VonChristopher Michelschließen
Die Zeit von Markus Krösche bei Eintracht Frankfurt wird mehr und mehr zur Erfolgsstory. Hat er den SGE-Thron endgültig bestiegen?
Frankfurt – Die Anspannung? Sie war gewaltig bei Markus Krösche. Der Sportvorstand von Eintracht Frankfurt wurde kurz nach dem Führungstreffer des SC Freiburg von den TV-Kameras eingefangen. Man sah ihm an, wie es in ihm nagte.
Eintracht-Boss Krösche schreibt seine Erfolgsstory
Denn „Wagenburgmentalität“ hin oder her: Das Abrutschen von Rang drei auf fünf am letzten Spieltag hätte die Hessen tief getroffen. Die Erleichterung nach dem 3:1-Erfolg im Breisgau war dementsprechend riesengroß. „Kaputt“ sei der 44-Jährige gewesen, die Müdigkeit war ihm anzusehen. Die vergangenen Wochen und Monate gingen auch an dem sonst so cool wirkenden Krösche nicht vorbei.
Das Ergebnis seiner inzwischen vierjährigen Amtszeit bei der Eintracht? Es ist eine unglaubliche Erfolgsgeschichte. Europa-League-Sieg 2022, Champions-League Achtelfinale und DFB-Pokal-Finale 2023, Qualifikation für die Europa-League 2024, erstmaliger Einzug über die Bundesliga in die Königsklasse 2025 – und zwischendrin noch spektakuläre Rekordverkäufe von Randal Kolo Muani oder Omar Marmoush. Der nächste bahnt sich mit Hugo Ekitiké bereits an.
Krösche hat vor allem ein zu Beginn seiner Amtszeit formuliertes Ziel erreicht: „Kaderplanung besteht aus drei Teilen: Verlässlichkeit, Fähigkeiten und Perspektive. Unser Kader bietet enorm viel Verlässlichkeit und Qualität. Jetzt geht es darum, andere Fähigkeiten hinzuzufügen, die Altersstruktur zu verändern und Potenziale zu schaffen.“
Ist Krösche der größte Eintracht-Boss aller Zeiten?
25,9 Jahre war das Durchschnittsalter der Startelf im Europa-League-Finale gegen die Glasgow Rangers, inzwischen liegt er bei 24,7 Jahren. In 1.448 Tagen Krösche ist bei der Eintracht viel passiert. Ist er der größte Eintracht-Manager aller Zeiten?
Die klaren Strukturen, wie es sie in heutigen Zeiten gibt, gab es früher so nicht immer. Die Erfolge in den 70er- und 80ern teilten sich Ernst Berger (Pokalsiege 1974 und 1975), Udo Klug (Uefa-Cup-Sieg 1980, Pokalsieg 1981) oder Wolfgang Kraus (Pokalsieg 1988). Doch die Arbeit von vor 40 bis 50 Jahren ist nicht mehr mit der heutigen zu vergleichen, zumal es auch mächtige Vizepräsidenten oder stellvertretende Vorsitzende gab. Wer da final wirklich den Hut aufhatte? Schwierig zu sagen.
Unter Legende Bernd Hölzenbein schrammte die Eintracht 1992 nur knapp an der Deutschen Meisterschaft vorbei, Heribert Bruchhagen sanierte den Verein und stellte ihn von 2003 bis 2016 auf gesunde Beine. Fredi Bobic leitete unter schwierigen Rahmenbedingungen in Zusammenarbeit mit Sportdirektor Bruno Hübner und Chefscout Ben Manga die Zeitenwende bei den Hessen ein. Unter diesem Trio holte die Eintracht nach 30 Jahren Abstinenz den fünften DFB-Pokal-Sieg (2018).
Auch die Eintracht-Vorgänger haben hervorragende Arbeit geleistet
Ein Vergleich ist daher schwierig und möglicherweise auch unfair. Die beiden direkten Vorgänger von Krösche haben ein Fundament gebaut, auf dem der 44-Jährige das Eintracht-Haus Schritt für Schritt erweitern konnte. Diese gute Ausgangslage soll die Leistung des gebürtigen Hannoveraners jedoch nicht schmälern.
Die Eintracht hat sich zu einem der Spitzenklubs in Deutschland entwickelt und mit dem Erreichen von Rang drei ein klares Signal nach außen gesendet. In der gerade abgelaufenen Saison sind sie dritte Kraft hinter dem FC Bayern München und Bayer Leverkusen geworden. Die Qualifikation für die Königsklasse über die Bundesliga ist in heutigen Zeiten, wo die „Top vier“ finanziell außer Reichweite liegen, einer „Überperformance“ (O-Ton Vorstandssprecher Axel Hellmann) geschuldet.
Ob Krösche der größte Eintracht-Manager aller Zeiten ist, lässt sich somit nicht seriös beantworten. Was sich aber definitiv festhalten lässt: Markus Krösche ist es gelungen, den Klub weiterzuentwickeln und ihm seine Handschrift zu verpassen. Diese Steigerung war trotz der sehr guten Arbeit von Vorgänger Bobic alles andere als einfach.
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