VonPeter Gradschließen
Seit bekannt wurde, dass der Vertrag von Thomas Müller bei seinem Herzensverein, dem FC Bayern, nicht verlängert wird, gibt es viele Spekulationen. Was würde man ihm als Freund raten.
München - Hängt Thomas Müller im Sommer seine Fußballstiefel an den Nagel oder ergänzt er seine grandiose Karriere mit einem weiteren Kapitel? Die Medien überschlagen sich derzeit mit Berichten, welche Optionen ihm als aktiver Kicker noch offen stehen würden. Darunter sicherlich einige seriöse, aber auch ziemlich abwegige. Das größte Interesse scheint aus den Vereinigten Staaten zu kommen.
Major League Soccer zeigt größtes Interesse an Müller
Wie die SportBild berichtete, will die nordamerikanische Major League Soccer (MLS) den Urbayern unbedingt verpflichten. Ein Treffen der Bosse aller MLS-Vereine soll ergeben haben, dass der 35-Jährige das „Transferziel Nummer 1“ der Liga sei. Man sei sich einig, dass unabhängig davon, zu welchem Klub er wechseln würde, auch alle anderen Vereine davon profitieren würden, einen so großen Namen in der Liga zu haben.
Die Erfahrungen der FCB-Legenden in den USA: Der Kaiser als „Pionier“
Beim FC Bayern gab es schon einige Legenden, die diesen Schritt gegangen sind. Nicht jeder wurde dabei glücklich. Die größte Erfolgsstory schrieb sicherlich der „Kaiser“ höchstpersönlich. Franz Beckerbauer wagte 1977 den Sprung über den „großen Teich“ - als 31-Jähriger noch auf dem absoluten Leistungszenit, aber mit privaten Problemen, die das deutsche Finanzamt noch erheblich verstärkte. Anfangs sogar noch zusammen mit dem brasilianischen Fußballidol Pele mischte er mit Cosmos New York die US-amerikanische „Operettenliga“ auf.
Auf welchem Niveau der amerikanische Fußball damals tatsächlich war, zeigte ein Freundschaftskick im Olympiastadion in der Münchner Vorbereitung auf die Bundesligasaison im August 1978: Der FC Bayern, der sich zu dem Zeitpunkt weit entfernt von seinen glorreichen Zeiten befand, demütigte den Kaiser mit seinem neuen Team mit sage und schreibe 7:1.
Die US-Abenteuer von Gerd Müller und Matthäus floppen
Trotzdem folgte ihm sein Freund Gerd Müller mitten in der nachfolgenden Saison, selbst weit entfernt von den überragenden Leistungen früherer Jahre. Frustriert und demoralisiert schloss er sich den Fort Lauderdale Strikers in Florida an. Sportlich ein großer Flop, den er versuchte, mit Alkohol herunterzuspülen.
Auch Lothar Matthäus folgte seinem großen Vorbild und Mentor Beckenbauer, als er im März 2000 wie Müller den FC Bayern mitten in der Saison Richtung New York zu den Metro Stars verließ. Wie beim Gerd ein großer Fehler: Der damals fast 39-Jährige und seine FCB-Teamkollegen waren in Höchstform. Der CL-Titel, dem er in seiner ganzen Karriere so verzweifelt hinterherlief, schien nach 4:2- und 4:1-Siegen gegen Real Madrid greifbar.
Bayern scheiterte ohne das fehlende Puzzlestück Matthäus im Halbfinale knapp, Lothar krachend in New York, welches er nach nur wenigen Monaten wieder verließ.
„Inkognito“: Schweinsteiger in Chicago happy
Und schließlich noch Bastian Schweinsteiger: Nachdem er unter Pep Guardiola nicht mehr unumstrittener Stammspieler gewesen war, wechselte er im Juli 2015 zum englischen Rekordmeister Manchester United mit seinem früheren FCB-Mentor Louis van Gaal. Dort lief es von Anfang an nicht rund für den Weltmeister von 2014 und gar nicht mehr, als der Niederländer ausgerechnet durch Jose Mourinho ersetzt wurde.
So verließ Schweinsteiger - ebenfalls mitten in der Saison - den regnerischen englischen Norden im März 2017 und schloss sich 32-jährig dem MLS-Club Chicago Fire an, wo er 2019 auch seine Karriere beendete. Die Zeit in den USA beschreibt er heute zwar als seine „schönste Fußballzeit“, was sich allerdings weniger auf das Sportliche bezieht als auf die Tatsache, dass er dort - anders als in München - fast völlig inkognito durch die Straßen Chicagos flanieren konnte.
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Thomas Müllers Situation nicht mit denen von Franz & Co. vergleichbar
Sollte Thomas Müller zum Abschluss seiner glorreichen Karriere ähnliches wie sein früherer Teamkollege Schweinsteiger planen, kann das schon allein deswegen nicht funktionieren, weil die gesamte US-Liga doch plant, ihn - unter anderem neben Messi - zu einem ihrer Gesichter zu machen.
Die geschilderten Fälle der vier FCB-Weltmeister unterscheiden sich alle gewaltig voneinander. Nur Beckenbauer und Schweinsteiger wurden in der US-Liga glücklich, ihre Situationen waren aber nicht ansatzweise mit der aktuellen von Thomas Müller zu vergleichen.
Wohin passt der Urbayer Thomas Müller?
Thomas Müller ist ein extrovertierter Urbayer. Eigentlich gibt es auf dem ganzen Globus nur einen Verein, der zu 100 Prozent für ihn passt. Dort verbringt er gerade seine letzten zwei bis drei Monate (inkl. Klub-WM) als aktiver Spieler. Der 35-Jährige hat einen ganz speziellen Spielstil, er ist beim Rekordmeister der „Raumdeuter“ und war es auch in der Nationalmannschaft - stets von vielen Vereinskollegen umgeben. Intelligent, wenig spektakulär, kein Einzel-, sondern absoluter Teamspieler.
Passt er überhaupt in eine andere ambitionierte Liga? Auch die italienische, die türkische, selbst die brasilianische Liga sollen großes Interesse an ihm angemeldet haben. Ganz ehrlich: Die Frage ist dabei doch weniger, wohin er am besten passt, als viel mehr, wohin er am wenigsten passt. Spielstil, aber auch darüber hinaus Kultur und Landespolitik. Mit was soll Müller „im Land der Ballzauberer“ in Brasilien die Fans begeistern? Ein Thomas Müller lässt sich auch nie den Mund verbieten. Erdogan, Trump...
„Radio Müller“: Außerhalb des Platzes verzaubert (hier schon!) der Oberbayer die Fans mit seinem speziellen - eben bayerischen - Charme, mit seiner Volksnähe. Wenn er nach einem großen Triumph - wie der WM 2014 - scheinbar im urigsten Bayerisch grantelt, wer soll das verstehen, wo findet er seine Lacher?
Der Rat eines „guten Freundes“ für Müller
17 Jahre Profifußball beim FC Bayern, unzählige Titel und Erfolge, denen er noch zwei weitere folgen lassen kann: Deutsche Meisterschaft, es wäre seine dreizehnte(!) und als Sahnehäubchen noch die Klub-WM (ausgerechnet) in den USA. Thomas Müller wird im September 36 Jahre (immer noch) jung - eine andere Station würde eher mehr Risiken als Chancen beinhalten.
Deshalb der Rat eines guten Freundes: Thomas, hör auf und komm baldmöglichst in irgendeiner wichtigen Funktion zum FC Bayern zurück. Der Legenden-Status würde noch weiter anwachsen!
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