Kapitänsamt

Kevin Trapp: Endlich in Amt und Würden

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Strahlemann: Kevin Trapp.
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Nur logisch, dass Torwart Kevin Trapp nach dem Abschied von Sebastian Rode Kapitän von Eintracht Frankfurt wird / Wechselt Arthur Theate zur Eintracht?

Am Donnerstag nach dem Training hat Eintracht Frankfurts Trainer Dino Toppmöller seinen Torwart Kevin Trapp für ein persönliches Gespräch zur Seite genommen. Thema: Die Nachfolge von Kapitän Sebastian Rode, der ja vor ein paar Wochen seine Karriere beendet hatte.

Toppmöller hat Trapp nach einer fast fünfwöchigen Vorbereitungszeit und vier Tage vor dem Pflichtspielstart mit dem Pokalspiel am Montag in Braunschweig zum neuen Kapitän bestimmt und damit im Grunde das Erwartbare offiziell gemacht. In der breiten Öffentlichkeit war die Neubesetzung des Spielführer-Amtes kein wirklich großes Thema, intern aber offenbar schon. Das zeigt die Petitesse, dass längst bevor die Eintracht die Nachricht offiziell verkündet hatte, die „Bild“-Zeitung aus Beraterkreisen einen Tipp bekommen hatte. Das hat die Eintracht durchaus geärgert, ändert aber nichts an den Fakten.

Kevin Trapp, 34 Jahre alt, 345 Pflichtspiele für die Eintracht, ist nun auch der offizielle „Anführer“ der Adler. Trapp gilt schon seit einigen Jahren als Gesicht dieser Eintracht, nun trägt er als sichtbares Zeichen die Binde. Das ist freilich nicht neu für ihn, in den meisten Spielen der letzten Saison hatte er bereits den verletzten Rode vertreten. „Es ist eine Ehre für mich, Kapitän von Eintracht Frankfurt zu sein und in die Fußstapfen von Sebastian Rode und David Abraham zu treten, die das Amt jahrelang vorbildlich ausgeübt haben“, sagte Trapp. „Es ist für mich ein zusätzlicher Ansporn, um gemeinsam mit meinen Teamkollegen, dem Klub und den Fans erfolgreich zu sein.“

Trapp gilt bei der Eintracht nicht nur als Identifikationsfigur, sondern intern auch als Integrationsfigur. Seine Sprachbegabung – er spricht deutsch, französisch, englisch, spanisch, italienisch und portugiesisch – ist in beiden Bereichen sehr hilfreich. Er ist der beliebteste Interviewpartner für nationale und vor allem internationale Medien. Wie kaum ein anderer vertritt er die Belange der Eintracht nach außen. Im inneren Zirkel ist er der einzige, der mit allen seinen Kollegen kommunizieren kann. Dass die Wahl auf Trapp gefallen ist, ist demnach nur logisch.

Meckern sollen andere

Bei einigen anderen Klubs wird der Kapitän von der Mannschaft gewählt, bei der Eintracht wird er seit Jahren wie bei den meisten vom Trainer bestimmt. „Kevin Trapp ist ein echter Führungsspieler bei uns und er hat einen wichtigen Anteil an der Entwicklung der Eintracht in den vergangenen Jahren“, sagte nun Trainer Toppmöller, „Kevin geht nicht nur auf dem Platz durch Leistung, sondern auch durch seine Haltung und Einstellung voran“.

In der neuen Saison kommt dem Amt nochmal eine größere Bedeutung zu. Der Kapitän ist in Zukunft der einzige Spieler einer Mannschaft, der auf dem Platz ungestraft das Gespräch mit dem Schiedsrichter suchen darf. Bei jedem anderen führen die Beschwerden zwangsläufig zu einer gelben Karte. Das wurde für die Europameisterschaft eingeführt, hat sich dort bewährt und wird nun auch in der Liga zur Regel. Damit sollen die sogenannten Rudelbildungen weitestgehend vermieden werden.

Für einen Torwart als Kapitän ist diese Regelung natürlich schwierig umzusetzen. Was allerdings nicht nur für Kevin Trapp gilt. Auch andere Torhüter wie Manuel Neuer in München oder Oliver Baumann in Hoffenheim sind die Spielführer ihrer Mannschaften. Sie werden für die Schiedsrichter in Zukunft nicht die ersten Ansprechpartner sein, sind die Wege auf dem Spielfeld dafür häufig doch schlicht zu weit. Die Regelhüter haben dafür eine denkbar einfache Lösung gefunden. Ist der Torwart der Kapitän, kann die Mannschaft einen x-beliebigen Feldspieler bestimmen, der das Gespräch mit dem Schiedsrichter sucht.

Zurück zur Eintracht, der dies Regelung auch in der internen Hierarchie sehr entgegenkommt. Denn mit Robin Koch und Mario Götze hat der Trainer zwei weitere erfahrene Nationalspieler als Stellvertreter für Trapp benannt. Einer von beiden wird in Zukunft also der „Kapitän auf dem Spielfeld“ sein, auch wenn Trapp die Binde trägt. Dass gefällt sicher auch dem Trainer, der bei seinen Führungsspielern im Grunde gar keine Abstufungen machen wollte.

„Kevin hat seine Führungsstärke auch schon ohne die Kapitänsbinde am Arm bewiesen“, sagt Toppmöller, „das gilt auch für Robin Koch und Mario Götze.“ Trapp ist aus dem Trio der Kapitäne und Führungsspieler am längsten ein „Adler“. Er spielt schon neun Jahre für die Eintracht, seit 2012, unterbrochen von einem Engagement bei Paris St. Germain von 2015 bis 2018. Robin Koch ist erst im vergangenen Sommer zur Eintracht gestoßen, Mario Götze geht in sein drittes Jahr.

Die Suche nach dem Kapitän ist also beendet, die Suche nach einen neuen Innenverteidiger geht weiter. Die französische Zeitung „Le Parisien“ berichtet, dass die Eintracht kurz vor der Verpflichtung des belgischen EM-Teilnehmers Arthur Theate von AS Rennes stehen soll. Der 24 Jahre alte Nationalspieler soll eine Ablösesumme von 16 Millionen Euro kosten, die mit eventuellen Bonuszahlungen auf 19 Millionen Euro steigt.

Von der Eintracht umworben: Arthur Theate.

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