Aufstieg realistisch?

Benny Lauth spricht Klartext über Zukunft des TSV 1860

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Landet der TSV 1860 München mittel- bis langfristig wieder in der 2. beziehungsweise 1. Bundesliga? Benny Lauth analysiert die aktuelle Situation.

München – Bei der Premiere der ARD-Doku „Rise & Fall of TSV 1860“ ließ Ex-Löwe Benjamin Lauth tief blicken. Der ehemalige Stürmer sprach Klartext über die Zukunft seines Herzensvereins – und seine Aussagen dürften so manchem Fan aus der Seele sprechen.

Löwen-Legenden Benjamin Lauth, Fredi Heiß, Daniel Bierofka.

Lauth wurde emotional, wenn es um die Stadionfrage geht: „Das Beste wäre, das Grünwalder Stadion so auszubauen, dass dort 30.000 Leute Platz haben. Das wäre die Königslösung.“ Der 44-Jährige brachte auf den Punkt, was Sechzig-Fans seit Jahren umtreibt. Giesing ist die Heimat der Löwen – doch das marode Stadion wird zunehmend zum Problem.

„Rise & Fall of TSV 1860“

Die Dokumentation „Rise & Fall of TSV 1860“ thematisiert den Aufstieg und Fall des Traditionsklubs aus München-Giesing. Die Dokumentation über die Löwen läuft ab 25. Oktober in der ARD-Mediathek und am 2. November ab 23.05 Uhr im BR-Fernsehen.

Grünwalder Stadion: Ein Dilemma für den TSV 1860 München

„Wir drehen uns schon jahrelang um dieses Thema“, klagte Lauth. Seine Forderung ist klar: endlich eine Entscheidung! Falls der Ausbau scheitert, müsse Plan B her, wobei Lauth betonte: „Ich bin keineswegs für ein neues Stadion oder irgendwo anders hinzugehen.“

Trotz der Rückschläge bleibt Lauth optimistisch. Zu Beginn dieser Spielzeit dachte er sogar an eine „entspannte Aufstiegssaison“. Auch wenn sich das geändert hat, sieht der Ex-Profi noch Potenzial: „Der Kader ist stark genug, die Punkte nach oben sind immer noch überschaubar.“

Hasan Ismaik und der TSV 1860: Ära voller Pleiten, Pech und Pannen geht weiter

Ismaik bei seiner Vorstellung.
Seit dem 30. Mai 2011 besteht der Kooperationsvertrag zwischen Hasan Ismaik. Am Anfang hatte der Jordanier große Pläne mit den Löwen und wollte sie wieder zu alten Erfolgen führen. © imago sportfotodienst
Hasan Ismaik auf der Tribüne
Ismaik übernahm 60 Prozent der Anteile an der TSV München von 1860 GmbH % Ko. KGaA durch sein Unternehmen HAM International Limited und hatte den Traum irgendwann auf Augenhöhe mit dem FC Barcelona zu sein. © imago sportfotodienst
Hasan Ismaik bei der Pressekonferenz.
Doch Ismaik hatte sich alles einfacher vorgestellt als es war. Durch die 50+1-Regel konnte der Investor keine Entscheidung alleine treffen und brauchte die Verantwortlichen des Klubs, um Dinge durchzudrücken. Das klappte so gut wie nie. © imago sportfotodienst
Die Fans sind gegen Hasan Ismaik.
Die Fans waren von Anfang an gegen den Investor und zeigten ihren Unmut mit einem Spruchband auf dem stand: „Ein arabisches Sprichwort: wer sich in Dinge einmischt, die einen nichts eingehen, wird Dinge hören, die einem nicht gefallen.“ © imago sportfotodienst
Hasan Ismaik beim Oktoberfest.
Ismaik hingegen genoss die Anfangszeit bei den Löwen trotzdem in vollen Zügen und ließ sich auch auf dem Oktober-Fest ablichten. Im Hintergrund brodelte es allerdings schon. © imago sportfotodienst
Hasan Ismaik steigt ins Auto.
Denn Ismaik wetterte intern und öffentlich gegen die 50+1-Regel, nannte sich gar „undemokratisch“ und „investorenfeindlich“. Der Jordanier wollte mit aller Macht seine Vorhaben durchbringen, hatte aber kaum Verbündete im Verein. © imago sportfotodienst
Die Fans von 1860 sind für die 50+1-Regel.
Mit seiner Kritik gegen die 50+1-Regel brachte er vor allem die Fans so richtig auf die Barikaden. Schon 2013 schien das Tischtuch zwischen Verein und Ismaik zerschnitten. Trotz sportlich ordentlichen Ergebnissen in der 2. Bundesliga rechnete man mit einem schnellen Ende der Saga. © imago sportfotodienst
Fan-Aktion gegen Hasan Ismaik.
Ismaik aber blieb und machte die Fans nur noch wütender. Während der Saison 15/16 gab es eine große Fan-Aktion während des Spiels. Ein Banner mit der Aufschrift „Hasan verpiss dich“ und zahlreiche Papierblätter, auf dem der Kopf des Investors durchgestrichen war, machten Eindruck, doch ließen den Jordanier weiterhin kalt. © imago sportfotodienst
Hasan Ismaik schaut nachdenklich.
„Die Fans müssen mehrheitlich sagen, dass ich gehen soll. Und ich muss die vollständige Summe, die ich investiert habe, wieder zurückerhalten“, sagte der Investor auf einer Pressekonferenz. Nach diesen Aussagen wurde Ismaik von allen Seiten vorgeworfen, realitätsfremd zu sein, weil er eigentlich wissen müsse, dass die Fans ihm nicht im Verein haben wollen. © FrankHoermann/SVEN SIMON
Hasan Ismaik und Vitor Pereira geben sich die Hand.
Für 1860 München ging es sportlich weiter bergab. Plötzlich fand man sich am Abstiegskampf der 2. Bundesliga wieder. Trotzdem gelang es Ismaik im Januar 2017 mit Trainer Vitor Pereira einen dicken Fisch an Land zu ziehen. © imago sportfotodienst
1860 München steigt ab.
Doch auch das alles brachte nichts. Durch das Ismaik-Chaos konnte niemand im Verein ruhig arbeiten und auch die Mannschaft konnte kaum mehr gute Leistungen zeigen. Es ging in die dritte Liga. © LakoPress
Ismaik hebt seine Finger.
Denkste! Denn Ismaik verweigerte die elf Millionen Euro Nachzahlung, die der Verein für die Drittliga-Lizenz brauchte. Damit stürzte der Verein in die Regionalliga ab.  © FrankHoemann/SVEN SIMON
Ismaik in der Allianz-Arena.
Auch solche Bilder sollte es danach nicht mehr geben, denn der Verein konnte sich den Spielbetrieb in der Allianz-Arena einfach nicht mehr leisten. Es ging wieder zurück an die Grünwalder Straße. Zudem gab es große Stadionpläne, die aber bis heute nie umgesetzt wurden. © FrankHoermann/SVEN SIMON
Robert Reisinger auf dem Podium.
Es gab viele Verantwortliche, mit denen Ismaik ein Problem hatte. Doch besonders Präsident Robert Reisinger war für den Jordanier ein Dorn im Auge. Nach seiner Wiederwahl in der Saison 19/20 bezeichnete der Investor die Wahl als eine Tragödie. Reisinger schoss zurück und machte Ismaik für die Schulden und den Zwangsabstieg des Klubs verantwortlich. © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON
Ismaik zu Besuch in München.
Oft sah man Ismaik nicht mehr in Deutschland. 2024 besuchte er München allerdings und kündigte an, eine Villa in München zu suchen, um näher am Geschehen zu sein. © IMAGO/Ulrich Wagner
Alexander Hofmann spricht ins Mikro.
Ismaik wollte das „Bündnis 1860“ in der Klubführung etablieren und stellte mehrere Kandidaten für den Verwaltungsrat auf. Auch Alexander Hofmann, der vorher durch geschmacklose Social-Media-Posts aufgefallen war, gehörte zu ihnen.  © IMAGO/Ulrich Wagner
Ismaik sitzt auf einem Sessel.
Am Ende wurde allerdings kein Ismaik-Kandidat gewählt. Der Investor musste eine weitere Niederlage einstecken und die wohl letzte Chance begraben, das Ruder des Vereins zu übernehmen.  © IMAGO/Ulrich Wagner
Die Spieler von 1860 München jubeln.
Zumindest sportlich hat sich der Verein inzwischen wieder etwas stabilisiert. In der dritten Liga zeigt das Team immer wieder starke Leistungen und hat gute Phasen, am Ende der vergangenen Saison landete man aufgrund der Inkonstanz allerdings nur auf Platz 11. © IMAGO/Lucca Fundel
Ismaik winkt.
2025 dann der große Knall. Der Investor ließ im Bayerischen Rundfunk eine Bombe platzen: „Ich denke, 1860 braucht jemand Neues – sie brauchen Hasan nicht.“ Sofort machten Gerüchte um einen Verkauf der Löwen-Anteile die Runde. © IMAGO/Ulrich Wagner
Der neue Präsident der Löwen Zenith Gernot Mang.
Am 06. Juli 2025 wurde der neue Präsident der Löwen gewählt. Zenith Gernot Mang war der Auserkorene und sollte den Starschuss für eine neue Zeit einleiten.  © IMAGO/Ulrich Wagner
Die Fans von 1860 protestieren auf der MV.
Auch die Mitglieder freuten sich darüber, dass der „14-jährige Kampf“ endlich vorüber sei. Ohne Investor Ismaik sollte endlich wieder Ruhe in den Verein einkehren.  © IMAGO/Ulrich Wagner
Ismaik telefoniert in München.
Doch dann der große Knall. Plötzlich stoppte Ismaik den Verkaufsprozess doch. „Ein Rückzug meinerseits würde dem TSV 1860 nicht helfen – im Gegenteil. Aus diesem Grund habe ich entschieden, den angestoßenen Verkaufsprozess sofort zu stoppen“, verkündete er auf X. © IMAGO/Ulrich Wagner
Der Präsident von 1860 München spricht.
Das Präsidium des Vereins war natürlich nicht erfreut, vor allem, weil man Anfang Juli bereits eine Mitteilung gemacht hatte, dass der Investor seine Anteile auf jeden Fall verkauft. Die Euphorie im Verein war plötzlich wieder weg. © IMAGO/Ulrich Wagner
Ein Sticker gegen Hasan Ismaik.
Auch die Fans müssen den Traum, dass Hasan Ismaik den Verein verlässt, erst einmal begraben. Doch eine Reaktion der Szene wird sicher nicht lange auf sich warten lassen.  © Manfred Segerer via www.imago-images.de
Hasan Ismaik grinst in die Kamera.
Investor Hasan Ismaik kam mit großen Zielen zu 1860 München, doch in seiner Zeit stürzte er den Verein nur noch mehr ins Chaos. Wird er jemals aus seinen Fehlern lernen?  © FrankHoermann/SVEN SIMON

Was Lauth besonders beeindruckt: „Die Hoffnung, dass es nach oben geht, ist dieses Jahr so stark wie noch nie – zumindest bei mir.“ Ende Oktober ist immerhin erst ein Drittel der Saison vorbei. Zeit genug für eine Wende. Neu-Trainer Markus Kauczinski feierte bei seinem Debut einen 3:1-Sieg gegen den MSV Duisburg.

Bei aller Euphorie bleibt Lauth Realist. Auf die Frage nach der Bundesliga-Perspektive wurde er deutlich: „Wenn man Stadion, Nachwuchs und Infrastruktur nimmt und alles aufaddiert, dann gibt es mehr als 18 Vereine, die besser sind als Sechzig.“ Seine ernüchternde Prognose: „Das schafft man nicht in zwei, drei Jahren. Das dauert wahrscheinlich 10–15 Jahre, um das wieder aufzuholen.“

Ein Aufstieg allein reiche nicht – es brauche eine langfristige Strategie. Lauth kennt das Dilemma: Tradition bewahren oder Erfolg jagen? „Das ist die große Herausforderung“, erklärt er. Als ehemaliger Bundesliga-Spieler sehnt er sich nach den großen Duellen zurück: „Ich hab diese Spiele gegen Dortmund, gegen Stuttgart erleben dürfen – das ist noch mal was ganz anderes.“

Die Lösung? „Den Mittelweg finden.“ Denn auch wenn das Grünwalder Stadion Heimat ist – die Fans wollen dennoch Erfolg sehen. Lauths Fazit zeigt: Der Weg zurück an die Spitze wird steinig. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt – gerade bei den Löwen.

Rubriklistenbild: © BR/Raphael Kast

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