Er stürmte einst dort

Kein BVB-Deal? Bundesligist will Wagner unbedingt

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Sandro Wagner legt seine Aufgaben als DFB-Co-Trainer nieder. Nach BVB-Gerüchten soll ein weiterer Bundesligist großes Interesse bekundet haben.

Dortmund – Die Nachricht schlug ein wie ein Hammer: Sandro Wagner verlässt den Deutschen Fußball-Bund. Zwar nicht unmittelbar, aber nach dem Final Four der UEFA Nations League Anfang Juni ist Schluss für den aktuellen Co-Trainer der deutschen Nationalmannschaft.

Nach Wagner-Knall beim DFB: Schlägt der BVB diesmal zu?

Wagner, der seit September 2023 im Staff von Bundestrainer Julian Nagelsmann mit dabei ist, war bereits im Januar beim BVB im Gespräch. Nuri Sahin war frisch entlassen worden, die Position des Dortmund-Trainers vakant. Und kein Geringerer als BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke soll laut Bild-Informationen ein großer Fürsprecher von Wagner sein.

Die Borussia holte letztlich zwar Niko Kovač und stattete diesen mit einem Vertrag bis Sommer 2026 aus. Doch obwohl der Kroate den Verein in einer katastrophalen Lage stabilisierte, gilt Kovač nicht als unanfechtbar. Und der wiederum frisch auf dem Markt verfügbare Wagner könnte wieder überaus interessant sein. Wie elektrisierend es im Signal-Iduna-Park zur Sache gehen kann, bekam Wagner übrigens erst kürzlich zu spüren. Da spielte die deutsche Nationalmannschaft nämlich im Nations-League-Viertelfinale gegen Italien in Dortmund 3:3 – nach einer berauschenden ersten Halbzeit samt 3:0-Führung.

DFB-Einzelkritik gegen Italien: Deutschland glänzt und bangt – hier alle Noten

Fussball UEFA Nations League, Deutschland - Italien, Baumann
Oliver Baumann: Musste in einer grandiosen ersten Halbzeit gegen Italien – Deutschland führte nach 45 Minuten schon mit 3:0 und verbuchte selbst 18 Torschüsse – keinen einzigen Ball halten. Dann aber wurde es noch mal brenzlig. Den ersten Schuss aufs Tor versenkte Kean nach Fehler von Sané eiskalt flach im Eck (49.), auch beim zweiten war Baumann machtlos (69.) und Raspadoris Elfmeter konnte er überdies nicht halten (90. +5). Note: 4 © Jerry Andre/Imago
Tah Deutschland Italien
Jonathan Tah: Starke eingesprungene Grätsche, um vor Kean zu klären (7.). Spielte in der ersten Halbzeit 38 Pässe – jeder kam an! In der zweiten Halbzeit nicht mehr so akkurat. Hinderte Kean beim zweiten Italien-Tor nicht am Abschluss. Note: 3 © Kudryavtsev/AFP
GER, Nations League, Deutschland vs Italien, Rüdiger
Antonio Rüdiger: Überzeugte mit einer starken Zweikampfquote. Italien sah 45 Minuten lang gegen die stabile DFB-Defensive überhaupt keinen Stich, was auch sein Verdienst war. In Halbzeit zwei noch einer der stabileren DFB-Profis. Note: 2,5 © Christian Schulze/Nordphoto/Imago
Fussball Nations-League: Deutschland - Italien, Schlotterbeck
Nico Schlotterbeck: Durfte in seinem Heimstadion von Beginn an ran. Zeigte eine außergewöhnlich engagierte Leistung mit viel Offensivdrang und verbuchte zahlreiche Ballgewinne. Eine starke Vorstellung des BVB-Profis – und etwas im Glück, dass seine Berührung an di Lorenzo nicht zum Elfmeter für Italien führte. Note: 2 © Bernd Feil/M.i.S./Imago
23.03.2025 Fussball UEFA Nations League Deutschland vs Italien, Kimmich
Joshua Kimmich: Der Kapitän verwandelte seinen Elfmeter eiskalt zum 1:0 für Deutschland in der 32. Minute flach ins Eck. Schlug gedankenschnell die Ecke, die zum 2:0 führte (39.). Auch am 3:0 per Vorlage beteiligt (45.). Sehr präsent, sehr sicher im Spielaufbau. An jedem der fünf DFB-Tore in Hin- und Rückspiel direkt beteiligt. Kleine Abzüge, weil auch er in Halbzeit zwei zu schwimmen begann. Note: 1,5 © Horst Mauelshagen/pepphoto/Imago
Deutschland-Italien, Stiller
Angelo Stiller: Im Rückspiel gegen Italien spielte er von Anfang an. Rechtfertigte seine Aufstellung durch Giftigkeit im Zweikampf, gutes Pressing und sauberes Passspiel. Sehr stark bis zu seiner Auswechselung nach einer guten Stunde. Note: 1,5 © Behrendt/Imago
Fussball UEFA Nations League, Deutschland - Italien, Goretzka
Leon Goretzka: Sein Traumpass auf Kleindienst ermöglichte den Elfmeter nach einer guten halben Stunde und so die Deutschland-Führung gegen Italien. Wenige Augenblicke später köpfte er selbst knapp übers Tor. Wieder eine gute Leistung des Hinspiel-Helden. Note: 2,5 © Gerhard Schultheiß/Imago
Deutschland Italien Mittelstädt
Maximilian Mittelstädt: Rückte in die Startelf und verbuchte schon nach wenigen Sekunden den ersten DFB-Abschluss. Anfangs sehr offensiv, fehlte dann manchmal hinten. Eine kurze Absprache mit Trainer Nagelsmann löste das Problemchen. Im weiteren Spielverlauf weniger auffällig, bis er in der Nachspielzeit im Strafraum den Ball mit der Faust spielte und so den Elfmeter zum 3:3 verschuldete. Note: 4,5 © Kudryavtsev/AFP
23.03.2025, Fußball, Viertelfinale UEFA Nations League, Deutschland - Italien, Sané
Leroy Sané: Der Ex-Schalker zeigte in Dortmund in der 1. Halbzeit eine eher unauffällige Leistung. Ackerte aber auch fleißig mit und bekam für sein Nachsetzen kurz vor der Pause Szenenapplaus im Signal Iduna Park. Bitter jedoch sein grober Fehlpass, den Kean zum 1:3-Anschlusstreffer aus Italien-Sicht verwertete. Note: 4,5 © Maximilian Koch/Imago
Fussball UEFA Nations League, Deutschland - Italien, Musiala
Jamal Musiala: Sehr bemüht und auffällig, blieb anfangs noch mit seinen Versuchen an der Strafraumgrenze hängen. Dann hellwach bei Kimmichs Ecken-Trick, musste nur noch zum 2:0 für die DFB-Elf ins leere Tor einschieben. Dreh- und Angelpunkt in Halbbzeit eins, später nicht mehr so spielfreudig. Note: 2 © Gerhard Schultheiß/Imago
Kleindienst Deutschland Italien
Tim Kleindienst: Ersetzte den erkrankten Burkardt. Robust im Zweikampf, bot sich immer wieder an – in der Luft wie am Boden ein ständiger Gefahrenherd. Holte gegen Buongiorno den Elfmeter raus, der zum 1:0 für Deutschland führte. Donnarumma lenkte seinen Kopfball kurz vor dem 2:0 für das DFB-Team über die Latte. Das 3:0 machte er dann per Kopf selbst. Note: 1,5 © Kudryavtsev/AFP
Nations League (VF) Deutschland - Italien 2024/2025
Nadiem Amiri: Kam in der 63. Minute für Leon Goretzka. Konnte keine positiven Akzente setzen. Note: 4,5 © Matthias Koch/Imago
2025, Groß
Pascal Groß: Ersetzte Angelo Stiller nach 63 Minuten. Verschuldete das zweite Italien-Tor, weil er das Mittelfeld nicht zu bekam, beziehungsweise auf ein taktisches Foul verzichtete. Note: 5 © ANP/Imago
Dortmund 23.03.2025: Deutschland vs. Italien, Adeyemi
Karim Adeyemi: Ab Minute 63 für Leroy Sané im Spiel. Holte sich früh für ein Foulspiel die Gelbe Karte ab. Mehrere Kontersituationen spielte er nicht sauber aus. Note: 4,5 © Marc Schueler/Imago
23.03.2025, Fußball, Viertelfinale UEFA Nations League, Deutschland - Italien, Bisseck
Robert Andrich (77. für Jamal Musiala) und Yann Aurel Bisseck (77. für Antonio Rüdiger – feierte sein Deutschland-Debüt) bleiben wegen zu kurzer Spielzeit in der Einzelkritik: Ohne Note © Maximilian Koch/Imago

Macht Hoffenheim das Wagner-Rennen?

Derweil steht Wagner auch bei anderen Bundesligisten hoch im Kurs. Allen voran bei der TSG Hoffenheim. Das Keller-Kind hat den Abstiegskampf fast gewonnen. Dennoch lief die Saison für den Tabellen 15. alles andere als nach Plan. Erst im Winter übernahm Christian Ilzer als Cheftrainer. Die erhoffte Wende blieb aus. Der Österreicher könnte bereits im Sommer wieder seine Koffer packen.

Laut SportBild ist Ex-TSG-Spieler Wagner der auserkorene Nachfolger. Bereits vor Ilzers Amtsantritt soll sich die TSG mit Wagner beschäftigt haben. Damals hagelte es Absagen. Nun möchte sich Wagner neu orientieren. Hat Hoffenheim diesmal eine Chance? Die einstige Identifikationsfigur soll auch die Ticketverkäufe des Vereins ankurbeln.

Sandro Wagner vor der Nations-League-Partie gegen Italien – in Dortmund.

BVB, TSG, Bayer 04 – Wohin zieht es Sandro Wagner?

Bei einem Dortmunder Konkurrenten um die CL-Quali könnte der Name Wagner ebenfalls fallen. RB Leipzig installierte zwar erst Ende März Zsolt Löw auf dem Trainerposten, der 45-Jährige erhielt allerdings nur einen Kontakt bis zum Saisonende. Was RB in die Karten spielen könnte: Wagners aktueller „Trainerchef“ Nagelsmann hatte eine sehr erfolgreiche Zeit bei den Leipzigern und wird seinem Noch-Co-Trainer womöglich Gutes berichten können.

Auch in Leverkusen könnten sich die Verantwortlichen durchaus Gedanken über Wagner machen. Zum einen sind die Leitungen zu DFB-Sportdirektor und Bayer-Legende Rudi Völler kurz, zum anderen setzt Bayer 04 bei der Verpflichtung von Xabi Alonso schon einmal auf einen recht unerfahrenen Trainer. Der Rest der Geschichte ist bekannt – und macht Alonso mittlerweile zu einem heißen Trainerkandidaten bei Real Madrid.

Als Begründung seines DFB-Abgangs nennt Wagner eigene Trainer-Ambitionen. Bereits im Januar sagte Wagner, dass er den Vereinsfußball vermisse: „Mir fehlt das definitiv. Ich glaube, jedem jungen Trainer geht das so. Ich bin jetzt 37 Jahre alt. Ich brenne auf alles, was kommt.“ Und auch jetzt ließ er in der DFB-Erklärung wissen: „Ich möchte bald den nächsten Schritt gehen. Es ist kein Geheimnis, dass es mein großer Wunsch ist, irgendwann selbst als Cheftrainer zu arbeiten. Mit dem Start meiner Fußballlehrer-Ausbildung im Januar ist mir das immer klarer geworden.“

Bundestrainer Nagelsmann und Sportdirektor Völler schwärmen von Wagner

Beim DFB drücken sie dem bald abwandernden Co-Trainer jedenfalls die Daumen. Julian Nagelsmann wurde in Wagners Abschieds-Statement wie folgt zitiert: „Ich kann Sandros Wunsch, Cheftrainer zu werden, persönlich gut nachvollziehen und respektiere seine Entscheidung. Wir hatten dazu einen guten und stets transparenten Austausch. Sandro hat unser Team mit seiner Expertise und als Person bereichert.“

Sportdirektor Völler fand ebenso lobende Worte: „Am begeisternden Auftritt unserer Mannschaft hatte auch er einen entscheidenden Anteil. Ich bin mir sicher, dass wir Sandro schon bald als Cheftrainer an der Seitenlinie wiedersehen werden. Er wird seinen Weg gehen!“ Bleibt nur die Frage: Wo? (rele)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Kirchner-Media/Thomas Haesler

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