meiner Karriere.“ Das klang nicht nur nach einem Versprechen an die Zukunft, sondern auch nach einem Versprechen auf Titel.
Dass Kane seit dem Gewinn seines ersten Meistertitels nach mehr lechzt, ist kein Geheimnis. Und so wollte er sich im Rausch der eigenen Leistung auch nicht von Negativ-Aspekten aufhalten lassen. Warum er an jeder Interview-Station auf ein angebliches Foul an Serhou Guirassy angesprochen wurde, konnte er nicht nachvollziehen: „Ich verschaffe mir mit meinem Körper Raum. Wenn das ein Foul sein soll, weiß ich nicht, wo das hinführen soll.“
Kovac wütet wegen Schiri-Leistung
Anders sah es BVB-Trainer Niko Kovac, der die Schiedsrichter-Leistung von Bastian Dankert als „wirklich schlecht bezeichnete“ und mit Blick auf den Luftzweikampf vor dem 1:0 und Dankerts „kleinliche“ Linie sagte: „Das Tor hätte zurückgenommen werden müssen.“ Als diese Worte fielen, war Kane längst auf den leeren Rängen der Arena zu finden. Dort feierte er mit Freunden aus England – unter anderem Chelsea-Legende John Terry – seinen nächsten perfekten Abend. Fortsetzung folgt.