Transfer-Zoff um Woltemade. Bayern-Boss Eberl spricht Klartext – und stellt öffentlich die Millionenforderung des VfB Stuttgart infrage.
Orlando – Die Transferbemühungen um Nick Woltemade sind neben der Club-WM derzeit das bestimmende Thema beim FC Bayern. Die Einigung des Rekordmeisters mit dem Shootingstar der U 21-EM sorgte nicht nur für den Start in die Verhandlungen mit dem VfB Stuttgart, sie führte auch zu einem Streit zwischen Lothar Matthäus und Uli Hoeneß (tz berichtete).
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Durch die inzwischen offen ausgetragene Transferfehde stellt sich allerdings die Frage: Ist die Verhandlungsposition des FC Bayern besser geworden – oder hat sie sich verschlechtert?
Ein schneller Woltemade-Transfer deutete sich an
Zur Beantwortung hilft zunächst einmal ein Überblick: Nach der publik gewordenen Einigung tat sich der Eindruck auf, dass die Münchner einen echten Coup gelandet hatten. Der Stürmer soll schließlich bereits dem Verein und Trainer Sebastian Hoeneß mitgeteilt haben, diesen Sommer zum FC Bayern wechseln zu wollen – und zwar nur zum FC Bayern. Ein schneller Transfer schien sich anzudeuten – der im Gegensatz zu den Bemühungen um Florian Wirtz kaum Vorlaufzeit brauchte. Die Einigung mit Woltemade, der öffentliche Druck – all das schien für den FCB und Max Eberl zu sprechen.
Dann begann der VfB Stuttgart allerdings, Ablöseforderungen an die Presse durchzustecken, die für den FC Bayern niemals realisierbar wären: 100 Millionen Euro stehen als Forderung im Raum, Matthäus legitimierte die Summe und entfachte damit den Streit mit Hoeneß.
Eberl: „Ist Nick Woltemade 80 Millionen wert?“
Nach dem Spiel gegen Flamengo stellte sich Max Eberl dann den Fragen der Reportern – und zwar für fast 13 Minuten. Dass der FC Bayern keine „Mondpreise“ zahlen wolle, erklärte er im Eifer einer Diskussion. Eberl stellte den Journalisten die Frage: „Ist Nick Woltemade 80 Millionen wert?“ Die Antwort eines Reporters: „Wahrscheinlich macht der Markt den Preis.“ Der Konter Eberls: „Ist er’s wert?“ Die Antwort darauf lautete: „Nein“ – und der Sportvorstand nickte und erklärte: : „Es gibt einen Rahmen, in dem man sagen kann: Es passt.“ Außerdem bestätigte er: „Dass Nick ein Spieler ist, der für uns interessant ist, weiß jetzt auch die ganze Welt. Das ist kein Geheimnis mehr.“
Was man bei all dem nicht vergessen darf: Woltemade steht nun ebenfalls unter Druck. Sollte ein Wechsel scheitern, nachdem sein Transferwunsch so öffentlich ausgetragen wurde, würde er in Stuttgart einen schweren Stand haben. Über die Aussagen Eberls, wie viel oder wenig er wert sei, dürfte er sich nicht gerade freuen – auch wenn eine geringere Ablöse im Zweifel seinem Gehalt oder einer „Signing Fee“ zugutekommen würde.
Was hinter den dünnhäutigen Aussagen steckt
Die dünnhäutigen Antworten Eberls, die emotionale Reaktion Hoeneß‘ – all das zeigt, wie sehr der FC Bayern nach den gescheiterten Anläufen bei Wirtz, Nico Williams und Jamie Gittens unter Druck steht. Stuttgart wird nun freilich versuchen, diese Situation für sich zu nutzen und eine möglichst hohe Ablöse herauszuschlagen. Eine Summe in Höhe von 50 bis maximal 60 Millionen Euro scheint allerdings realistischer.
Dass all diese Details überhaupt nach außen getragen wurden, ärgert Eberl jedenfalls. Die Preise würden verhandelt wie „auf dem Basar“, obwohl es „noch kein echtes Gespräch mit dem VfB Suttgart“ gegeben hätte: „Man kann heutzutage gar nicht mehr in Ruhe versuchen zu verhandeln.“