Michy Batshuayi soll gehen – doch die Eintracht braucht ihn jetzt
VonJosef Schmitt
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Der Stürmer wurde eigentlich aussortiert, nun fehlen Alternativen. Michy Batshuayi könnte für Frankfurt in den nächsten Spielen wichtig werden.
Frankfurt – Die Situation ist fast schon grotesk. Die Frankfurter Eintracht muss in den letzten vier Spielen bis zur Winterpause auf einen Stürmer bauen, dem bereits mitgeteilt wurde, dass er den Klub verlassen soll. Michy Batshuayi war im Grunde bereits aussortiert, hat bislang gerade mal 89 Spielminuten bei fünf mehr oder weniger kurzen Einsätzen in der Bundesliga gesammelt. Auf die meisten Spielminuten kam er am Sonntag beim 1:1 gegen Wolfsburg, es waren 28. „Er hat sich angemeldet“, sagte Trainer Dino Toppmöller, nachdem Batshuayi per Elfmeter in der Nachspielzeit der Ausgleichstreffer gelungen war.
In Leipzig am Samstag, in Barcelona nächste Woche, vor allem gegen Augsburg und in Hamburg könnte es nun ausgerechnet auf den belgischen Nationalspieler ankommen, der auch nach fast zwölf Monaten bei der Eintracht nicht angekommen ist. Dabei könnte es hilfreich sein, dass der Spieler selbst wohl wenig Druck verspürt. „Er hat so viel Erfahrung, da macht er sich keinen Kopf“, hatte der Trainer zum verwandelten Elfmeter gesagt. Damit aber auch den Charakter des 32-Jährigen beschrieben.
Das Angebot an Eintracht-Stürmern ist dünn
Batshuayi hat ziemlich sicher keine ganz große Identifikation mit seinem jeweiligen Arbeitgeber, darauf deuten schon die vielen Wechsel hin. Für zehn verschiedene Klubs hat er seit 2011 gespielt. Nach Frankfurt gekommen war er im Januar von Galatasaray Istanbul als vermeintliche Soforthilfe, nachdem die Frankfurter Omar Marmoush nach Manchester verkauft hatten. Zweimal hat er von Beginn an gespielt, nicht einmal über 90 Minuten. Sein letztes Spiel über die volle Distanz datiert von 12. Dezember 2024, damals noch mit Galatasaray gegen Malmö.
Die Eintracht ist also nur ein weiterer Arbeitgeber für den er versucht, das Beste zu geben. Lange Zeit war das nicht ausreichend, entsprechend selten durfte Batshuayi ran. Nun aber ist sein Bestes gerade gut genug für die Mannschaft. Was in erster Linie an fehlenden Alternativen liegt. Nach der Verletzung von Jonny Burkardt, der zumindest bis zum Jahresende ausfällt, sind Toppmöller die Stürmer so gut wie ausgegangen.
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Dabei ist wenig hilfreich, dass mit Elye Wahi der eigentlich logische Vertreter wegen mangelnder Leistungen in Spiel und Training aussortiert wurde. Toppmöllers auf Wahi gemünzte, fast schon ironische Bemerkung, es sei jeder „herzlich eingeladen, beim Training Gas zu geben und zu zeigen, dass er unbedingt spielen will“, lässt tief blicken. Auch der 22 Jahre alte Franzose soll sich einen neuen Klub suchen.
Dann also Batshuayi. Da hat Toppmöller in kürzester Zeit seine Meinung geändert. Beim Auswärtsspiel in Köln, gar nicht so lange her, hatte er ihn nicht einmal ins Aufgebot berufen. Seit der knappen halben Stunde gegen Wolfsburg hört sich das nun so an: „Michy hatte eine gute Präsenz vorn, ist in die Zweikämpfe gegangen, vom Läuferischen war es auch gut“. Klingt nach einem wirklich guten Stürmer, zumal der ja auch das einzige Tor geschossen und zudem noch eine Torchance für Ritsu Doan vorbereitet hat.
Auf welche Stürmer vertraut SGE-Coach Toppmöller?
Teilzeitarbeiter Batshuayi ist für Toppmöller der „Notausgang“. Die ganz jungen Alexander Staff aus der U19 und Daniel Starodid aus der U21 verfügen nicht einmal im Training über Erfahrung auf Bundesliganiveau. Da wurde verpasst, sie vielleicht früher schon näher heranzuführen. Der nach Verletzung zurückgekehrte Jessic Ngankam freut sich zwar nach langer Leidenszeit über jede Spielminute, kann aber nicht ernsthaft die Lösung sein.
Die Crux für Toppmöller: Die Schlussphase gegen Wolfsburg sei “ein Spiel für Michy“ gewesen, hatte er gesagt. Das Spiel in Leipzig am Samstag aber, und das Spiel in Barcelona am Dienstag eher nicht. Beide Male wird die Eintracht mutmaßlich das Hauptaugenmerk auf die Defensivarbeit legen. Gut möglich, dass Toppmöller da wie gegen Wolfsburg mit Jean-Matteo Bahoya und Ansgar Knauff beginnt. Dann wäre Batshuayi prompt wieder auf der Bank. Was ihn wohl ärgern, aber nicht wirklich stören würde. Schließlich weiß er, dass seine Zeit bei der Eintracht sowieso bald zu Ende gehen wird.