Ist Musiala zu oft verletzt? Mediziner gibt überraschendes Statement ab
VonDaniel Michel
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Der FC Bayern plant ohne Jamal Musiala wohl bis zum späten Herbst. Laut Experteneinschätzung sollte seine Reha allerdings ohne Komplikationen ablaufen.
Murnau – „Wadenbeinbruch mit Sprunggelenksluxation“, lautet die an die Öffentlichkeit bekannt gegebene Diagnose über Jamal Musiala. Der Superdribbler des FC Bayern hatte sich bei einem Zweikampf mit Gianluigi Donnarumma im Viertelfinale der Klub-WM gegen Paris Saint-Germain die schwere Verletzung zugezogen.
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Der 22-Jährige wurde umgehend in der Unfallklinik Murnau operiert. Die Spezialisten Professor Dr. Fabian Stuby und Dr. Johannes Gabel gelten als Ikonen in diesem Bereich und haben bereits Torwart Manuel Neuer nach seinem schweren Ski-Unfall zum Comeback verholfen.
Musiala ist nach Muskelbündelriss wieder verletzt
Die Ausfallzeit von Musiala wird derzeit auf ungefähr vier Monate beziffert. Hinter vorgehaltener Hand wird nun auch die Frage diskutiert, ob Musiala ein verletzungsanfälliger Spieler ist. Schließlich war er gerade nach einem Muskelbündelriss mit einer Ausfallzeit von über zwei Monaten wieder ans Team herangeführt worden.
In Erinnerung ist auch eine Aussage von Ex-Trainer Thomas Tuchel geblieben. Dieser hatte das Umfeld von Musiala sehr verärgert, als er gesagt hatte, Musiala müsse auf dem Weg in die Weltspitze dafür sorgen, auch physisch ein konstant hohes Niveau zu erreichen.
Blickt man in die Verletzungshistorie von Musiala stehen allerdings nur kleinere, kaum schwer wiegende Verletzungen zu Buche.
2024/25 setzte ihn ein grippaler Infekt für eine Woche außer Gefecht, hinzu kamen Hüftprobleme von rund drei Wochen.
2023/24 hat transfermarkt.de Knieprobleme (18 Tage Ausfallzeit), einen Muskelfaserriss (17 Tage), eine Sehnenreizung (vier Tage) und eine kleinere Blessur (vier Tage) als Verletzungen notiert. Dazu eine schonende Pause von drei Tagen und einem Spiel.
Davor fällt im Grunde nur aus der Saison 2022/23 noch eine Verletzung am Oberschenkel von zwölf Tagen beziehungsweise zwei Spielen auf.
Dr. Martin Winter: „Musiala ist kein verletzungsanfälliger Spieler“
„Nach derzeitigem öffentlichen Kenntnisstand kann Jamal Musiala nicht als verletzungsanfälliger Fußballprofi gelten“, sagt Dr. Martin Winter zu Absolut Fussball, dem Fußball-Portal vom Home of Sports.
Der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, der in der Orthopädie Oberland in Murnau tätig ist, führt aus: „In der Regel müssen Offensivspieler im heutigen Hochgeschwindigkeitsfußball die härtesten Fouls wegstecken. Da sind im Laufe einer Saison Verletzungen als sehr gewöhnlich zu betrachten.“
Musiala habe es nun einmal besonders hart erwischt, das sei aber noch kein Grund, sich generell Sorgen über die Physis des 22-Jährigen zu machen.
„Musiala befindet sich in guten Händen“
Martin Winter sieht auch für den Rehabilitationsverlauf von Musiala keine größeren Hindernisse, soweit die Details der Verletzung bislang bekannt sind. „In der Unfallchirurgie ist die Diagnose Wadenbeinbruch mit Sprunggelenkluxation eine häufig vorkommende Verletzung. Er befindet sich zudem bei den Fachärzten in Murnau und beim FC Bayern in sehr guten Händen“, versichert Winter.
Nach einer ersten Abschwellungsphase folge die Knochenheilungsphase mit teilweiser Entlastung des Beins, insgesamt sei dafür meist ein Zeitfenster von sechs Wochen angesetzt. Womöglich können junge Leistungssportler unter genauer Kontrolle dieses Zeitfensters etwas verkürzen, so Winter. Danach folge eine Aufbelastungsphase, in der Patienten üblicherweise weiter mit Schwellungsneigung und Belastungsschmerzen kämpfen, bevor mit dem Joggen begonnen werden kann.
Martin Winter warnt Musiala: „Es kann manchmal zwicken“
Einen kleinen Warnhinweis hat Martin Winter dennoch. „Patienten bekommen an der Stelle der Fraktur eine Metall-Platte eingesetzt. Diese ist meist rund zehn Zentimeter lang, drei Zentimeter breit und 2-3 Millimeter dick. Die Platte behält man in der Regel zwölf bis achtzehn Monate im Bein. Es kann manchmal zwicken“, so Winter, der mit einem medizinischen Augenzwinkern anfügt: „Hoffen wir alle, dass Jamal Musiala die Platte in einem Jahr nicht mehr hergeben möchte, weil er mit dem Fuß für Deutschland das Siegtor im WM-Finale erzielt hat.“