Fußball-WM

Katar fährt zur WM – und die Fifa feiert mit

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Unter skurrilen Begleitumständen löst Katar erstmals auf sportlichem Weg das WM-Ticket. Auch Saudi-Arabien ist wieder dabei.

Doha – Vermutlich haben in Doha noch nie so viele Menschen auf dem Rasen und den Rängen gleichzeitig vor Freude geweint. In der Nationalmannschaft von Katar mögen wenig Einheimische spielen, doch die eingebürgerten Kicker aus aller Welt taugen längst zur emotionalen Projektionsfläche. Mit einem hart erkämpften 2:1 gegen die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) hat es der Landzipfel der Arabischen Halbinsel erstmals auf sportlichem Wege zu einer Fußball-Weltmeisterschaft geschafft. Auf der Tribüne prangte bald ein Banner mit der Aufschrift „We did it“.

Jubel, Trubel, Heiterkeit nach dem Abpfiff in Doha.

Der Emir von Katar, Scheich Tamim bin Hamad Al Thani, gratulierte überschwänglich: „Tausend Glückwünsche an unser Volk und unsere Nationalmannschaft zum Sieg und zur Qualifikation für die Weltmeisterschaft. Wir sind stolz auf diesen ehrenvollen Erfolg.“ Der Herrscher nahm den Kraftakt mit Kusshand: Eine Landgrenze zu den Emiraten gibt es nicht, aber eine Seegrenze im Arabischen Golf – und ein Wetteifern um Einfluss in der ganzen Welt. Politisch, wirtschaftlich, kulturell und militärisch sind die Interessen oft unterschiedlich. Beide Länder eint, den Sport als Machtfaktor zu nutzen. Die Begeisterung für den Fußball im eigenen Land muss allerdings wachsen.

Tickets gebucht

Insgesamt 28 Nationen sind bereits für die WM, die am 11. Juni im Aztekenstadion von Mexiko City beginnt und am 19. Juli mit dem Finale in East Rutherford bei New York endet, qualifiziert.

Gastgeber (3): USA, Mexiko, Kanada

Südamerika (6): Argentinien, Brasilien, Kolumbien, Uruguay, Ecuador, Paraguay

Afrika (9): Marokko, Tunesien, Ägypten, Algerien, Ghana, Kap Verde, Elfenbeinküste, Südafrika, Senegal

Asien (8): Japan, Südkorea, Iran, Australien, Jordanien, Usbekistan, Katar, Saudi-Arabien

Europa (1): England

Ozeanien (1): Neuseeland

Nord- und Mittelamerika: noch kein sportlicher Qualifikant ermittelt

Noch offen: 15x Europa, 3x Nord- und Mittelamerika, 2x interkontinentales Playoff-Turnier

Wer von der WM 2022 noch Scheichs in Erinnerung hat, die beim Eröffnungsspiel Katar gegen Ecuador (0:2) ob der krassen Unterlegenheit ihres Teams weit vor dem Abpfiff die Flucht aus dem Wüstenstadion Al-Bayt ergriffen, bekam im Jassim Bin Hamad Stadion das Kontrastprogramm aufgeführt. Vor drei Jahren hatten die Franzosen hier abgeschirmt trainiert, nun legten 15.000 Menschen in den weißen Gewändern irgendwann ihre Handys beiseite, um leidenschaftliche Unterstützung zu leisten.

Pedro Correira köpft Katar zur WM

Nach der Führung durch den in Algerien geborene Boualem Khoukhi (49.) nahm die Hektik minütlich zu – und Schiedsrichter Ilgiz Tantashev (Usbekistan) verlor zunehmend die Übersicht. Als immer wieder Plastikflaschen flogen, forderte der Referee die Gästeakteure dazu auf, beim Säubern des Spielfeldes mit anzupacken.

Emirate-Torwart Khalid Eisa half bald noch anders mit: Dass sich ein Keeper bei einer weiten Freistoßflanke verschätzt, kann ja vorkommen – aber das einer nicht mal die Arme beim Herauslaufen hebt, sodass der in Portugal geborene Pedro Correia ungehindert zum vorentscheidenden 2:0 einköpfte (74.), wirkte fast so, als habe ihm jemand die Abwehraktion verboten. Grotesk, wie der Hausherr in der Folgezeit an der Uhr drehte. Auf den überbordenden Torjubel folgten theatralische Schauspieleinlagen.

WM 2026: In diesen Stadien wird bei der Mega-Weltmeisterschaft gespielt

Vancouver/Kanada: BC Place Stadium. Kapazität: 21 000-54 320.
Vancouver/Kanada: BC Place Stadium. Kapazität: 21.000-54.320. © IMAGO/Anne-Marie Sorvin
Monterrey/Mexiko: Estadio BBVA Bancomer. Kapazität: 51.000.
Monterrey/Mexiko: Estadio BBVA Bancomer. Kapazität: 51.000. © IMAGO/Jorge Martinez
Guadalajara/Mexiko: Estadio Akron. Kapazität: 45.500.
Guadalajara/Mexiko: Estadio Akron. Kapazität: 45.500.  © IMAGO/Carlos Zepeda
Toronto/Kanada: BMO Field. Kapazität: 30.991.
Toronto/Kanada: BMO Field. Kapazität: 30.991. © IMAGO/Tom Szczerbowski
Seattle: Lumen Field. Kapazität: 67.000.
Seattle: Lumen Field. Kapazität: 67.000.  © IMAGO/Joe Nicholson
Mexiko City/Mexiko: Aztekenstadion. Kapazität: 81.070.
Mexiko City/Mexiko: Aztekenstadion. Kapazität: 81.070. © imago sportfotodienst
Miami: Hard Rock Stadium. Kapazität: 65.326.
Miami: Hard Rock Stadium. Kapazität: 65.326. © IMAGO/Jasen Vinlove
San Francisco: Levi‘s Stadium. Kapazität: 68.500.
San Francisco: Levi‘s Stadium. Kapazität: 68.500.  © Douglas Stringer/Icon Sportswire via www.imago-images.de
Philadelphia: Lincoln Financial Field. Kapazität: 69.176.
Philadelphia: Lincoln Financial Field. Kapazität: 69.176. © IMAGO/Andy Lewis/Icon Sportswire
Dallas: A&T-Stadium. Kapazität: 80.000 bis 108.713
Dallas: A&T-Stadium. Kapazität: 80.000 bis 108.713 © Imago/Robin Alam/Icon Sportswire
New York/ New Jersey: MetLife Stadium. Kapazität: 82.500.
New York/ New Jersey: MetLife Stadium. Kapazität: 82.500. © IMAGO/Dennis Schneidler
Los Angeles: SoFi Stadium. Kapazität: 70.270 bis 100.240
Los Angeles: SoFi Stadium. Kapazität: 70.270 bis 100.240 © IMAGO/Kirby Lee
Kansas City: Arrowhead Stadium. Kapazität: 76.416
Kansas City: Arrowhead Stadium. Kapazität: 76.416 © Imago/Robin Alam/Icon Sportswire
Houston: NRG Stadium. Kapazität: 71.500
Houston: NRG Stadium. Kapazität: 71.500 © Imago/John Glaser
Boston: Gilette Stadium. Kapazität: 68.756.
Boston: Gilette Stadium. Kapazität: 68.756. © IMAGO/Marc Schueler
Atlanta: Mercedes-Benz Stadium. Kapazität: 71.000
Atlanta: Mercedes-Benz Stadium. Kapazität: 71.000  © Imago/ Cecil Copeland

Mehrfach machte der gebürtige Rumäne Cosmin Olaroiu als Coach der Emirate seinem Unmut Luft. Doch mehr als das Anschlusstor durch Sultan Adil (90.+8) sprang in 15 Minuten Nachspielzeit nicht heraus. Während sich der Verlierer noch in Entscheidungsspielen gegen Irak für das WM-Playoff-Turnier im März 2026 qualifizieren kann, kannte die Freude beim Sieger keine Grenzen.

Der Party-Klassiker „Freed from Desire“ dröhnte kurz vor Mitternacht aus den Lautsprechern. Westliche Orientierung ist in Doha beim Feiern gewöhnlich nur hinter verschlossenen Türen erlaubt, aber der Fußball reißt moralische Mauern immer noch am schnellsten ein.

Doha feiert lautstark die WM-Qualifikation

Es entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, dass zeitgleich auch Saudi-Arabien durch ein 0:0 gegen den Irak zum siebten Male die Zulassung zu einer Endrunde ergatterte. Wie der letzte WM-Veranstalter hatte auch der WM-Ausrichter 2034 von der Asiatischen Fußball-Konföderation (AFC) in dem fragwürdigen Modus einer Dreierrunde gewiss nicht zufällig für die letzte Partie das Heimrecht und am zweiten Spieltag die Ruhepause erhalten. So wussten die beiden steinreichen Nationen ganz genau, welches Resultat ihnen genügen würde. Die Bevorteilung brachte viele Konkurrenten auf die berühmte Palme, die in Dubai ins Wasser gebaut wurde.

Dass es Fifa-Präsident Gianni Infantino gefällt, dass die Golfstaaten beim Mammutturnier in Nord- und Mittelamerika in möglichst großer Zahl mitspielen, liegt wegen eines geldwerten Vorteils auf der Hand. Die katarische Fluggesellschaft Qatar Airways und der saudische Energieriese Aramco gehören zu den zahlungskräftigsten Fifa-Sponsoren.

Die Erweiterung auf 48 Teilnehmer hatte der Weltverband ja vor allem deshalb gegen alle Bedenken durchgedrückt, um den bevölkerungsreichen und fußballbegeisterten Konföderationen aus Asien und Afrika mehr Teilhabe zu garantieren. Im besten Fall können asiatische und afrikanische Teams an der WM 2026 bis zu 19 Teilnehmer stellen. Das Kontingent für Europa wurde hingegen von 13 nur moderat auf 16 Plätze erhöht. Ziemlich klar, wohin der Ball für die Zukunft rollen soll.

Rubriklistenbild: © Karim Jaafar/AFP

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