Kimmichs verhängnisvoller Fauxpas, der im Fernsehen ignoriert wurde
VonDaniel Michel
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Der FC Bayern muss eine 1:2 Niederlage gegen Inter Mailand hinnehmen. Joshua Kimmich leistet sich vor dem 0:1 einen peinlichen Fehler.
München – Wie immer nach einer bedeutenden Niederlage des FC Bayern wird nach Gründen und Schuldigen gesucht.
Die 1:2-Niederlage gegen Inter Mailand im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League war für die Münchner extrem enttäuschend, schließlich sollte der vermeintlich zurückgebliebene italienische Fußball – man lese sich die Kolumne von Ex-Kapitän Philipp Lahm in der Zeit durch – nur eine Durchgangsstation auf dem Weg zum „Finale dahoam 2.0“ sein.
Nun kam es anders: Inter zeigte mit seinen Routiniers eine reife, abgezockte Leistung, während die Münchner wie ein mittelklassiger Bundesligist einige Torchancen verschusselten und defensiv in Sequenzen grobe Fehler begingen, angefangen bei der Situation eines gegnerischen Einwurfs, bei dem die Bayern-Abwehr einen Inter-Angreifer alleine im Strafraum stehen ließ. Beim Einwurf ist die Abseitsregel aufgehoben!
Die Berichterstatter stürzten sich im Nachgang der Partie vor allem auf FC-Bayern-Einwechsel-Spieler Sacha Boey, der eine miserable Leistung bot und sicherlich das 1:2 mitverschuldete.
Für den größten Bayern-Bock des Abends sorgte aber Kapitän Joshua Kimmich. Nach langem Vertragspoker und einem ordentlichen 20-Millionen-Euro-Vertrag sind vom 30-Jährigen in der Crunchtime Topleistungen zu erwarten.
Doch mit einem Schlafmützen-Moment brachte Kimmich seine Mannschaft ins Hintertreffen. Das 0:1 ging zum Großteil auf die Kappe des Sechsers, auch wenn es am Dienstagabend bei Amazon weder von Kommentatoren noch Experten thematisiert wurde.
Jeder kann sich aber nochmal auf YouTube die Zusammenfassung des Spiels durch den Streamingdienstanbieter ansehen. Die Szene vor dem Gegentor beginnt bei Minute 1.44.
Kimmich im Laufduell mit Martínez
Bei Minute 1.52 kann man das Bild stoppen: Dort trabt der spätere Torschützen Lautaro Martínez auf Höhe der Mittellinie. Einen Schritt hinter ihm ist Joshua Kimmich.
Inter greift dann über die linke Seite an, Martínez trabt noch etwas, Kimmich auch, obwohl er schon längst nach hinten laufen müsste. Martínez zieht am Ende des Mittelkreises zum Sprint an, Kimmich zögert für einen Moment und bleibt noch im ersten Gang.
Kimmich merkt aber, dass es nun brandgefährlich werden könnte, und zieht auch zum Sprint an. Martínez ist enteilt.
Warum zögert Kimmich?
Doch auf Strafraumhöhe wird Martínez langsamer, er lauert auf seine Abschlusschance. Kimmich könnte ihn nun im Vollsprint einholen, doch kurz vor dem Strafraum schraubt Kimmich sein Tempo selbst wieder zurück. Mutmaßlich weil er nicht damit rechnet, dass Marcus Thuram per Hacke auf Martínez zurücklegt, sondern selbst abschließt.
Das Unheil nimmt seinen Lauf: Thuram legt zurück, Martínez zieht ab und trifft traumhaft zum 1:0 für Inter. Danach schimpft Kimmich wie ein Rohrspatz auf dem Platz, das fangen auch die TV-Kameras ein. Unklar, ob Kimmich auf sich selbst sauer ist oder sich über Teamkollegen aufregt.
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Kimmich hat diesen Schlafmützen-Moment jedenfalls nicht das erste Mal. Im Achtelfinal-Rückspiel bei Real Madrid Anfang 2017 verlor der junge, in der 88. Minute eingewechselte Kimmich ein langes Laufduell in der Verlängerung gegen den alten, übermüdeten Startelfspieler Marcelo. Aus der Situation resultierte damals ebenfalls ein Tor (3:2), es war der endgültige Champions-League-K.o. für die Münchner.
Dieses Mal hat Kimmich gemeinsam mit seinen Teamkollegen noch das Rückspiel Zeit, um diesen Fehler und die Niederlage wieder gutzumachen.