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Die Rückkehr von Ski-Größen wie Lindsey Vonn und Marcel Hirscher hat für großes Aufsehen gesorgt. Maria Höfl-Riesch fehlt das Verständnis dafür.
München – Comebacks von ehemaligen Superstars scheinen im Ski-Sport aktuell sehr im Trend zu liegen. Zuletzt sorgte die Rückkehr von Marcel Hirscher für Gesprächsstoff – was jedoch auch daran lag, dass seine Saison aufgrund eines Kreuzbandrisses bereits nach wenigen Wochen bereits wieder vorbei ist. Sogar über ein endgültiges Karriereende wird spekuliert.
Mit ähnlich großem Interesse wird das Comeback der 40-jährigen Lindsey Vonn begleitet. Die US-Amerikanerin plant, am kommenden Wochenende offiziell auf die Piste zurückzukehren, wenn auch nur bei einem unterklassigen Rennen des Weltverbandes Fis in Copper Mountain/Colorado. Vielerorts wird ihr Comeback-Abenteuer gefeiert – ihre ehemalige Dauer-Rivalin Maria Höfl-Riesch sieht den Schritt allerdings eher skeptisch.
Höfl-Riesch sieht Comeback von Ski-Superstar Lindsey Vonn skeptisch: „Kann es nicht verstehen“
„Ich kann es nicht verstehen“, erklärt die dreimalige Olympiasiegerin im Interview mit web.de. „Ich finde es aber mutig und bewundernswert. Aber ich kenne sie lange genug. Sie wird sich das gut überlegt haben. Und klar: Wenn so Superstars zurückkommen, ist es immer gut für den Sport.“
Ein eigenes Comeback schließt Höfl-Riesch, die nach den Olympischen Spielen 2014 ihre Karriere beendete, kategorisch aus. Nach zehn Jahren in den Wettkampf zurückzukehren, macht aus ihrer Sicht wenig Sinn: „Ich wurde schon öfter im Scherz darauf angesprochen. Diese Comebacks werden teilweise ziemlich belächelt. Ich sehe keine Veranlassung dazu, nach zehn Jahren zurückzukehren. Das würde ich niemals machen.“
Höfl-Riesch kritisiert Vonn-Comeback: Hirscher-Drama dient als mahnendes Beispiel
Dabei spielen auch die Risiken, die solch eine Rückkehr auf die Piste nach jahrelanger Pause mit sich bringt, eine große Rolle. „Es ist immer ein Risiko dabei, wenn man so ein Comeback wagt. Klar, viele bewundern einen dafür. Und wenn es gut laufen sollte, ist das eine Sensation. Aber die Chancen, dass es so läuft, sind nicht besonders groß. So realistisch muss man sein“, erklärte die 40-Jährige im Gespräch mit web.de.
Die dramatische Rückkehr von Marcel Hirscher dürfte ein mahnendes Beispiel sein. Bei seinem ersten Rennen nach seiner Rückkehr fuhr der unter holländischer Flagge fahrende Hirscher sogar gleich in die Punkte. Nach dem verheißungsvollen Saisonauftakt folgten dann die Dämpfer bei den Slaloms von Levi und Gurgl, wo der 35-Jährige die Punkteränge verpasste. In einer Trainingseinheit riss er sich dann das Kreuzband und muss sich nun Gedanken über ein endgültiges Karriereende machen.
Auch Höfl-Riesch erlitt in ihrer Karriere schwere Verletzungen: „Darf Ziel nie aus den Augen verlieren“
Auch Höfl-Riesch, die zuletzt von ihrem Domizil am Gardasee erzählte, erlebte in ihrer Laufbahn einige Rückschläge, darunter schwere Verletzungen. „Ich habe mir zweimal innerhalb von einem Jahr das Kreuzband gerissen und musste zweimal wieder ganz von vorne anfangen. Und das alles am Anfang meiner Karriere“, erinnert sie sich zurück.
Neben dem kräftezehrenden Reha-Prozess nach einer solch schweren Verletzung stellt allerdings vor allem die mentale Belastung eine enorme Herausforderung dar. Wie meistert man so eine Situation? „An seine Stärken zu glauben und die negativen Gedanken so gut es geht auszublenden, ist wichtig, wenn man unter Druck steht und viel von einem erwartet wird“, empfielht Höfl-Riesch. „Man muss sein Ziel im Kopf haben und darf es nie aus den Augen verlieren.“
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Höfl-Riesch hat sich mit Leben nach der Sport-Karriere angefreundet
Als eine der erfolgreichsten deutschen Skirennläuferinnen kann Höfl-Riesch auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken. Neben ihren olympischen Triumphen gewann sie den Gesamtweltcup und mehrere Weltmeisterschaften.
Mittlerweile hat sie sich jedoch auch mit dem Leben nach ihrer aktiven Ski-Karriere angefreundet. „Ich baue das Thema Keynotes und Vorträge aus. Über Erfolg oder mit Erfolgsdruck und Rückschlägen umzugehen. Und ansonsten bin ich im Winter nach wie vor für Sponsoren im Ski-Weltcup unterwegs oder mache Skitage mit Gästen.“
Ihr Plan für das kommende Wochenende dürfte wohl auch schon stehen: Das mit Spannung erwartete Comeback ihrer langjährigen Rivalin Lindsey Vonn verfolgen. (kus)
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