Wer folgt auf Manuel Neuer?

Keeper-Urgestein: So kann sich Urbig beim FC Bayern durchsetzen

  • schließen

Ludwig Trifellner zählte in den 1980er-Jahren zum Torwartteam des FC Bayern. So blickt er auf die Keeper-Konstellation beim deutschen Rekordmeister.

München – Ludwig Trifellner zählte von 1981 bis 1985 zum Torwartteam des FC Bayern. Damals steckten die Münchner auf der Torwartposition wohl in einer ähnlichen Situation wie heute. Der legendäre Sepp Maier hatte 1980 seine Karriere beendet, die Bayern taten sich dann lange Zeit schwer, eine echte Nummer eins zu etablieren.

Nachfolger-Suche für Neuer läuft an

Rund 45 Jahre später muss sich der FC Bayern wieder darauf einstellen, bald einen legendären Torwart zu ersetzen: Manuel Neuer. Zwar verlängerte der 38-Jährige seinen Vertrag nochmal um ein Jahr bis 2026, das Karriereende naht dennoch. Und es ist jetzt schon zu spüren, wie der deutsche Rekordmeister erneut zahlreiche Torhüter testet, um bald eine neue starke Nummer eins im Tor zu besitzen.

Ludwig Trifellner lehnt allerdings einen direkten Vergleich von Sepp Maier und Manuel Neuer ab. „Natürlich war Sepp Maier ein überragender Torhüter! Mit Maier konnte der FC Bayern und die deutsche Nationalmannschaft alle Titel gewinnen“, betont Trifellner im Gespräch mit fussball.news und lobt Maier: „Er war seiner Zeit weit voraus, er war reaktionsschnell und er besaß eine überragende Strafraumbeherrschung.“

Neuer verlängert Vertrag bis 2026

Dennoch bewege man sich beim Thema Manuel Neuer in ganz anderen Sphären. „Neuer hat das Torwartspiel revolutioniert. Neuer war Anfang der 2010er-Jahre Vorbild für die komplette Torwartwelt. Seine fußballerische Qualität ist auch heute noch unglaublich.“ Daher begrüßt es Trifellner, dass Neuer nochmal ein Jahr beim FC Bayern dranhängt.

„Neuer ist immer noch einer der besten Torhüter der Welt. Zuletzt fehlte ihm manchmal nur das Spielglück“, so Trifellner, der selbst eine Torwartschule (Way4Keeper) aufgebaut hat und beim Bayerischen Fußballverband in die Ausbildung der Torwarttrainer involviert ist. Zudem ist er für die DFB-Stützpunkte in Südbayern für die Talentsichtung der Torhüter verantwortlich. „Ich helfe Torhütern auch bei ihrer Karriereplanung“, verrät Trifellner, der mit seinen 66 Jahren einen exzellenten Überblick über die Torhüterszene in Deutschland besitzt.

Urbig erlitt beim 1. FC Köln Rückschlag

So ist es für ihn keine Überraschung, dass der FC Bayern dem 21-jährigen Jonas Urbig nun eine Chance einräumt, in naher Zukunft Nachfolger von Manuel Neuer zu werden. „Urbig befand sich in seiner Zeit bei Greuther Fürth in überragender Form“, sagt Trifellner. Bei Zweitligist 1. FC Köln musste Urbig dagegen zuletzt einen Rückschlag hinnehmen. Nach wenigen Einsätzen und zahlreichen Niederlagen wurde Urbig auf die Ersatzbank verbannt. „Es lief bei Köln nicht, dann probiert es der Trainer mit einem erfahrenen Torhüter wie Marvin Schwäbe, die Mannschaft gewinnt ein DFB-Pokal-Spiel – und schon ist der Machtkampf im Tor verloren“, erklärt Trifellner die harte Realität für Torhüter.

Jonas Urbig kam vom 1. FC Köln zum FC Bayern.

Was Urbig von Nübel unterscheidet

Er glaubt aber an das Talent von Urbig, seine Geduld – und an seine Lust, von Welttorhüter Manuel Neuer zu lernen. „Ich denke“, so Trifellner, „das war ein bisschen das Problem von Alexander Nübel. Mit seinem großen Ehrgeiz verlor er womöglich die Geduld und wollte zu schnell das Erbe von Manuel Neuer antreten. Als ihn der FC Bayern 2020 von Schalke 04 verpflichtet hatte, war er aber mit der beste Torwart in seiner Generation“, betont Trifellner. Nübel verließ 2021 den FC Bayern auf Leihbasis, der 28-Jährige spielt nun beim VfB Stuttgart – und obwohl er gute Leistungen zeigt, wirkt es so, als würde Nübel die Nachfolge von Manuel Neuer beim FC Bayern nicht antreten.

Trifellner wurde mit FC Bayern deutscher Meister

„Für Torhüter ist auch der Faktor Mentalität sehr wichtig“, betont Trifellner, der selbst mit dem FC Bayern 1981 deutscher Meister wurde und später als Torwarttrainer seinen Anteil daran hatte, dass der TSV 1860 München 1994 in die Bundesliga zurückkehrte. Insgesamt sieht Trifellner bei der Ausbildung von deutschen Torhütern Nachholbedarf, weshalb er gerne mit jungen Keepern zusammenarbeitet, um sie auf ihren Weg nach oben zu begleiten.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Ulrich Wagner

Kommentare