Max Eberl lobt Vincent Kompanys Arbeit beim FC Bayern – sieht das Team aber nicht stärker, sondern reifer als im Vorjahr.
München – Der FC Bayern dominiert aktuell die Fußballwelt – doch Sportvorstand Max Eberl bremst die Euphorie. Trotz des Traumstarts unter Vincent Kompany sieht der 52-Jährige die Münchner nicht besser als im Vorjahr, sondern schlichtweg gefestigter. Zehn Spiele, zehn Siege, eine Tordifferenz, die europäische Maßstäbe setzt: Der FC Bayern präsentiert sich seit Wochen in beeindruckender Form. Unter Trainer Vincent Kompany läuft es nicht nur sportlich, sondern auch atmosphärisch rund an der Säbener Straße.
Während viele Experten von einem „neuen Bayern“ sprechen, bleibt Eberl bewusst auf dem Boden. „Wir sind nicht besser als letztes Jahr – aber letztes Jahr war elementar, damit wir heute so dastehen, wie wir dastehen“, erklärte der Sportvorstand vor dem Bundesliga-Kracher gegen Borussia Dortmund .
Eberl sieht Kompany als Schlüssel zum Bayern-Aufschwung Seit rund eineinhalb Jahren steht Vincent Kompany nun an der Seitenlinie des deutschen Rekordmeisters – und hat dem Klub sichtbar seinen Stempel aufgedrückt. Nicht nur sportlich, auch in der Außendarstellung hat der Belgier die Münchner stabilisiert.
Eberl schwärmte von der Zusammenarbeit mit dem 39-Jährigen: „Wir haben Vincent vor über einem Jahr für uns gewinnen können – das ist nach wie vor ein Glücksfall!“ Der erfahrene Fußball-Manager lobte Kompanys Führungsstil und seine ruhige, aber klare Art, mit Spielern umzugehen.
Ein Leben für den FC Bayern – Rummenigge-Wechsel bedeutete Zeitenwende für Rekordmeister Karl-Heinz Rummenigge (links) wurde am 25. September 1955 geboren und wuchs im westfälischen Lippstadt auf. Schon als Kind kickte er unermüdlich mit seinen Brüdern Michael und Wolfgang. Auf Bolzplätzen und im heimischen Garten entwickelten die drei ihre Leidenschaft für den Fußball. Dass später mit Michael ein weiterer Rummenigge Profi wurde, zeigt, wie sehr der Sport in der Familie verwurzelt war. Für Karl-Heinz war das Spielen mit den Brüdern die Grundlage für eine Karriere, die ihn bis an die Spitze des Weltfußballs führte. © IMAGO / teutopress Bei Borussia Lippstadt, dem Heimatverein seiner Kindheit und Jugend, schnürte er schon früh die Fußballschuhe. Hier entwickelte er nicht nur seine Grundtechniken, sondern auch die enorme Dynamik und Torgefahr, die ihn später auszeichnen sollten. Mit seinen starken Auftritten in der Westfalenliga spielte er sich ins Blickfeld großer Klubs – der entscheidende Schritt Richtung Profifußball. © IMAGO / Hans Blossey 1974 wechselte der damals 18-jährige Karl-Heinz Rummenigge von Borussia Lippstadt zum FC Bayern München. Für eine Ablöse von gerade einmal 18.000 D-Mark holte ihn der Rekordmeister an die Isar – ein Transfer, der sich als Glücksgriff herausstellen sollte. Anfangs musste er sich hinter Weltstars wie Franz Beckenbauer und Gerd Müller einordnen, doch schon bald zeigte sich, dass Rummenigge seinen eigenen Weg zur Vereinslegende gehen würde. © IMAGO / Frinke Am 24. August 1974 stand Karl-Heinz Rummenigge erstmals in der Bundesliga für den FC Bayern auf dem Platz. Beim 6:0-Sieg gegen Kickers Offenbach feierte der 18-Jährige sein Debüt im Team der Münchner. © FC Bayern München FC Bayern München 1 FC Köln Karl Heinz Rummenigge Bayern trifft Kurz vor seinem 19. Geburtstag beschenkte sich Rummenigge selbst und traf beim 6:3-Heimsieg gegen den 1. FC Köln erstmals in der Bundesliga für den FC Bayern. Der Treffer war der Auftakt zu einer großen Karriere als Torjäger, die ihn bald zu einem der gefährlichsten Angreifer Europas machte. © IMAGO / WEREK FC Bayern München mit dem Pokal der Landesmeister 1976. Stehend v.l: Trainer Dettmar Cramer, Hans-Josef Kapellmann 1976 feierte der FC Bayern seinen dritten Europapokalsieg (Vorläufer der heutigen Champions League) in Serie nach den Erfolgen von 1974 und 1975. Für Karl-Heinz Rummenigge war es der zweite Titel in diesem Wettbewerb, den er als junger Spieler miterlebte. Die Münchner reihten sich damit in eine exklusive Liste großer Europacup-Dynastien ein – nach Real Madrid mit fünf Titeln am Stück (1956–1960) und Ajax Amsterdam mit drei Erfolgen in Serie (1971–1973). © IMAGO / Horstmüller Karl Heinz Rummenigge BR Deutschland re im Spiel gegen Wales Am 6. Oktober 1976 bestritt Karl-Heinz Rummenigge in Cardiff gegen Wales sein erstes Länderspiel für die Bundesrepublik Deutschland. Beim 2:0-Sieg der DFB-Elf wurde der 21-Jährige eingewechselt und sammelte seine ersten Minuten im Nationaltrikot. Es war der Auftakt zu einer langen Karriere in der Nationalmannschaft, die ihn später bis zum Kapitänsamt und ins WM-Finale führen sollte. © IMAGO / Horstmüller Bayern meister Nach sechs titellosen Jahren auf nationaler Ebene führte Rummenigge den FC Bayern 1980 endlich wieder zur Deutschen Meisterschaft – die erste seit 1974. Auf dem Münchner Rathausbalkon präsentierte er die Schale den jubelnden Fans am Marienplatz. © IMAGO / Fred Joch Karl-Heinz Rummenigge erhält die Torjägerkanone und die Auszeichnung zum Fußballer des Jahres Mit 26 Saisontoren gewann er seine erste von drei Torjägerkanonen als bester Torjäger der Bundesliga und wurde außerdem zu Deutschlands Fußballer des Jahres gewählt. Seine Treffer und sein Tempo machten ihn zum dominierenden Angreifer der Liga und zum Gesicht des neuen FC Bayern. © IMAGO / WEREK Deutschland ist Europameister hi v li Karl Heinz Rummenigge Torwart Harald Toni Schumacher Bei der darauffolgenden EM 1980 in Italien gewann die deutsche Nationalmannschaft den Titel – Karl-Heinz Rummenigge war einer der Leistungsträger des Teams von Bundestrainer Jupp Derwall. Im Finale von Rom setzte sich die DFB-Elf mit 2:1 gegen Belgien durch. Für Rummenigge war es der größte Triumph im Nationaltrikot. © IMAGO / Sportfoto Rudel Fussball Weltmeiserschaft 1986 Deutschland - Argentienien Platzwahl und Shake Hands - Diego Maradona Karl-Heinz Rummenigge führte die deutsche Nationalmannschaft später sowohl 1982 in Spanien als auch 1986 in Mexiko als Kapitän ins WM-Endspiel. Beide Male blieb der große Triumph jedoch verwehrt: 1982 unterlag die DFB-Elf Italien mit 1:3, 1986 scheiterte man mit 2:3 an Argentinien und Diego Maradona. © IMAGO / Sammy Minkoff Karl Heinz Rummenigge FC Bayern München wird mit dem Ballon d Or als Europas Fußballer des Jahres Zum zweiten Mal in Serie wurde Karl-Heinz Rummenigge 1981 mit dem Ballon d’Or als Europas Fußballer des Jahres ausgezeichnet – nach 1980 erneut die größte persönliche Ehrung, die ein Spieler in Europa erhalten konnte. Damit bestätigte er eindrucksvoll seinen Status als einer der besten Stürmer seiner Generation und als Aushängeschild des FC Bayern. © IMAGO / Fred Joch Lattek Rummenigge Trainer Udo Lattek schließt seinen Kapitän Karl-Heinz Rummenigge innig in die Arme. Im Finale gegen Borussia Mönchengladbach führte Rummenigge den FC Bayern nicht nur als Spielführer aufs Feld, sondern verwandelte im epischen Elfmeterschießen auch den entscheidenden Schuss zum 8:7-Sieg. Für ihn war es nach 1982 der zweite Pokaltriumph mit den Münchnern – und einer seiner letzten großen Momente im Bayern-Trikot. © IMAGO / WEREK FC Bayern München - Bayer 04 Uerdingen 26.05.1984. Karl-Heinz Rummenigge, links in der Reihe der Mitspieler Im Sommer 1984 verabschiedete sich Rummenigge nach zehn Jahren im Bayern-Trikot im Münchner Olympiastadion von den Fans. Der Kapitän, Toptorjäger und Publikumsliebling brach zu einem neuen Abenteuer nach Italien auf – mit Standing Ovations und bewegten Momenten als Dank für eine Dekade voller Erfolge. Im roten Trikot bestritt Rummenigge 310 Bundesliga-Spiele und erzielte dabei 162 Treffer. Damit liegt er bis heute auf Rang drei der ewigen Bayern-Torjägerliste, nur übertroffen von Gerd Müller und Robert Lewandowski. © IMAGO / Horstmüller rummenigge Rummenigge wechselte für die damalige Rekordsumme von rund elf Millionen D-Mark zu Inter Mailand. Das habe den FC Bayern laut Uli Hoeneß damals „schuldenfrei gemacht“ und den Transfer von Lothar Matthäus finanziert. Doch danach war immer noch Geld übrig. „Mit der verbleibenden Million ist das Festgeldkonto des FC Bayern entstanden“, erklärte Hoeneß. Das Festgeldkonto begleitet den FC Bayern bis heute. Gemeint ist das Geldpolster, das über Jahre hinweg angespart und konservativ verwaltet wurde. Es verschaffte dem Rekordmeister große Unabhängigkeit, erlaubte Transfers ohne Schuldenaufnahme und wurde zu einem Symbol für wirtschaftliche Stabilität im europäischen Fußball. © IMAGO / Kicker/Liedel KARL HEINZ RUMMENIGGE, Inter, Serie A, Inter vs Ascoli 5-1, Milano SERIE A 1984-85 INTER-ASCOLI 5-1 In der Serie A, damals die wohl stärkste Liga der Welt, wurde er sofort als Superstar empfangen. Trotz Verletzungsproblemen hinterließ er mit seiner Technik und Torgefahr auch in Italien Eindruck und war für Inter über drei Jahre eine prägende Figur. © IMAGO / Buzzi Jun 06 1989 The soccer career of world famous soccer star Karl Heinz Rummenigge ended in Geneva Nach seiner Zeit in Mailand wechselte Karl-Heinz Rummenigge 1987 in die Schweiz zum Servette FC nach Genf. Dort ließ er seine aktive Laufbahn ausklingen und wurde mit seiner Erfahrung schnell zum Leitfigur für die Mannschaft. 1989 erklärte er schließlich seinen Rücktritt vom Profifußball – das Ende einer Karriere, die ihn vom Bolzplatz in Lippstadt bis an die Spitze des europäischen Fußballs geführt hatte. © IMAGO / ZUMA Press/Keystone Co Kommentator Karl Heinz Rummenigge (li.) neben ARD Kommentator Heribert Faßbender (beide Deutschland) vor dem Achtelfinale Nur wenige Monate nach seinem Karriereende stand Karl-Heinz Rummenigge schon wieder im Rampenlicht – diesmal nicht auf dem Rasen, sondern am Mikrofon. Bei der Weltmeisterschaft 1990 in Italien arbeitete er als Experte für das ZDF und begleitete den späteren Titelgewinn der deutschen Nationalmannschaft. Mit seiner Expertise und klaren Analyse machte er schnell deutlich, dass er auch außerhalb des Spielfelds eine starke Stimme des Fußballs war. © IMAGO / WEREK Pressekonferenz zur Vorstellung der neuen Vizepräsidenten des FC Bayern München: Franz Beckenbauer Doch schon bald wurde er zu höheren Aufgaben berufen: 1991 begann Rummenigge offiziell seine Funktionärskarriere beim FC Bayern: Gemeinsam mit Franz Beckenbauer wurde er zum Vizepräsidenten des Vereins ernannt. An der Seite von Präsident Fritz Scherer und Manager Uli Hoeneß bildete er das neue Führungsquartett, das die Geschicke des Rekordmeisters leitete. Für Rummenigge war es der Start in die zweite große Karriere – diesmal nicht auf dem Rasen, sondern in der Vereinsspitze. ©
IMAGO / Horstmüller Rummenigge Im Jahr 2002 wurde der FC Bayern organisatorisch neu aufgestellt: Der Verein gründete die FC Bayern München AG, um den Klub professioneller und wirtschaftlich schlagkräftiger zu führen. Karl-Heinz Rummenigge übernahm als Vorstandsvorsitzender die operative Verantwortung und bildete mit Uli Hoeneß (Manager) und Franz Beckenbauer (Aufsichtsratschef) ein starkes Führungsdreieck. Unter dieser Leitung entwickelte sich Bayern auch finanziell zu einem europäischen Schwergewicht. © IMAGO / Lackovic Karl Heinz RUMMENIGGE in der Allianz Arena STADION am 5 3 2005 Karl Heinz RUMMENIGGE Als Vorstandschef prägte Karl-Heinz Rummenigge maßgeblich den Bau der Allianz Arena. Zusammen mit Uli Hoeneß und Franz Beckenbauer trieb er das Projekt voran, das dem FC Bayern 2005 ein hochmodernes eigenes Stadion bescherte. Die Arena wurde zum Symbol für den Aufstieg des Klubs in eine neue Dimension – sportlich wie wirtschaftlich. © IMAGO / HJS Rummenigge Eine ganz besondere Ehre für die Bayern-Legende: 2007 erhielt Karl-Heinz Rummenigge aus den Händen von Ministerpräsident Edmund Stoiber den Bayerischen Verdienstorden. Mit der Auszeichnung würdigte der Freistaat nicht nur seine sportlichen Erfolge, sondern auch sein Engagement als Repräsentant des FC Bayern. Darüber hinaus hatte Rummenigge als Vorsitzender der European Club Association (ECA) und als Mitglied in UEFA-Gremien großen Einfluss auf die Entwicklung des europäischen Fußballs. ©
IMAGO / Sven Simon Rummenigge Tripple Als Vorstandschef führte Karl-Heinz Rummenigge den FC Bayern in eine der erfolgreichsten Phasen der Vereinsgeschichte. Unter Trainer Jupp Heynckes gewann der Klub 2013 als erster deutscher Verein das historische Triple aus Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League. Zugleich war es der erste Triumph in der Königsklasse seit 2001. © IMAGO / Ulmer Final Football UEFA Champions League FC BAYERN MUENCHEN - PARIS SAINT GERMAIN (PSG) 1-0 Lisbon, Lissabon, Portugal, 23rd Sieben Jahre später durfte Rummenigge den ganz großen Triumph erneut miterleben: Unter Trainer Hansi Flick holte der FC Bayern 2020 zum zweiten Mal das Triple. Trotz der besonderen Corona-Umstände mit Geisterspielen und Finalturnier in Lissabon zeigte der Klub, dass er auch in Krisenzeiten sportlich dominieren konnte. Für Rummenigge war es die perfekte Krönung seiner Amtszeit. Im Folgejahr trat er als Vorstandsvorsitzender zurück. © IMAGO / Poolfoto UCL Karl Heinz Rummenigge BR Deutschland FC Bayern München heiratet Martina Wehling Neben den Erfolgen auf dem Rasen fand Karl-Heinz Rummenigge auch privat sein Glück: 1978 heiratete er seine Frau Martina in München. Sie wurde zur großen Liebe seines Lebens und begleitete ihn durch alle Höhen und Tiefen seiner Karriere – vom jungen Profi bis hin zum Bayern-Funktionär. © IMAGO / Horstmüller Rummenigge Auch Jahrzehnte später treten Karl-Heinz und Martina Rummenigge regelmäßig zusammen in der Öffentlichkeit auf, etwa beim traditionellen Wiesn-Besuch des FC Bayern. © IMAGO / ActionPictures Sport Themen der Woche KW07 Sport Bilder des Tages KARL-HEINZ RUMMENIGGE DAS AKTUELLE SPORTSTUDIO ZDF MAINZ Auch nach seinem Rückzug als Vorstandschef ist Karl-Heinz Rummenigge dem Fußball und seinem Herzensverein eng verbunden. Beim FC Bayern sitzt er seit 2023 wieder im Aufsichtsrat und auch beim DFB bringt er seine Erfahrung in die Gremienarbeit ein. Am 25. September 2025 feiert er seinen 70. Geburtstag – ein Anlass, um auf ein Leben voller Erfolge zurückzublicken und zugleich zu sehen, wie er weiter Verantwortung für den Rekordmeister sowie den deutschen Fußball übernimmt. © IMAGO/Martin Hoffmann Auch die personelle Konstanz sieht Eberl als entscheidenden Faktor für den aktuellen Erfolg: „Wir haben im Kader wenig Fluktuation, der Stamm arbeitet seit über 17 Monaten zusammen.“ Diese gewachsene Struktur habe es ermöglicht, dass sich Automatismen festigen und Hierarchien natürlich entwickeln konnten.
Einen entscheidenden Schlüsselmoment in der Entwicklung des Teams sieht Eberl in der Klub-Weltmeisterschaft. Die Bayern hatten den Wettbewerb im Sommer gewonnen – und dabei laut Eberl nicht nur sportlich, sondern auch emotional einen großen Sprung gemacht.
Klub-WM als Wendepunkt: „Da sind wir enger zusammengewachsen“ „Wir sind bei der Klub-WM trotz hoher Belastung neben dem Feld und auf dem Feld noch enger zusammengewachsen – das Miteinander, die Energie, die Lust auf Siege, die Lust, auch das vierte Tor bei einem 3:0 noch zu machen – das hat der Trainerstab im Team verinnerlicht von Anfang an“, erklärte der 52-Jährige.
Die Bayern wirken derzeit wie eine Einheit, die Kompanys Philosophie verinnerlicht hat. Eberl sieht darin keine Überflieger-Mannschaft, sondern ein Team, das durch gemeinsame Erfahrungen gewachsen ist. (Dieser Artikel entstand in Kooperation mit FCBinside.de )
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