VonIngo Durstewitzschließen
Was passiert bei Eintracht Frankfurt, sollte der Topstürmer im Sommer gehen? Der Klub bereitet sich planerisch auf einen möglichen Abschied vor.
Michy Batshuayi durfte noch ein paar Sekunden mittun, dem Kollegen Elye Wahi war nicht einmal das vergönnt. Er verfolgte das rassige 1:1 der Frankfurter beim FSV Mainz 05 von der Ersatzbank aus. Oder hinterm Tor beim Warmmachen.
Nein, auch mit dem allerbesten Willen lässt sich nicht ernsthaft behaupten, dass die beiden Winterneuzugänge die stürmende Abteilung der Eintracht nachhaltig verstärkt hätten. Batshuayi, immerhin, stand dreimal in der Startelf und hat zumindest mal zwei Tore geschossen, Wahi ist bislang völlig leer ausgegangen. Bis auf zwei vergebene Großchancen in der Schlussphase der Partie gegen Heidenheim ist von dem 22-Jährigen im Grunde nichts erinnerungswürdiges hängengeblieben. Das ist ganz schön dünn. Zumal der Franzose für mehr als 20 Millionen Euro von Olympique Marseille losgelöst wurde. Viel Zaster für wenig Gegenwert.
Im Grunde haben die beiden Zugänge keinen Beitrag dazu geleistet, dass die Eintracht ihren tabellarischen Vorsprung trotz des Abgangs von Ausnahmekönner Omar Marmoush hat halten können und kurz davor steht, erstmals über die Liga in die Champions League einzuziehen. Das ist in erster Linie ein Verdienst von Hugo Ekitiké, der als Alleinunterhalter mehr Verantwortung übernommen, zwar oft einen schweren Stand hat, aber ein ganz entscheidender Faktor für den Frankfurter Erfolg ist. Gar keine Frage.
Doch besonders lange wird der 22-Jährige wahrscheinlich nicht mehr in Frankfurt seine Tore schießen, ein Stürmer seiner Klasse und mit seinen Anlagen weckt Begehrlichkeiten, das liegt in der Natur der Sache. Längst haben gerade englische Premier-League-Topklubs ein Auge auf den Franzosen geworfen. Die Eintracht wird, sollte ein Schwergewicht wie der FC Liverpool oder der FC Arsenal Ernst machen, keine Chance haben, Ekitiké zu halten. Doch das Preisschild für ihn ist hoch, die Hessen rechnen mit bis zu 100 Millionen Euro für den U-21-Nationalspieler. Das würde sogar die Verkäufe von Marmoush (für 80 Millionen zu City) und Randal Kolo Muani (für 90 Millionen zu PSG) toppen.
Zahlreiche offene Personalien
Selbst Vorstandssprecher Axel Hellmann ließ kürzlich durchblicken, dass ein Verkauf ein mögliches Szenario ist: „Ich würde mich freuen, wenn er noch zehn Jahre hier bleibt. Aber wir müssen realistisch bleiben. Er zählt zu den Spielern mit sehr viel Potenzial. Der Markt ist eben der Markt.“
Aber wie geht es weiter, sollte Ekitiké wirklich gehen?
Klar ist, dass Elye Wahi nicht nur ein Versprechen für die Zukunft sein kann, sondern auch zünden muss. Denn einen 20-Millionen-Flop kann sich die Eintracht streng genommen noch nicht leisten. Die Sportliche Leitung ist vom Potenzial des Franzosen überzeugt, aber kann er es heben? Und wann? Da wird auch Trainer Dino Toppmöller gefragt sein, Wahi in die Spur zu bekommen. Zeit könnte ein wichtiger Faktor sein, die Integration geht bei dem einen schneller als bei dem anderen.
Auf jeden Fall würde die Eintracht noch zwei neue Stürmer holen, einer davon soll Jonathan Burkardt von Mainz 05 sein. Doch sicher ist das nicht, der Poker könnten zäh werden; Burkardt ist begehrt im Markt und FSV-Manager Chrstian Heidel ein gewiefter Verhandler. Das Interesse der Eintracht aber ist groß. Auch ein Thema ist, fast schon traditionell, Arnaud Kalimuendo von Stade Rennes.
Michy Batshuayi hingegen könnte den Klub nach einem halben Jahr trotz Vertrages bis 2027 schon im Sommer wieder verlassen. Und bei Igor Matanovic denken die Frankfurter über eine Leihe nach. Der 22 Jahre alte Mittelstürmer blickt auf eine insgesamt enttäuschende Saison zurück, konnte sich trotz großer Vorschusslorbeeren nicht durchsetzen, gerade weil er gedanklich etwas zu langsam wirkt. Vielleicht hilft ihm Spielpraxis auf hohem Niveau.
Andere Spieler haben gar keine Zukunft mehr in Frankfurt. Eric Dina Ebimbe gilt als klarer Verkaufskandidat, auch Niels Nkounkous Zeit bei den Hessen könnte ablaufen. Genau wie die von Mittelfeldspieler Mo Dahoud, der es zuletzt gar nicht mehr in den Kader schaffte. Auch für Leihspieler wie Aurelio Buta (Reims), Hrvoje Smolcic (Linz) oder Nacho Ferri (Kortrijk) ist kein Platz mehr.
Zurückkehren sollen freilich die nach Utrecht und Elversberg verliehenen Paxten Aaronson und Elias Baum. Gerade die Personalie Baum ist spannend, der 19-Jährige zählt beim Überraschungsteam aus Liga zwei zu den absoluten Leistungsträgern, machte erst am Sonntag beim 3:1 in Nürnberg einen Doppelpack – als Rechtsverteidiger. Das Frankfurter Eigengewächs hat bei der Eintracht allerdings starke Konkurrenz: Rasmus Kristensen und Nnamdi Collins. Interessant.
Fares Chaibi, der eine ziemlich verkorkste Saison hinter sich hat und jetzt in Mainz mit einem sinnfreien Distanzschuss auffiel und so eine gute Konterchance verdaddelte, hingegen soll an Bord bleiben. Trainer Toppmöller schätzt den Algerier.
Ansonsten wird die Eintracht auf den Flügeln aktiv werden, für die rechte Seite ist der Freiburger Ritsu Doan der Wunschkandidat. Und in der Abwehr beschäftigt sich Sportvorstand Markus Krösche mit Jan-Carlo Simic, 19, vom RSC Anderlecht. Der serbische Nationalspieler, in Nürtingen geboren, könnte womöglich Tuta ersetzen. Den Brasilianer würde die Eintracht zwar gerne halten, doch die wirtschaftlichen Vorstellungen sind aktuell nicht deckungsgleich.
Das ist bei Timothy Chandler gar kein Problem. Der alte Haudegen steht laut „Kicker“ vor einer Vertragsverlängerung bis 2026. Hat er sich verdient, der Papa der Kompanie.
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