Aus beim VfL Wolfsburg

Kovac verliert Job und Ruf – ein Kommentar

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Der letzte Gang zur Kündigung: Niko Kovac.
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Es braucht manchmal Individualisten, die mit einer Einzelaktion alles entscheiden. Diese Freiheiten schränkt der beim VfL Wolfsburg geschasste Trainer Kovac zu sehr ein.

Wolfsburg – Irgendwie finden im Fußball ja immer zwei Stränge wieder zueinander. Also im Trainerleben des Niko Kovac mal kurz zurückgespult in den September 2022: Da hatte der VfL Wolfsburg sich bei Eintracht Frankfurt mühsam den ersten Saisonsieg erarbeitet, wobei von jenem 1:0-Erfolg vor allem in Erinnerung blieb, dass Kovac damals die endgültige Trennung von Max Kruse erklärte. Tatsächlich hatte sich der nicht mehr wirklich leistungswillige Altstar längst als übergewichtiger Ballast entpuppt, den zwar ein Florian Kohfeldt noch durchgeschleppt hatte, nicht aber mehr Kovac.

Es entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, dass nun die Entlassung des 52-Jährigen mit schrillen Kruse-Einlassungen zusammenfällt. Dass der selbst beim Zweitligisten SC Paderborn durchgefallene Kovac-Intimfeind dabei Interna ausplaudert, ist ohne Frage stillos, dennoch werfen die Enthüllungen ein schlechtes Licht auf den Fußballlehrer, dessen Ruf in Mitleidenschaft gezogen wird.

Kovac muss bei Wolfsburg gehen: Trainer eckte an

Kovac habe seine Art, eine Mannschaft zu trainieren, lästerte Kruse: „Er will relativ frühzeitig zeigen, dass er der Platzhirsch ist. In all seinen Vereinen, in denen er Trainer war, hat er relativ schnell einen unumstrittenen Spieler rasiert.“ Die Aussage stimmt insofern, dass Vorzeigeprofis von Eintracht Frankfurt (Alex Meier), Bayern München (Thomas Müller) oder AS Monaco (Ben Yedder) unter diesem Coach kein Bein mehr auf den Boden bekamen. Da eckt einer – ob nun Absicht oder nicht – mit prominenten Profis an, die nicht ganz in sein Schema passen.

Der Kovac-Fußball sah beim VfL stark nach jenen Werten aus, die der Werksverein seit geraumer Zeit für sich reklamiert, um beim Eigner Volkswagen gut anzukommen: Arbeit, Fußball, Leidenschaft. Kraft und Kondition, Fitness und Laufleistungen haben gestimmt – viel mehr nicht. Es gibt in diesem Sport aber nicht nur der Unterhaltung wegen auch eine künstlerische Note. Es braucht manchmal Individualisten, die mit einer Einzelaktion alles entscheiden. Diese Freiheiten schränkt der Trainer Kovac zu sehr ein.

Trennung von Ex-Eintracht-Trainer Kovac und Wolfsburg lange überfällig

Noch etwas kam erschwerend hinzu: Schon vor dieser Saison zweifelte der Disziplinfanatiker offenbar daran, an einem Standort etwas bewegen zu können, an dem sich bei einigen mit üppigen Verträgen ausgestatteten Profis gerne Bequemlichkeit ausbreitet.

Kovac kann zwar für sich reklamieren, einerseits Spieler wie Felix Nmecha und Micky van de Ven in seiner Zeit so vorangebracht zu haben, dass sie der Klub im Sommer für 70 Millionen Euro verkaufen konnte. Andererseits hat die Entwicklung einer größeren Zahl von Akteuren stagniert. Über den Misserfolg in Endlosschleife - Wolfsburg holte zuletzt 13 von möglichen 60 Punkten - hat sich Kovac die letzten Wochen nonchalant hinweggesetzt, in dem er eine gefährliche Distanz zu seinem Team und seinem Arbeitgeber aufbaute.

Geschäftsführer Marcel Schäfer konnte gar nicht anders, als jetzt die Reißleine zu ziehen. Er muss sich allerdings vorwerfen lassen, damit zu lange gewartet zu haben. Im Grunde hätten sich beide Seiten nach dem fahrlässig verspielten Europapokaleinzug vergangenen Sommer gegen die halbe A-Jugend des Absteigers Hertha BSC bereits trennen müssen.

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