Bayern-Coach Tuchel nimmt DFB-Stars in Schutz – und startet dann flammenden Appell
VonFlorian Schimak
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Philipp Kessler
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Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel am Freitag in Köln nahm Bayern-Trainer Thomas Tuchel seine Stars in Schutz und machte sich für weniger Belastung stark.
München – Zwei Pleiten gegen die Türkei (2:3) und in Österreich (0:2), die Stammplatzdiskussion um Joshua Kimmich (28), die Tätlichkeit von Leroy Sané (27), dazu die öffentliche Spielerkritik von Bundestrainer Julian Nagelsmann (36).
Die Stars des FC Bayern-Stars kommen, wie quasi seit Jahren üblich, auch dieses Mal wieder mit Negativerlebnissen von der deutschen Nationalmannschaft zurück. Beim deutschen Rekordmeister sollen die Spieler in einer Wohlfühl-Oase – mit klarer Struktur, simplen Anweisungen und auf gewohnten Positionen – zu alter Stärke zurückfinden.
Bayern-Stars kehren vom DFB zurück: Tuchel will Wohlfühl-Oase schaffen
„Wir tun alles dafür, dass sie sich hier sicher und wohl fühlen. Ganz egal, ob sie gute Erlebnisse haben oder auch mal schlechte wie zuletzt, wollen wir ein Umfeld und eine Einheit bieten, in dem die Spieler positiv sein und neue Energie tanken können, auch wenn es nicht so lief, wie sie sich das gewünscht haben“, betonte Trainer Thomas Tuchel (50) am Donnerstag im Pressestüberl der Säbener Straße.
Nach der Roten Karte gegen Österreich für Sané erwartet der Coach keinen Einfluss auf dessen Leistungen beim FC Bayern. „Leroy hat mein volles Vertrauen und meinen vollen Schutz“, so Tuchel.
Thomas Tuchel setzt weiter auf Joshua Kimmich: „Schlüsselspieler für uns“
Auch Sechser Kimmich, der am Dienstag in Wien nicht in der Startelf stand und den die Sechser-Debatte während der Länderspielreise begleitete, stärkte der Trainer auf Nachfrage von tz.de den Rücken: „Gerade in solchen Momenten ist es wichtig, an der Seite des Spielers zu stehen. Er hat unser vollstes Vertrauen und ist ein Schlüsselspieler für uns.“
Tuchel werde sich aber nicht in die Analyse des DFB hängen: „Das ist nicht unsere Verantwortung.“ Es gehe jetzt darum, die unschönen Erlebnisse schnellstmöglich abzustreifen und den Fokus wieder auf den FC Bayern zu legen.
In der aktuellen Bundesliga-Saison sind die Münchner noch ungeschlagen. Der Wunsch: Am Freitag in Köln (20.30 Uhr/DAZN) sollen die DFB-Stars wieder ihr Bayern-Gesicht zeigen. Auch, wenn das nicht einfach wird.
Zu viele Spiele? Für Thomas Tuchel ist die Belastung der Spieler „an der Grenze“
Unabhängig von den Erfolgen und Nicht-Erfolgen der Nationalspieler aus verschiedenen Ländern sei das Feedback der Auswahltrainer, dass die Topspieler „müde sind, die sind mental müde, emotional müde, erschöpft, physisch müde“, stellte Tuchel klar. „Da geht es nicht nur um die Spielminuten, sondern auch die Zeiten auf Reisen. Das ist belastend.“
Linksverteidiger Alphonso Davies (23) kam gestern aus Kanada zurück nach München, der Südkoreaner Minjae Kim (27) aus China. Beide mit vielen Stunden Zeitverschiebung. „Wenn ich von der Asien-Tour mit dem FC Bayern zurückkomme und gar nicht gespielt habe, dann sind erst mal zwei Tage frei. Und dann wächst du morgens immer noch auf und weißt nicht genau, ob du gut geschlafen hast oder nicht“, erklärte Tuchel. „Und der steht halt in Köln irgendwann nach seinem Mittagsschlaf auf und weiß nicht genau, wo er aufgewacht ist.“
Was wird aus Sane? Vertragslaufzeiten der Bayern-Stars
FC Bayern am Freitagabend beim 1. FC Köln? Tuchel nennt es „eine sehr, sehr unglückliche Ansetzung“
Durch die EM im Sommer und mehr Spiele in der Champions League könnte die Belastung weiter erhöhen. „Das ist einfach an der Grenze, wenn nicht sogar drüber“, appellierte Tuchel. „Aufmerksamkeit, Freude, Lust und ein Enthusiasmus sind die Basis fürs Spiel und die Basis, um die Zuschauer zu begeistern.“
Dass die Bayern schon heute wieder in Köln ranmüssen, sei „eine sehr, sehr unglückliche Ansetzung“. Für seine Mannschaft solle das jedoch keine Entschuldigung sein. Philipp Kessler