VonLars Pollmannschließen
Führungsspieler Joshua Kimmich spricht Klartext über die angeblichen Probleme in den Kabinen beim FC Bayern und der Nationalmannschaft.
Herzogenaurach – In der jüngsten Zeit war der FC Bayern von Unruhe geprägt. Mit Julian Nagelsmann und Thomas Tuchel sollen zwei renommierte Top-Trainer ‚die Kabine verloren‘ haben, wie es oft heißt. Ähnliche Gerüchte kursierten auch über das Betriebsklima in der Nationalmannschaft.
Joshua Kimmich, eine Führungspersönlichkeit in beiden Teams, hat eine andere Sicht auf die Dinge. In München war er eine Schlüsselfigur für Nagelsmann, während er sich unter Tuchel laut Berichten weniger wohlfühlte. Die Spekulationen über angebliche Probleme in den Mannschaftskabinen stören Kimmich jedoch.
Kimmich: „Glaube nicht, dass wir eine Generation von Egoisten sind“
Kimmich sagt gegenüber der Süddeutschen Zeitung zu den Gerüchten: „Damit kann ich gar nichts anfangen. Als ich bei Bayern vor neun Jahren angefangen habe, saßen viel mehr große Egos in der Kabine als jetzt, auch bei der Nationalmannschaft nach der WM 2014. Ich glaube nicht, dass wir eine Generation von Egoisten sind“. Seine Erfahrungen in den Umkleiden beider Teams gehen sogar in die gegenteilige Richtung.
„Ich glaube daher, dass so etwas von außen gerne reininterpretiert wird, wenn man nicht gewinnt oder wenn insgesamt Unruhe herrscht“, erklärt Kimmich. Insbesondere beim FC Bayern gab es in den letzten Monaten viele solcher Sorgen. Viele vermeintliche Experten griffen auf das vage Argument einer problematischen Mannschaftskabine zurück, die es den Trainern schwer machen würde.
Kimmich betont Verantwortungsbewusstsein der DFB-Spieler
Auf der Hand liegt jedoch, dass Nagelsmann seine Erfahrungen beim FC Bayern in seine Arbeit als Bundestrainer einbringt und eine klarere Hierarchie im DFB-Team etabliert hat. Alle Nationalspieler wissen genau, was von ihnen unter seiner Führung erwartet wird. Kimmich, einer der Stellvertreter von Kapitän İlkay Gündoğan, ist als feste Stütze im Team eingeplant.
Kimmich unterstützt Nagelsmanns Ansatz. „Ich bin grundsätzlich ein Fan davon, dass sich so viele Spieler wie möglich für das Ergebnis einer Mannschaft verantwortlich fühlen“, betont er. Es sei wichtig, dass es eine Gruppe von Spielern gibt, „die sich für die Gesamtentwicklung verantwortlich fühlen“. Kimmich, der mit der Rolle als Rechtsverteidiger seinen Frieden gemacht hat, gehört zweifellos zu dieser Gruppe.
Kimmich: „Für alle hier etwas absolut Einmaliges in der Karriere“
Kimmich zieht dabei auch Motivation aus den Erfahrungen der letzten Monate. „Gerade nach dieser unbefriedigenden Saison beim FC Bayern habe ich mich total auf dieses Turnier gefreut. Weil wir da die Chance haben, wieder positive Emotionen zu schaffen und ein ganzes Land zu begeistern. Und weil es für alle hier etwas absolut Einmaliges in der Karriere ist.“
Die persönliche Zukunft beim FC Bayern ist derzeit indes kein Hauptanliegen von Kimmich. „Ich habe beim FC Bayern einen Vertrag bis 2025, da liegt es jetzt primär nicht an mir, aktiv zu werden“, erklärt er. „Mein Fokus liegt einzig und allein auf der Europameisterschaft, und danach wird es einen Austausch geben.“
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