Acht Tore gegen Aufsteiger

FC Bayern überrollt Darmstadt: Drei Einser bei denkwürdigem Schützenfest

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  • Vinzent Tschirpke
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    Hanna Raif

Der FC Bayern hatte am Samstag Darmstadt 98 zu Gast. Eigentlich eine klare Angelegenheit für das Team von Trainer Thomas Tuchel, oder? Die Einzelkritik.

München – Ohne Thomas Müller, aber nach 350 Tagen endlich wieder mit Manuel Neuer! Der FC Bayern hatte am Samstag in der Allianz Arena den Aufsteiger aus Darmstadt zu Gast. Dabei feierte der Kapitän des Rekordmeisters sein Comeback nach seiner im Dezember 2022 erlittenen Schienbeinbruch.

Der 37-Jährige aber sah einen Horror-Start seiner Bayern-Vorderleute. Joshua Kimmich versprang in der 4. Minuten am eigenen Strafraum der Ball, ein Darmstädter ging dazwischen und der Bayern-Star wusste sich nur noch mit einem Foul zu helfen. Die Folge: Rote Karte wegen Notbremse.

FC Bayern gegen Darmstadt 98: Drei Rote Karten in der ersten Hälfte

Die Bayern ließen sich davon wenig beeindrucken, sondern spielten weiter nach vorne. Kurz darauf waren die Gäste nur noch zu zehnt, weil Gjasula nach einem feinen Konter Konrad Laimer am Strafraum als letzter Mann zu Fall brachte. Nach VAR-Check: Ebenfalls Notbremse und Platzverweis. Schiedsrichter Martin Pedersen hatte also alle Hände voll zu tun.

In der 37. Minute war dann Comebacker Neuer im Fokus! Jamal Musiala vertändelte leichtfertig den Ball nach einer Ecke, sodass Mehlen auf einmal alleine vor dem Bayern-Keeper auftauchte. Doch Neuer parierte und hielt so seinen Kasten sauber!

Top-Trio: Harry Kane, Jamal Musiala und Leroy Sané waren an den Treffern des FC Bayern gegen Darmstadt beteiligt.

Blitz-Viererpack: FC Bayern trifft erst im zweiten Durchgang

Und weiter ging‘s mit dem Rot-Festival: Dieses Mal legte Maglica Harry Kane kurz vor dem Strafraum und wieder griff Pedersen in die Gesäßtasche (41.). Damit waren die Hausherren wieder einen Mann mehr. Dennoch ging es torlos in die Pause, weil der tolle Treffer von Leroy Sané wegen Abseits nicht zählte (45.).

Kurz nach Wiederanpfiff aber zählte der Treffer. Kane netzte in klassischer Mittelstürmermanier per Flugkopfball zum 1:0 ein (52.). Kurz darauf war es Sané, der nach Laimer-Vorarbeit in der 56. Minute die Kugel zum 2:0 über die Linie drückte. Und wieder nur vier Minuten später klingelte es erneut: Musiala traf auch 17 Metern überlegt und sehenswert zum 3:0 (60.).

Als Sané dann mit einem Hammer von der Strafraumgrenze das 4:0 erzielte, war die Partie entschieden. Kane legte mit einem sensationellen Tor aus der eigenen Hälfte zum 5:0 nach (69.), ehe der eingewechselte Thomas Müller in der 71. Minute das 6:0 erzielte. Musiala legte dann sogar das 7:0 nach. Kane setzte dann den 8:0-Schlusspunkt.

Die Noten und Einzelkritik zum Schützenfest des FC Bayern

Manuel Neuer

Erster Handkontakt in der 6. Minute, zunächst aber war der Rückkehrer nach 350 Tage ohne Einsatz vor allem als Vermittler gefragt. Als Thomas Tuchel Gelb sah (7.), übernahm der Kapitän die Konversation mit dem aufgebrachten Referee. Skarke forderte einen ersten Reflex (29.), der deutlich wichtigere folgte acht Minuten später gegen Mehlem. Das sichere 1:0 der Darmstädter blieb aus, die Südkurve skandierte seinen Namen. Auch später immer da – und mit vollem Herzen dabei. Bei allen Bayern-Toren sprang er jubelnd in die Luft. Note: 2

Noussair Mazraoui

Sein Kopf war gleich wichtig, denn mit ihm wurde der erste Freistoß der Darmstädter aus aussichtsreicher Position direkt entschärft. Offensiv ging zunächst über die rechte Seite deutlich weniger als über links, aber es reicht ja, wenn dann wenigstens richtig was geht. So wie in der 52. Minute, als er nach einem Zuspiel von Jamal Musiala flankte – und Harry Kane zum 1:0 zur Stelle war. Und in der 71., als er den eingewechselten Thomas Müller bediente. Note: 2

Matthijs de Ligt

Machte das, was er kann – und wofür er geschätzt wird: verteidigen, wie es im Buche steht. Dafür konnte er zwei Kopfbälle aus kurzer Distanz nicht im Tor unterbringen und scheiterte aus der Distanz. Immerhin: erstaunlich viele Abschlüsse. Note: 3 (ab 77. Alexander Pavlovic o.B.)

Minjae Kim

Musste sich erstmal daran gewöhnen, dass hinter ihm ein anderer Mann dirigierte. Agierte in manchen Szenen etwas zu passiv und eröffnete so Räume für Darmstadt. Am Ende immer weniger zu tun. Note: 3

Alphonso Davies

Von Beginn an ballsicherer als in Istanbul – hinten gefragt, aber mit viel Drang nach vorne. Löste viele Szenen mit gewohntem Tempo, stand aber nicht immer richtig. Note: 3 (ab 66. Frans Krätzig o.B.)

Joshua Kimmich

Musste die Kapitänsbinde an Manuel Neuer abgeben – aber das war für ihn an diesem gebrauchten Tag Nebensache. Wie schon beim Elfmeter in Istanbul äußerst unglücklich, diesmal mit persönlich schwerwiegenden Folgen. Nach einem Ballverlust ging Mehlem energisch dazwischen, ehe Kimmich den Darmstädter einen halben Meter vor dem Strafraum zu Boden riss. Letzter Mann, Notbremse, Dienstschluss nach vier Minuten. Ganz, ganz bitter. Note: o.B.

Konrad Laimer

Stand anders als in Istanbul diesmal schnell in tragender Rolle. Als er im Vollsprint nach Zuspiel von Leroy Sané aufs Tor zulief und von Gjasula berührt wurde, gab es Verwirrung. Den Elfmeterpfiff nahm der VAR zurück, dafür gab es Freistoß – und die zweite Rote Karte des Spiels. Vor dem 2:0 hatte er viel Platz, aber auch ein Auge für Sané. Note: 2 (ab 77. Mathy Tel o.B.)

Leroy Sané

Versuchte es aus der zweiten Reihe, die erste Chance ging auf seine Kappe. Die guten Taten vorne aber wurden durch einige Ballverluste hinten diesmal zunächst überstrahlt. Leitete dann aber mit viel Tempo wichtige Szenen ein. Dass ihm auch selbst zwei Treffer gelangen: logisch. Pass von Laimer, da musste er nur noch den Fuß zum 2:0 hinhalten (56.), das 4:0 machte er aus 18 Metern alleine (64.). Note: 1

Jamal Musiala

Die ersten Pässe kamen nicht an, es dauerte ein bisschen, bis er im Spiel war. Das lag aber auch daran, dass er nach Kimmichs Roter Karte auf der ungewohnten Sechser-Position aushelfen musste. Von dort hatte er später ein besseres Auge und schickte unter anderem Coman (30.). Hinten aber ging er zu oft ins Dribbling und verlor einige Bälle. Bediente Mazraoui vor der Flanke zum 1:0 und Laimer vor dem Pass zum 2:0. Das 3:0 (60.) und das 7:0 (75.) machte er dann gleich selbst. Note: 1 (ab 77. Eric Maxim Choupo-Moting o.B.)

Kingsley Coman

War im Offensivspiel lange der am wenigsten Beteiligte. Hatte dann aber nach einer knappen halben Stunde nach schönem Zuspiel von Musiala das 1:0 auf dem Fuß. Danach immer wieder dabei, wenn die zunehmend spielbestimmenden Bayern Darmstadt laufen ließen, aber ohne Torbeteiligung. Note: 3 (ab 66. Thomas Müller o.B.)

Harry Kane

Spielte etwas tiefer und war so deutlich schneller im Spiel als in einigen zurückliegenden Partien. Das Zusammenspiel mit Sané klappte, ein Seitfallzieher sah spektakulär aus, brachte aber keinen Ertrag. Als er sich den Ball schon zum Elfmeter bereitgelegt hatte, entschied der VAR auf Freistoß. Und als er später alleine aufs Tor zulief und von Matej Maglica gestoppt wurde, flog der nächste Darmstädter vom Platz. Machte den logischen Bayern-Treffer im Spiel „10 gegen 9“, bedient von Mazraoui von links du per Flugkopfball (52.). Und sorgte dann für einen historischen Moment: Von der Mittellinie traf er ins leere Darmstädter Tor (69.). Undsetzte mit dem 8:0 den Schlusspunkt (88.). Note: 1

Aus der Allianz Arena berichten Hanna Raif, Vincent Tschirpke und Florian Schimak

Rubriklistenbild: © IMAGO/nordphoto GmbH / Straubmeier

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