Kaderbekanntgabe

Wück und die DFB-Frauen: Vertrauensvorschuss aus dem Vergnügungspark

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Bundestrainer Christian Wück präsentiert im ungewöhnlichen Ambiente einen ausgewogenen Kader für die Fußball-EM der Frauen.

Kindergekreische und Fahrgeräusche sind gewiss nicht Alltag, wenn ein Bundestrainer seinen Kader für ein Turnier präsentiert. Christian Wück saß im Europa-Park in Rust in einem fast schon kitschig anmutenden Schweizer Bergdörfchen, als seine 23 Spielerinnen für die Frauen-EM (2. bis 27. Juli) über den Monitor flimmerten. Derweil waren Kinder mit den Namen seiner Auserwählten in die Schweizer Bobbahn gestiegen.

Bloß sollen die deutschen Fußballerinnen im nächsten Monat keine Achterbahnfahrt hinlegen. „Wir wollen mit einer Mischung aus Spielfreude, Begeisterung, Willen und Überzeugung agieren – dafür steht dieser Kader. Ich glaube, wir haben eine sehr, sehr hohe Qualität in unserem Kader – auf allen Positionen. Aber das haben auch viele andere Nationen. Den Unterschied wird das Team ausmachen“, erläuterte der Bundestrainer.

Ganz im Zeichen des Schweizerkreuzes: die Kaderbekanntgabe im Europa-Park Rust.

Nicht mehr viele Frankfurterinnen

Der 52-Jährige hatte nach Amtsantritt ein langes Casting, begleitet mit Irrtümern in allen Mannschaftsteilen, praktiziert. Doch vielleicht gerade noch rechtzeitig hat das Ensemble zuletzt nicht mehr wie eine Wundertüte gewirkt. Wück nannte es eine Puzzlearbeit, 23 Protagonistinnen zu finden, „die am besten harmonieren.“ Der Überraschungseffekt hielt sich deswegen am Donnerstag in Grenzen. Das Grundgerüst hatte längst gestanden.

Der mit den deutschen U17-Junioren überaus erfolgreiche Nachwuchsförderer Wück berief im letzten Moment noch eine talentierte Kreativspielerin: Cora Zicai vom SC Freiburg. Die zur kommenden Saison zum VfL Wolfsburg wechselnde 20-Jährige hat eigens noch am Dienstag ein MRT machen lassen. Zu früh kommt die EM allerdings für die erst 18-jährige Alara Sehitler, die zwar ähnliche Anlagen einbringt, aber auch noch keine Stammkraft beim FC Bayern ist, der mit sieben Doublesiegerinnen den größten Block stellt.

Frankfurter Block bei DFB-Frauen geschrumpft

Arg geschrumpft ist die Frankfurter Fraktion, aus der bei Wücks Amtsantritt noch acht Spielerinnen dabei waren. Bei Turnierstart werden von der Eintracht lediglich noch zwei Spielerinnen gelistet sein, Elisa Senß und Laura Freigang. Stina Johannes und Sophia Kleinherne werden dann schon beim VfL Wolfsburg geführt, Carlotta Wamser steht dann bei Bayer Leverkusen unter Vertrag. Und Nicole Anyomi erhielt aus Verletzungsgründen keine Einladung, dieser Impuls sei von der besten Bundesliga-Scorerin selbst gekommen, sagte Wück: „Ihre Kniebeschwerden gibt es seit geraumer Zeit, die sie ausheilen möchte. Die dauert bisschen länger als zwei, drei Wochen, deshalb steht sie auch nicht auf Abruf.“

Grundsätzlich stimmt für den Bundestrainer der Mix aus „Erfahrung und Unbekümmertheit“. Das Durchschnittsalter beträgt 25,6 Jahre, sieben Spielerinnen sind noch ohne Turniererfahrung. Das derzeit Giulia Gwinn und die meisten Mitspielerinnen fleißig Urlaubsbilder posten, ist für Wück vollkommen in Ordnung. Zum einen seien Trainingspläne ausgegeben, zum anderen sei Abschalten gewünscht: „Die verlieren nicht viel von ihrer Athletik, wenn sie mal eine Woche am Strand liegen: Ich war doch selbst Spieler: In dem Alter willst du spätestens nach einer halben Stunde wieder was unternehmen.“

Obwohl der Olympiadritte Deutschland auch in der neuen FIFA-Weltrangliste als Dritter hinter USA und Spanien geführt wird, wollte der Bundestrainer nicht so offensiv vom EM-Titel reden wie Julian Nagelsmann vom WM-Triumph. Er sei „überzeugt, dass wir ein gutes Turnier spielen werden. Wir können eine gewisse Euphorie in Deutschland und intern entfachen. Dann ist alles möglich.“

Im EM-Viertelfinale in der Schweiz drohen Hochkaräter

Immerhin für Sportdirektorin Nia Künzer ist aus der Erfahrung als Spielerin diese Mission im Nachbarland „mit dem Zielbild Titel“ verknüpft. Auf den achtfachen Europameister warten nach dem Auftaktspiel gegen Polen in St. Gallen (4. Juli) noch Dänemark in Basel (8. Juli) und Schweden in Zürich (12. Juli) im kompakten 16er-Format. Im Viertelfinale drohen Hochkaräter wie Frankreich oder Titelverteidiger England. Von dort waren die deutschen Fußballerinnen trotz des verlorenen Finals 2022 als „EM-Heldinnen“ zurückgekehrt – und dafür am Frankfurter Römer nach beherzten Auftritten ausgiebig abgefeiert worden. Elf Akteurinnen sind jetzt erneut dabei.

Der Kader

Tor: Ann-Katrin Berger, Stina Johannes, Ena Mahmutovic

Abwehr: Giulia Gwinn, Kathrin Hendrich, Franziska Kett, Sophia Kleinherne, Rebecca Knaak, Sarai Linder, Janina Minge, Carlotta Wamser

Mittelfeld/Angriff: Jule Brand, Klara Bühl, Selina Cerci, Sara Däbritz, Linda Dallmann, Laura Freigang, Giovanna Hoffmann, Sydney Lohmann, Sjoeke Nüsken, Lea Schüller, Elisa Senß, Cora Zicai

Auf Abruf: Alara Sehitler, Rafaela Borggräfe, Gia Corley, Laura Dick, Vivien Endemann, Lisanne Gräwe, Maria Luisa Grohs, Paulina Krumbiegel, Shekiera Martinez, Felicitas Rauch, Pia-Sophie Wolter

Rubriklistenbild: © Philipp Von Ditfurth/dpa

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